Immobilie mieten oder kaufen? (durchgerechnet)

Wer im Beruf angekommen ist, zwei oder drei Karriereschritte hinter sich hat und gerne eine Familie gründen möchte oder damit schon begonnen hat, steht oftmals vor der Frage: Mieter bleiben oder eine Immobilie kaufen? Aus finanzieller Sicht ist es wohl für die Mehrheit der Deutschen die wichtigste Entscheidung des Lebens. Damit Sie sich richtig entscheiden können und nicht später irgendwas bereuen, erklären wir Ihnen in diesem Blogartikel, wie Sie für sich überprüfen können, ob Sie lieber mieten oder kaufen sollten.

Für Familien ist das oft ein klarer Fall – ist der Nachwuchs da, muss ein Eigenheim her! Doch hohe Preise, fehlende Baustoffe und teure Kredite lassen den Traum von den eignen vier Wänden in vielen Fällen in weite Ferne rücken. Doch bevor Sie überhaupt anfangen zu rechnen, ob Sie sich ein Haus oder eine eigene Wohnung leisten können, ist zunächst eine andere Abwägung wichtig: Passen Ihre persönlichen Lebensumstände und der Besitz von Eigentum gerade zusammen? Und: Kann ich mir eine Immobilie angesichts der Preise leisten?

Häuserpreisindex: Veränderung zum entsprechenden Vorjahresquartal

Häuserpreisindex - Veränderung zum entsprechenden Vorjahresquartal - Immobilienblase - Immobilien - Claus Roppel

Eine vernünftige Vergleichsrechnung bei der Bank zu bekommen, ob man lieber kaufen oder mieten soll, ist natürlich eine Illusion. Also müssen wir wie immer selbst ran. Um einen vollständigen Überblick anstellen zu können, muss man erst einmal die gesamten Kosten für einen Hauskauf betrachten und die laufenden Kosten hinzuaddieren. Nehmen wir an, Sie finden ein Häuschen (100 Quadratmeter), das für 450.000 Euro zum Verkauf angeboten wird.

Auch wenn der Kaufpreis für Sie jetzt im ersten Moment machbar klingt, reicht das leider noch nicht aus. Denn am Ende werden Sie um einiges mehr zahlen müssen, um sich Ihren Traum wirklich erfüllen zu können. Hinzu kommen nämlich noch die Nebenkosten. Sie betragen in der Regel mindestens 10 Prozent der eigentlichen Kaufsumme, also in unserem Beispiel 45.000 Euro. Diese sollten auf jeden Fall mit entsprechendem Eigenkapital abgedeckt sein. Man spricht dann auch von einer 100-Prozent-Finanzierung, weil der volle Kaufpreis der Immobilie ohne Nebenkosten durch ein Bankdarlehen finanziert wird. Wir empfehlen jedoch immer mindestens 20 oder sogar 30 Prozent finanzielle Eigenmittel einzubringen.

Die Planung der Finanzierung kann jedoch aufgrund der aktuellen Entwicklungen und der damit verbundenen Straffung der Geldpolitik ganz gehörig ins Wanken geraten. Denn die Bauzinsen orientieren sich an der Renditeentwicklung der zehnjährigen Bundesanleihe, mit der sich Finanzminister Christian Lindner Geld borgt. Und die ziehen in Zeiten hoher Inflationsraten an. Kein Investor ist daher schließlich bereit, bei einer Teuerungsrate von mehr als sieben Prozent in der Spitze sein Geld für weniger als ein Prozent Zinsen zu verleihen. Der Staat müsse also mehr bieten. Die Renditen der Bundesanleihen steigen also – und mit ihnen die Bauzinsen.

Bestzins 10-jähriger Immobiliendarlehen und Rendite 10-jähriger Bundesanleihen

Zinsentwicklung Baufinanzierung 2022 - Immobilien - Claus Roppel

Dadurch sind die Kosten für ein Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung auf mehr als das Doppelte gestiegen. Der mittlere Zinssatz sprang von 0,9 auf 2,35 Prozent. Und ein Ende ist unserer Meinung nach nicht in Sicht. Zinssätze von vier Prozent sind in diesem Jahr keine Schwarzmalerei, sondern sehr realistisch. Doch die hohe Inflation ist nur ein Teil der Ursache. Die Banken schlagen natürlich auch noch Verwaltungs-, Risiko- und Bearbeitungsgebühren sowie ihre Marge obendrauf.

Daher sollte an dieser Stelle das Budget noch nicht ausgeschöpft sein. Denn wer ein gebrauchtes Haus kauft, sollte auch noch Geld für mögliche Sanierungen übrighaben. Das wird in der Praxis oft teurer, als mancher einkalkuliert hat. Beim Mieter hingegen steht nur die Miete auf der Ausgabenseite. Jedoch ist genau jene oftmals ein weiterer Hauptgrund dafür, warum man Eigentum erwerben möchte. Die Miete – so die Annahme – könne man doch viel lieber in die eigene Immobilie stecken. Doch diese Rechnung greift unseres Dafürhaltens zu kurz.

Viele Mieter machen nämlich einen entscheidenden Denkfehler: Bei der Finanzierung ist die bisherige Miete bekanntlich ein wichtiger Bestandteil; hier wird dann die Warmmiete als Vergleichsindikator angelegt. Dabei darf es eigentlich nur die Kaltmiete sein. Denn Betriebskosten fallen schließlich auch beim späteren Häuschen an. Und diese sind dann möglicherweise höher als bislang. Wenn man nämlich bisher auf 80 Quadratmetern gewohnt hat und künftig auf 100 Quadratmetern, dann steigen auch die Nebenkosten. Hier sollte man mit zwei bis drei Euro monatlich pro Quadratmeter Wohnfläche zusätzlich kalkulieren.

Schauen wir uns aber mal die Ertragsseiten beider Parteien an. Das geht beim Mieter erstmal leichter: Während ein Käufer Teile seines Einkommens in die Tilgung und die Zinszahlungen des Kredites stecken muss, kann ein Mieter diesen Teil am Kapitalmarkt anlegen und somit langfristig Vermögen aufbauen. Hier sind mit Blick auf die historischen Daten locker 4 Prozent nach Steuern und Inflation drin.

Historische Rendite in Prozent pro Jahr an der Börse

Historische Entwicklung an der Börse - Rendite - Claus Roppel

Im folgenden Beispiel vergleichen wir den Kauf und die Miete von zwei Häusern in unmittelbarer Stadtnähe von Berlin. Hier haben wir bereits zu Beginn des Artikels den Kaufpreis inklusive Nebenkosten in Höhe von 495.000 Euro (450.000 + 45.000) festgehalten. Dazu nehmen wir an, dass unser Beispiel-Käufer ordentlich Eigenkapital auf der Seite hat – nämlich 20 Prozent (99.000 Euro). Diese Annahme treffen wir eher zugunsten des Kaufszenarios, denn in den letzten Jahren wurde auch gerne mal mehr fremdfinanziert. Es müssten also 396.000 Euro finanziert werden.

Weiterhin nehmen wir einen aktuellen Zins von 2,3 Prozent mit 20-jähriger Zinsbindung an. Soll nun der Kredit in den nächsten 25 Jahren abbezahlt sein, liegt die monatliche Rückzahlungsrate bei rund 1900 Euro – wohlbemerkt ohne zusätzliche Ausgaben für anstehende Instandhaltungen der Immobilie. Diese werden, wie bereits eingangs erwähnt, von den meisten Käufern leider stark unterschätzt.

Der Mieter zahlt für ein vergleichbares Objekt in dieser Größenordnung pro Quadratmeter 15 Euro. Bei 100 Quadratmetern macht das eine monatliche Warmmiete von 1500 Euro aus. Somit hat der Mieter im Vergleich zum Käufer vereinfacht gesagt 400 Euro pro Monat mehr zur Verfügung, die er nicht für Wohnkosten ausgeben muss. Legt er das übrige Geld nun monatlich nebst dem Anfangsvermögen von 45.000 Euro an, so hat er nach Steuern und Inflation ein Vermögen von etwas mehr als 324.000 Euro am Ende der 25 Jahre. So könnte sich der Mieter auf Lebzeiten monatlich eine zusätzliche Rente von rund 1057 Euro netto für die nächsten 20 Jahre auszahlen – ohne dabei sein Vermögen anzukratzen.

Freiheit oder Verantwortung: Sie entscheiden!

Am Ende des Tages ist das Ganze natürlich aber vor allem eine persönliche Entscheidung. Machen Sie sich aber bitte bewusst, dass Sie mit einer Immobilie, die Sie selbst bewohnen und Monat für Monat abbezahlen, auf einem ganz schönen Klumpenrisiko sitzen. Denn während man zum Beispiel mit einem breiten, weltweit gestreuten Wertpapier-Portfolio sehr gut diversifiziert ist, ist man mit einem Haus vor allem immobil.

Natürlich kann der Wert eines Hauses auch langfristig steigen – das hängt aber in erster Linie von der geografischen Lage des Objekts ab. Langfristig gesehen sind hingegen die Wertsteigerungen eindeutig auf Seiten des Aktienmarktes. So gab es bislang keine Phase in der Geschichte des globalen Aktienindex MSCI World, in der nach 15 Jahren keine positive Rendite vorlag. Hierzu könnte für Sie auch der folgende Blogartikel interessant sein: www.claus-roppel.de/boerse/boerse-verstehen.

Wenn die eigenen vier Wände aber nach wie vor Ihr großer Wunsch sind und Sie genügend Eigenkapital haben, dann ist das vor allem eine Herzensentscheidung. Rational betrachtet lässt sich ein Haus im Alter aber eher schlecht „entsparen“, also verbrauchen, um die monatliche Einkommenslücke zu schließen. Ungünstig wird es insbesondere dann, wenn man zum Beispiel pflegebedürftig wird und eigentlich Cash anstelle einer großen Immobilie bräuchte. Dann ist man mit einem Eigenheim ziemlich unflexibel. Es ist generell schwierig, aus Ihrer jetzigen Lebenssituation heraus vorherzusagen, was Ihnen in weiter Zukunft gefallen und Sie glücklich machen wird. Studien zufolge können wir nicht verlässlich beurteilen, was uns demnächst zufrieden stellt.

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesem Artikel bei der oben genannten Fragestellung eine gewisse Hilfestellung leisten konnten. Wenn Sie darüber hinaus noch weitere Fragen haben oder sogar Unterstützung bei der beschriebenen Thematik benötigen, dann tragen Sie sich einfach unter www.claus-roppel.de/termin zu einem kostenfreien Erstgespräch ein. Denn wir helfen seit vielen Jahren Privatanlegern dabei, Vermögen aufzubauen und zu schützen.

In Immobilien investieren: Inflationsschutz oder Gefahr?

Hohe Inflationsraten, wirtschaftliche Unsicherheiten und geopolitische Spannungen – es sind schwierige Zeiten für Anleger. Immobilien gelten jedoch seit jeher als sicherer Hafen. Doch der rasante Zinsanstieg setzt auch dort Fragezeichen. Wir wollen uns das Thema „in Immobilien investieren“ daher in diesem Artikel einmal etwas näher anschauen.

Fakt ist, dass die Europäische Zentralbank auf das Ende ihrer ultralockeren Geldpolitik zusteuert. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf das Baugeld: Die Zinsen für Immobilienkredite steigen vergleichsweise schnell. Seit Jahresbeginn sind die Zinsen für zehnjährige Darlehen nach Interhyp-Zahlen von 1 auf 2,6 Prozent (Stand Anfang Mai 2022) gestiegen. Damit haben sie sich innerhalb von kürzester Zeit mehr als verdoppelt. Im ersten Quartal 2021 waren es übrigens noch 0,8 Prozent. Weitere Zinssteigerungen sind also keinesfalls ausgeschlossen, sodass im Jahresverlauf sogar mit 3 Prozent für zehnjährige Darlehen zu rechnen ist.

Zwar sind die Kreditzinsen im historischen Langzeitvergleich nach wie vor niedrig; dennoch bedeutet der derzeitige Anstieg erhebliche Mehrkosten für Investoren. Jedes Zehntel kann da schon mal richtig weh tun. Der Zinsanstieg bei zehnjährigen Darlehen von 1 auf 2,6 Prozent bedeutet nämlich bei einem Immobilienkredit über 300.000 Euro und einer anfänglichen Tilgung von drei Prozent den Anstieg der monatlichen Rate von 1000 auf 1400 Euro. In zehn Jahren wären das insgesamt 48.000 Euro.

Diese Entwicklung verteuert aber nicht nur neue Kredite. Es könnte auch bestehende Kredite durch Anschlussfinanzierungen ins Wanken bringen, und Kreditnehmer könnten so in Verzug geraten. In der Folge könnten auch Banken Probleme bekommen, weil Eigentümer ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen können.

Platzt jetzt die Immobilienblase in Deutschland?

Eigentlich wäre zu erwarten, dass die Immobilienpreise bei steigenden Zinsen stagnieren oder sogar sinken. Doch andere ökonomische Faktoren stehen dem weiterhin entgegen und lassen die Preise derzeit noch ansteigen. Es wird nämlich nach wie vor im großen Stil mit Immobilien spekuliert. Es werden demzufolge Häuser und Wohnungen gekauft mit der Hoffnung, dass die Preise weiter steigen. In den nächsten Jahren kann es aber gerade in den Großstädten zu Preiskorrekturen kommen, also zum Platzen von Immobilienpreisblasen. Auch die Europäische Zentralbank und die Bundesbank warnen vor spekulativen Übertreibungen bei der Preisbildung.

Es ist also gut möglich, dass die Immobilienpreise aufgrund des Zinsanstiegs in den kommenden Jahren zeitweise stagnieren oder auch vorübergehend einmal rückläufig sein werden. Hier sehe ich vor allem die Wohnimmobilien unter Zugzwang, bei denen im Vergleich zu Gewerbe- oder Pflegeimmobilien sogenannte indexierte Mietverträge weniger verbreitet sind.

Der Grundgedanke eines solchen Indexmietvertrags ist recht einfach: Sie als Vermieter verzichten auf das Recht, die Miete immer wieder an die Vergleichsmiete anzupassen. Stattdessen wird die Miete gemäß dem Verbraucherpreisindex erhöht. Das bedeutet, dass die Miete parallel zu den Lebenshaltungskosten, die durch das Statistische Bundesamt im Verbraucherpreisindex abgebildet werden, erhöht wird. Deshalb neigen momentan Investoren wieder stärker zu Immobilien-Engagements außerhalb von Wohnimmobilien.

Auf lange Sicht glaube ich allerdings nicht, dass sich der gesamte Immobilienmarkt in eine Abwärtsbewegung dreht. Das könnte vor allem an der großen Liquidität im Markt und der geringen Anzahl an Alternativanlagen liegen. Wir hatten in den vergangenen zehn Jahren eine Verdopplung der Geldmenge, das werden wir die kommenden zehn Jahre vermutlich auch haben. Der hohe Druck auf die Anlageklasse Immobilien wird daher weiter bestehen bleiben und die Preise, jedenfalls langfristig stabil halten dürfen. Genau deshalb gehören Immobilien auch nach wie vor zu einem festen Bestandteil eines diversifizierten Portfolios. Denn ein Immobilieninvestment schützt weiterhin vor Inflationen, daran hat sich nichts geändert.

Der Renditetipp des 21. Jahrhunderts

Angesichts des demografischen Wandels habe ich hier in den letzten Jahren vor allem die Pflegeimmobilie ins Auge gefasst. Denn bis zum Jahr 2030 werden rund 320.000 Menschen auf einen Platz in einem Pflegeheim angewiesen sein. Doch nur etwa die Hälfte dieses Bedarfs kann aller Voraussicht nach gedeckt werden.

Konkret geht es bei dieser Form der Immobilie im Übrigen darum, dass die Bewohner in einer eigenständig abschließbaren Wohneinheit leben, aber dennoch durch ​einen Betreiber an eine entsprechend professionelle Pflege angebunden sind. Und dieses soziale Investment ist zugleich mit deutlich weniger Risiken verbunden, als wie es bei einem herkömmlichen Investment in eine Immobilie als Kapitalanlage der Fall ist. Denn der Betreiber kümmert sich sowohl um die administrativen Aufgaben als auch um die Vermietung und Instandhaltung.

Das bedeutet auch, dass mit wenigen Ausnahmen sogar alle Betriebs- und Instandhaltungskosten vom Betreiber getragen werden und auch die jährliche Nebenkostenabrechnung wird nicht Problem des Investors sein. Ebenfalls wird Sie kein Mieter wegen eines defekten Wasserhahns anrufen. Das Ganze garantiert Ihnen also auch eine gewisse Planbarkeit der Kosten, die Sie bei üblichen fremdvermieteten Immobilien nicht haben. ​​Außerdem vermieten Sie als Besitzer einer Pflegeimmobilie die Wohnung gar nicht selbst an die Bewohner (Pflegebedürftigen), sondern an den ​bereits erwähnten Betreiber der Einrichtung.

Ihr zusätzliches Sicherheitsnetz

Der Vorteil ​besteht darin, dass Sie sogar bei vorübergehendem Leerstand oder Zahlungsunfähigkeit seitens des Bewohners keine Mietausfälle zu befürchten haben. Und gemäß §72 SGB XI garantierten die Träger der Sozialversicherungen sogar dem Betreiber über einen Versorgungsvertrag die Mietzahlung für den Fall, dass der Bewohner nicht in der Lage ist, mit seinen finanziellen Mitteln die Miete aufzubringen.

Zugleich haben Sie jederzeit das Recht, die Immobilie zu verkaufen, zu vererben oder auch zu verschenken, denn Sie sind als Eigentümer im Grundbuch eingetragen. Alles in allem sprechen wir also von einem Investment, dass aufgrund der steigenden Lebenserwartung und dem damit verbundenen Pflegeaufwand absolut in die Zeit passt und noch relativ unbekannt ist. Außerdem kommen hier überwiegend die bereits angesprochenen indexierten Mietverträge zum Tragen.

Wer ​angesichts dieser Gründe sein Portfolio um ein solches Investment erweitern und damit diversifizieren möchte, der kann sich einfach unter www.claus-roppel.de/termin oder im unteren Formular für ein kostenfreies Erstgespräch mit uns eintragen. Dort ​können wir uns über ​dieses Investment einmal im Detail austauschen ​und ​analysieren, ob es unter Ihren gegebenen Voraussetzungen umsetzbar und sinnvoll erscheint.

Lebensversicherung: Lohnt sich das im Jahr 2022 noch?

Die Lebensversicherung war einmal die beliebteste Form, privat für das Alter vorzusorgen – doch seit einigen Jahren häufen sich die Negativschlagzeilen rund dieses Modell. Es sei jedoch vorweg gesagt, dass der Begriff "Lebensversicherung" für sehr viele unterschiedliche Produkte hierzulande verwendet wird:

Die Risiko-Lebensversicherung ist beispielsweise keine Geldanlage, sondern lediglich eine reine Risikoabsicherung. Die Versicherungssumme wird also ausschließlich im Todesfall an die Hinterbliebenen ausgezahlt. Doch um diese Versicherung geht es hier nicht.

Die Kapital-Lebensversicherung hingegen war jahrzehntelang eine der beliebtesten Anlageformen. Dabei wird Kapital angesammelt. Jedoch wird hierbei nur ein Teil Ihres monatlichen Beitrags angelegt, der im besten Fall Zinsen erwirtschaftet und dann am Ende des Vertrages ausbezahlt wird. Der andere Teil fließt in eine reine Risikolebensversicherung. Doch es ist immer empfehlenswerter, wenn Sie Sparen und Risikoabsicherung trennen. Ihr Sparbetrag fließt besser zum Beispiel in eine private Rentenversicherung oder in Fonds. Und die Absicherung Ihrer Hinterbliebenen ist deutlich günstiger über die bereits angesprochene private Risikolebensversicherung.

Eine weitere Form, die immer wieder in Verbindung mit dem Begriff „Lebensversicherung“ genannt wird, ist die private Rentenversicherung. Diese zahlt Ihnen eine lebenslange, monatliche Rente. Im Gegensatz zu den anderen Renten (gesetzlich, betrieblich, staatlich gefördert) muss sie nur sehr gering versteuert werden. Während der Ansparzeit können Sie dort monatlich oder jährlich Beiträge einzahlen. Auch eine einmalige Summe und jährliche Zuzahlungen sind möglich. Und auch hier können Sie für den Todesfall jemanden als Begünstigten einsetzen, dies aber auch jederzeit ändern, sodass Ihr Geld im Falle des Ablebens keinesfalls verloren ist.

Das Problem bei den letztgenannten Varianten der Altersvorsorge ist aber die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Denn die Zinsen sind nun schon sehr lange auf einem historischen Tief. Versicherungsgesellschaften müssen, um ihre Garantiezusagen (siehe Grafik Garantiezins) aus Altverträgen einhalten zu können, nicht nur Eigenmittel einsetzen, sondern brauchen auch sichere Anlagen mit sicheren Zinsen. Doch letztere gibt es derzeit nicht. Das bedeutet, dass langfristig viele Garantieversprechen wohl nicht eingehalten werden können. Und die andere Seite ist, dass hohe Garantien immer auch weniger Renditechancen bedeuten.

Garantiezins der Lebensversicherer für Neuverträge

Aufgrund dieser Entwicklung haben sich über die letzten Jahre sogenannte fondsgebundene Rentenversicherungen auf dem Markt etabliert. Das Anlageprinzip, das hier zum Tragen kommt, ist ganz einfach: Ein Fonds sammelt das Geld verschiedener Anleger und kombiniert diese in verschiedene Vermögenswerte wie Aktien oder Immobilien. Dadurch steigt naturgemäß die Chance auf Erträge und damit auch eine attraktive zusätzliche Rente. Bei fallenden Kursen sind aber auch Verluste nicht ausgeschlossen.

Es kommt daher darauf an, in welcher Lebensphase Sie sich befinden. Da unsere Bevölkerung nicht überwiegend aus 20- oder 30-jährigen besteht, die noch 30 bis 40 Jahre Zeit bis zum Renteneintritt haben, muss man immer im Einzelfall schauen, ob sich ein solches Modell lohnt. Das Risiko kann aber auch immer bis zu einem gewissen Grad gesteuert werden – je nachdem, ob Sie in risikoreiche Fonds oder in Fonds mit weniger Risiko investieren. Man kann aber meist auch auf ein Ablaufmanagement vertrauen: Bedeutet, dass während der Laufzeit aktienlastiger investiert wird und zum Ruhestand dann automatisch in sichere Anlagen wird, um nicht bei einem Börsencrash kurz vor Rentenbeginn Geld zu verlieren.

Alles in allem muss man gestehen, dass eine solche fondsgebundene Rentenversicherung eigentlich die einzige Geldanlage zurzeit ist, die das sogenannte Langlebigkeitsrisiko abdeckt. Die Lebenserwartung ist angesichts des medizinischen Fortschritts in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter gestiegen, sodass viele Menschen in den kommenden Generationen 100 Jahre und älter werden können. Wer also mit 67 in Rente geht, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit noch fast 20 Jahre oder mehr vor sich. Und die Rente aus einer privaten Rentenversicherung kommt, solange Sie leben, jeden Monat pünktlich auf Ihr Konto, selbst wenn Ihr eingesetztes Kapital längst verbraucht ist.

Durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt (in Jahren)

Zwar können Sie sich auch bei einem Aktienfonds mit einem Auszahlplan monatlich Geld auszahlen lassen. Doch wenn es eine längere Börsenflaute gibt und die Kurse sinken, müssen dafür mehr Fondsanteile verkauft werden. Sie verzehren also schneller die Substanz.

Hinzu kommt der steuerliche Gestaltungsspielraum, denn während der Anlagezeit fallen bei Rentenversicherungen keine Steuern an. Bei der Rente selbst muss dann lediglich der Ertragsanteil versteuert werden. Bei einem 67-jährigen sind das 17 Prozent der Rente, die mit dem individuellen, im Alter meist geringeren Steuersatz versteuert wird. Im Gegensatz dazu werden bei Fondssparplänen sowohl in der Ansparzeit als auch in der späteren Auszahlung die Erträge versteuert, und zwar in Form der Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent.

Bei einer Kapitalauszahlung greift in der Auszahlungsphase das Halbeinkünfteverfahren. Es bedeutet, dass Sie zum Rentenbeginn nur die Hälfte der Erträge aus Ihrer Anlage versteuern müssen. Dieses Verfahren wird auch 12/62-Regel genannt, denn Voraussetzung ist, dass Ihr Vertrag zum Zeitpunkt der Auszahlung seit mindestens 12 Jahren besteht und Sie 62 Jahre alt sind.

Entscheidend ist am Ende des Tages aber vor allem, was Sie dafür bekommen. Wenn ein 30-jähriger heute eine private Rentenversicherung abschließt und weit über 80 Jahre alt wird, dann wird das Geld mehr als 50 Jahre von der Gesellschaft verwaltet. Das ist aber natürlich auch nicht kostenlos, denn Geldanlage kostet nun mal auch Geld. Aber: Es gibt, wie in anderen Bereichen auch, leistungsstarke und weniger leistungsstarke Anbieter. Deshalb ist auch hier eine qualifizierte und vertrauliche Fachkraft wichtig.

Gerade weil wir unsere persönliche Lebenserwartung und die Marktentwicklungen nicht kennen, sollten wir uns niemals auf nur ein Modell verlassen. Es hat sich in der Vergangenheit immer bewährt aufzuteilen. Einzelaktien können beispielsweise deutlich höhere Renditen einbringen als eine private Rentenversicherung. Doch in unseren Augen ist sie nach wie vor EIN wichtiger Baustein für den Ruhestand, weil sie steuerlich günstig, verständlich und bequem ist.

Wenn Sie beim Thema privater Altersvorsorge jetzt gerne unsere Unterstützung und Expertise in Anspruch nehmen möchten, dann tragen Sie sich einfach unter www.claus-roppel.de/termin zu einem kostenfreien Erstgespräch ein. Denn wir helfen mit unserer Wohlstands-Akademie seit vielen Jahren Privatanlegern dabei, Vermögen aufzubauen und zu schützen. Der kluge Umgang mit Geld ist in Zeiten wie diesen wichtiger denn je.

3 fatale Gründe, warum Sie keine klassische Lebensversicherung abschließen sollten

Des Deutschen liebstes Kind bei der Altersvorsorge – die klassische Lebensversicherung – verkommt mehr und mehr zum Auslaufmodell. Denn egal ob Rente oder Einmalleistung – bei den Prognosen zu den Auszahlungen von Lebensversicherungen gibt es in den vergangenen Jahren nur noch eine Richtung – und zwar nach unten. Daher wollen wir uns in diesem Artikel einmal die drei Gründe dafür anschauen, warum die Lebensversicherer sprichwörtlich in Lebensgefahr sind und welche drohende Gefahr für bereits bestehende Kunden einer klassischen Lebensversicherung besteht.

Fakt ist, dass sich die Zahl der Policen hierzulande auf über 80 Millionen beziffert, was im Umkehrschluss bedeutet, dass rein statistisch gesehen jeder Deutsche einen solchen Vertrag besitzt. Doch den Gesellschaften fällt es angesichts der Null- und Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank natürlich zunehmend schwerer, das Geld ihrer Kunden gewinnbringend anzulegen.

Das liegt in erster Linie daran, dass die Unternehmen grundsätzlich einen Großteil eben jener Kundengelder in festverzinslichen Wertpapieren anlegen – und da geht es ihnen schon seit Jahren wie einem Privatsparer beim Tagesgeld, nämlich dass man kaum noch etwas verdient. Und dass die letzten Monate diese Ausgangssituation nun nochmal drastisch verschärft haben, ist wohl selbsterklärend. Denn schon vor Corona waren die klassischen Lebensversicherer wegen der bereits angesprochenen niedrigen Zinsen in Bedrängnis und hofften insgeheim auf eine Trendwende in der Zinspolitik.

Doch die langfristige Konsequenz ist dramatisch: So prophezeite der Exekutivdirekter der Finanzaufsicht BaFin, Frank Grund, in einem Interview mit der „Börsen-Zeitung“, dass sich die Zahl der Lebensversicherer, die unter „intensivierter Aufsicht“ stehen, auch wegen der Corona-Krise weiter steigen werden. Schon vor Ausbruch der Pandemie war übrigens jede vierte der 85 Lebensversicherer hierzulande bei der BaFin unter Sonderbewachung wegen akuter Finanzsorgen. 

Kein Wunder also, dass immer mehr wegen ihrer klassischen Lebensversicherung verunsichert sind. Doch wollen wir uns die Auswirkungen für bestehende Verträge mal etwas genauer anschauen – denn grundsätzlich sind drei Szenarien denkbar. Erstens – der Lebensversicherer übersteht die Krise, muss aber aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsen die sogenannten Überschussbeteiligungen immer weiter kürzen.

Überschussbeteiligungen Lebensversicherung

LV: Durchschnittliche Überschussbeteiligung (Quelle: fondsprofessionell.de)

Zum Verständnis: Überschussbeteiligungen sind vereinfacht ausgedrückt vereinbarte Beteiligungen des Kunden an Überschüssen aus dem Versicherungsgeschäft des Versicherers, die noch aus der hochverzinslichen Zeit stammen, wo es beispielsweise für Staatsanleihen noch 8 oder 9 Prozent Zinsen gab. Doch je länger der Vertrag noch läuft, desto mehr macht sich dieser Abwärtstrend natürlich auch für den Kunden negativ bemerkbar. Nur knapp ein Drittel der Anbieter hält dieses Jahr die Überschussbeteiligung auf eben klassische Policen mit einem Garantiezins konstant; dementsprechend bieten immer mehr Versicherer solche Verträge im Neugeschäft erst gar nicht mehr an.

Was ich in diesem Zusammenhang aber auch immer häufiger beobachte, ist die Vorgehensweise, dass viele Lebensversicherer aufgrund der bereits genannten Probleme die Verträge samt ihrer Kunden einfach verkauft. So hat zum Beispiel die Generali Leben im Jahr 2018 rund vier Millionen Verträge an einen Finanzinvestor verkauft – das Ganze nennt sich übrigens „Rund-Off“ und ist ein sehr populäres Mittel für die Konzerne, da ihr Image dadurch nicht wirklich in Mitleidenschaft gezogen wird, wenn sich Jahre später die Kunden über niedrige Auszahlungen beklagen sollten.

Wichtig zu wissen ist jedoch, dass der jeweilige Vertragskäufer auch den Vertrag mit allen Rechten und Pflichten übernimmt. Wenn also die Voraussetzungen für einen Widerruf vorliegen, mit denen der Kunde sein gesamtes Geld zurückerhalten kann, gilt das Widerrufsrecht auch gegenüber dem neuen Vertragspartner. Sollte es aber für den Lebensversicherer zu ernsthaften Schwierigkeiten kommen, kann es im zweiten Szenario dann für den Kunden – also schlimmstenfalls für Sie – richtig ans Eingemachte gehen.

Denn nur die wenigsten wissen, dass der Gesetzgeber einem Lebensversicherer das Recht eingeräumt hat, die Beiträge zu erhöhen, wenn die eigene Kalkulation nicht mehr aufgeht – so steht es zum Nachlesen übrigens auch im Paragraph 163 des Versicherungsvertragsgesetzes. Und auch die BaFin hat bereits in der Vergangenheit entsprechende Eingriffsrecht bei einem angeschlagenen Lebensversicherer verabschiedet, die in letzter Konsequenz vor allem den Kunden richtig weh tun können.

Demnach können zur Vermeidung einer Insolvenz des Lebensversicherers sämtliche Zahlungen erst mal verboten werden. Das hätte zur Folge, dass dann möglicherweise die laufende Rente ebenso vorübergehend gesperrt ist wie der Betrag, der nach einer Kündigung hätte zurückgezahlt werden sollen. Das wiederrum kann man im Paragraph 314 des Versicherungsvertragsgesetzes nachlesen. Übrigens kann dem Aufsichtsbehörde dem „Vermögensstand entsprechend“ auch die Versicherungsleistungen herabsetzen, um eine entsprechende Insolvenz zu vermeiden.

Doch wenn auch das alles nicht hilft, kommt Szenario drei und die sogenannte Protektor Lebensversicherungs-AG ins Spiel. Das ist vereinfacht ausgedrückt die Auffanggesellschaft der Branche für gescheiterte Lebensversicherungen. Sie musste aber bislang nur ein einziges Mal tätig werden – und zwar im Jahr 2003, als rund 350.000 Lebensversicherungsverträge der Mannheimer Leben übernommen wurden.

Der Kunde muss bei diesem Prozess aber weiterzahlen – sicher ist aber nur das, was er bis zu diesem Zeitpunkt auch garantiert bekommen hat. Und selbst das nicht unbedingt, denn sollten die finanziellen Mittel der Sicherungseinrichtung nicht ausreichen, um eine Sanierung des Bestands sicherzustellen, kann auch hier die BaFin die Verpflichtungen aus den Verträgen um bis zu fünf Prozent der vertraglich garantierten Leistungen herabsetzen.

Wer also angesichts dieser Gründe beziehungsweise Szenarien jetzt über einen vorzeitigen Ausstieg aus seiner klassischen Lebensversicherung nachdenkt, der hat verschiedene Optionen: Zum einen natürlich die Kündigung; aber auch die Beitragsfreistellung oder auch der Widerruf wären denkbar. Was am Ende des Tages aber wirklich sinnvoll ist, lässt sich nur im Einzelfall prüfen. Wenn Sie dabei Unterstützung benötigen, dann tragen Sie sich einfach unter www.claus-roppel.de/termin oder im unteren Formular zu einem kostenfreien Erstgespräch ein. Denn wir helfen mit unserer Wohlstands-Akademie seit Jahren Privatanlegern, Unternehmern und Selbstständigen dabei, nachhaltig Vermögen aufzubauen und zu schützen.