Lebensversicherung: Lohnt sich das im Jahr 2022 noch?

Die Lebensversicherung war einmal die beliebteste Form, privat für das Alter vorzusorgen – doch seit einigen Jahren häufen sich die Negativschlagzeilen rund dieses Modell. Es sei jedoch vorweg gesagt, dass der Begriff "Lebensversicherung" für sehr viele unterschiedliche Produkte hierzulande verwendet wird:

Die Risiko-Lebensversicherung ist beispielsweise keine Geldanlage, sondern lediglich eine reine Risikoabsicherung. Die Versicherungssumme wird also ausschließlich im Todesfall an die Hinterbliebenen ausgezahlt. Doch um diese Versicherung geht es hier nicht.

Die Kapital-Lebensversicherung hingegen war jahrzehntelang eine der beliebtesten Anlageformen. Dabei wird Kapital angesammelt. Jedoch wird hierbei nur ein Teil Ihres monatlichen Beitrags angelegt, der im besten Fall Zinsen erwirtschaftet und dann am Ende des Vertrages ausbezahlt wird. Der andere Teil fließt in eine reine Risikolebensversicherung. Doch es ist immer empfehlenswerter, wenn Sie Sparen und Risikoabsicherung trennen. Ihr Sparbetrag fließt besser zum Beispiel in eine private Rentenversicherung oder in Fonds. Und die Absicherung Ihrer Hinterbliebenen ist deutlich günstiger über die bereits angesprochene private Risikolebensversicherung.

Eine weitere Form, die immer wieder in Verbindung mit dem Begriff „Lebensversicherung“ genannt wird, ist die private Rentenversicherung. Diese zahlt Ihnen eine lebenslange, monatliche Rente. Im Gegensatz zu den anderen Renten (gesetzlich, betrieblich, staatlich gefördert) muss sie nur sehr gering versteuert werden. Während der Ansparzeit können Sie dort monatlich oder jährlich Beiträge einzahlen. Auch eine einmalige Summe und jährliche Zuzahlungen sind möglich. Und auch hier können Sie für den Todesfall jemanden als Begünstigten einsetzen, dies aber auch jederzeit ändern, sodass Ihr Geld im Falle des Ablebens keinesfalls verloren ist.

Das Problem bei den letztgenannten Varianten der Altersvorsorge ist aber die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Denn die Zinsen sind nun schon sehr lange auf einem historischen Tief. Versicherungsgesellschaften müssen, um ihre Garantiezusagen (siehe Grafik Garantiezins) aus Altverträgen einhalten zu können, nicht nur Eigenmittel einsetzen, sondern brauchen auch sichere Anlagen mit sicheren Zinsen. Doch letztere gibt es derzeit nicht. Das bedeutet, dass langfristig viele Garantieversprechen wohl nicht eingehalten werden können. Und die andere Seite ist, dass hohe Garantien immer auch weniger Renditechancen bedeuten.

Garantiezins der Lebensversicherer für Neuverträge

Aufgrund dieser Entwicklung haben sich über die letzten Jahre sogenannte fondsgebundene Rentenversicherungen auf dem Markt etabliert. Das Anlageprinzip, das hier zum Tragen kommt, ist ganz einfach: Ein Fonds sammelt das Geld verschiedener Anleger und kombiniert diese in verschiedene Vermögenswerte wie Aktien oder Immobilien. Dadurch steigt naturgemäß die Chance auf Erträge und damit auch eine attraktive zusätzliche Rente. Bei fallenden Kursen sind aber auch Verluste nicht ausgeschlossen.

Es kommt daher darauf an, in welcher Lebensphase Sie sich befinden. Da unsere Bevölkerung nicht überwiegend aus 20- oder 30-jährigen besteht, die noch 30 bis 40 Jahre Zeit bis zum Renteneintritt haben, muss man immer im Einzelfall schauen, ob sich ein solches Modell lohnt. Das Risiko kann aber auch immer bis zu einem gewissen Grad gesteuert werden – je nachdem, ob Sie in risikoreiche Fonds oder in Fonds mit weniger Risiko investieren. Man kann aber meist auch auf ein Ablaufmanagement vertrauen: Bedeutet, dass während der Laufzeit aktienlastiger investiert wird und zum Ruhestand dann automatisch in sichere Anlagen wird, um nicht bei einem Börsencrash kurz vor Rentenbeginn Geld zu verlieren.

Alles in allem muss man gestehen, dass eine solche fondsgebundene Rentenversicherung eigentlich die einzige Geldanlage zurzeit ist, die das sogenannte Langlebigkeitsrisiko abdeckt. Die Lebenserwartung ist angesichts des medizinischen Fortschritts in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter gestiegen, sodass viele Menschen in den kommenden Generationen 100 Jahre und älter werden können. Wer also mit 67 in Rente geht, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit noch fast 20 Jahre oder mehr vor sich. Und die Rente aus einer privaten Rentenversicherung kommt, solange Sie leben, jeden Monat pünktlich auf Ihr Konto, selbst wenn Ihr eingesetztes Kapital längst verbraucht ist.

Durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt (in Jahren)

Zwar können Sie sich auch bei einem Aktienfonds mit einem Auszahlplan monatlich Geld auszahlen lassen. Doch wenn es eine längere Börsenflaute gibt und die Kurse sinken, müssen dafür mehr Fondsanteile verkauft werden. Sie verzehren also schneller die Substanz.

Hinzu kommt der steuerliche Gestaltungsspielraum, denn während der Anlagezeit fallen bei Rentenversicherungen keine Steuern an. Bei der Rente selbst muss dann lediglich der Ertragsanteil versteuert werden. Bei einem 67-jährigen sind das 17 Prozent der Rente, die mit dem individuellen, im Alter meist geringeren Steuersatz versteuert wird. Im Gegensatz dazu werden bei Fondssparplänen sowohl in der Ansparzeit als auch in der späteren Auszahlung die Erträge versteuert, und zwar in Form der Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent.

Bei einer Kapitalauszahlung greift in der Auszahlungsphase das Halbeinkünfteverfahren. Es bedeutet, dass Sie zum Rentenbeginn nur die Hälfte der Erträge aus Ihrer Anlage versteuern müssen. Dieses Verfahren wird auch 12/62-Regel genannt, denn Voraussetzung ist, dass Ihr Vertrag zum Zeitpunkt der Auszahlung seit mindestens 12 Jahren besteht und Sie 62 Jahre alt sind.

Entscheidend ist am Ende des Tages aber vor allem, was Sie dafür bekommen. Wenn ein 30-jähriger heute eine private Rentenversicherung abschließt und weit über 80 Jahre alt wird, dann wird das Geld mehr als 50 Jahre von der Gesellschaft verwaltet. Das ist aber natürlich auch nicht kostenlos, denn Geldanlage kostet nun mal auch Geld. Aber: Es gibt, wie in anderen Bereichen auch, leistungsstarke und weniger leistungsstarke Anbieter. Deshalb ist auch hier eine qualifizierte und vertrauliche Fachkraft wichtig.

Gerade weil wir unsere persönliche Lebenserwartung und die Marktentwicklungen nicht kennen, sollten wir uns niemals auf nur ein Modell verlassen. Es hat sich in der Vergangenheit immer bewährt aufzuteilen. Einzelaktien können beispielsweise deutlich höhere Renditen einbringen als eine private Rentenversicherung. Doch in unseren Augen ist sie nach wie vor EIN wichtiger Baustein für den Ruhestand, weil sie steuerlich günstig, verständlich und bequem ist.

Wenn Sie beim Thema privater Altersvorsorge jetzt gerne unsere Unterstützung und Expertise in Anspruch nehmen möchten, dann tragen Sie sich einfach unter www.claus-roppel.de/termin zu einem kostenfreien Erstgespräch ein. Denn wir helfen mit unserer Wohlstands-Akademie seit vielen Jahren Privatanlegern dabei, Vermögen aufzubauen und zu schützen. Der kluge Umgang mit Geld ist in Zeiten wie diesen wichtiger denn je.

Gesetzliche Rentenversicherung vor dem Aus: Darum droht JEDEM die Pleite im Alter!

Die gesetzliche Altersvorsorge steht einmal mehr vor einem gigantischen Scherbenhaufen – und daran werden auch nichts die Pläne der Ampelregierung etwas ändern. Das hat natürlich zur Folge, dass für viele Millionen Menschen hierzulande die Altersarmut irgendwann einmal bittere Realität wird.

Eigentlich paradox, dass sich die heutigen Rentner im kommenden Jahr noch über ein kräftiges Plus freuen dürfen, obwohl das System bereits jetzt an seine Grenzen stößt. Seit Jahren appelliere ich, dass ein Weiter-so uns alle massiven Wohlstand kostet und keinesfalls im Interesse der Politik sein dürfte.

Doch wenn man sich den Koalitionsvertrag der Ampel zu diesem Thema mal etwas genauer anschaut, wird schnell klar, dass das, was die Parteien bei der Rente vorhaben, maximal eine Alibi-Lösung darstellt. Denn wenn die sogenannten Babyboomer in Rente gehen, ist das System kaum noch zu finanzieren.

Denn jede zweite Person in Deutschland ist heute bereits älter als 45 und jede fünfte sogar älter als 66 Jahre. Als Konrad Adenauer das Umlageverfahren 1957 auf den Weg brachte, schien die Idee, dass eine Generation die andere versorgt, hervorragend. Und solange die Bevölkerung wuchs, funktionierte das ja auch. Anfang der 60er kamen beispielsweise auf einen Rentner sechs Beitragszahler. Heute aber sind es nur noch zwei Junge, die für einen Senior zahlen.

Denn was der erste Bundeskanzler nicht vorhersehen konnte, war der demografische Wandel. Als er die Rente nämlich reformierte, kamen gerade die Babyboomer, also die Jahrgänge 1955 bis 1970, zur Welt. Die Folgen von Adenauers Irrtum werden wir hierzulande spätestens ab 2025 zu spüren bekommen. Denn dann geht die genannte Generation der Babyboomer in Rente. Mit einem Mal fallen also viele Beitragszahler weg, wohingegen gleichzeitig die Zahl der Rentner rapide wächst.

Für die Rentenkasse heißt das einmal mehr, dass die Ausgaben die Einnahmen drastisch übersteigen werden. Vor schockartigen Finanzierungsproblemen warnte übrigens bereits im Sommer dieses Jahres der wissenschaftliche Beirat im Bundeswirtschaftsministerium. Denn die rentenpolitischen Maßnahmen der letzten Jahre haben geradewegs in eine Sackgasse geführt. Schon jetzt reichen die Beiträge, die Arbeitnehmer in die Rentenkasse einzahlen, bei Weitem nicht mehr aus.

Der Staat muss dementsprechend mit unseren Steuergeldern kräftig nachhelfen. 2020 waren es erstmals mehr als 100 Milliarden Euro, die die Regierung zuschießen musste. Das ist im Übrigen fast ein Drittel des Bundeshaushalts – also Geld, das für andere Investition fehlt. Und ohne eine wirkliche Rentenreform verschärft sich diese Lage meiner Einschätzung nach weiter.

Denn spätestens im Jahr 2060 könnte bereits über die Hälfte der Bundesmittel für die Finanzierung der gesetzlichen Rente draufgehen. Und das würde am Ende des Tages natürlich den Bundeshaushalt sprengen und wäre ohne massive Steuererhöhungen keinesfalls mehr finanzierbar. In diesem Zusammenhang haben Forscher des ifo-Instituts mal nachgerechnet und festgestellt, dass wenn man das Ganze über höhere Steuern finanzieren würde, zum Beispiel die Mehrwertsteuer bis 2050 auf 27 Prozent steigen müsste.

Eine solche Mehrbelastung der Verbraucher ist aber keinesfalls politisch durchsetzbar. Doch unabhängig davon, wie sich unser derzeitiges Rentensystem auch in Zukunft finanzieren lässt, ist eins Gewissheit: Die nachfolgenden Generationen können sich keinesfalls mehr rein auf die gesetzliche Rente verlassen. Zwar haben sich SPD, FDP und Grüne am Ende auf einen Kompromiss beim Thema Aktienrente geeinigt, der aber keinesfalls das Grundproblem löst.

Denn sie wollen zunächst einmal nur 10 Milliarden Euro aus Haushaltsmitteln an die Deutsche Rentenversicherung überweisen, die das Geld dann in Aktien und Anleihen anlegen soll. Das ifo- Institut hat das ebenfalls mal auf den Einzelnen runtergerechnet: Demnach könnte man mit diesen 10 Milliarden Euro jedem Rentner einmalig 240 Euro auszahlen; und danach wäre das Geld auch schon wieder aufgebraucht.

Um hingegen einen langfristigen Kapitalstock aufzubauen, von dem man auch lange zehren kann, bräuchte man mindestens einen dreistelligen Milliardenbetrag. Das würde dann auch schon näher an das schwedische Modell in puncto Rente herangekommen, dass ja im Wahlkampf sowohl von den Grünen als auch von der FDP immer wieder als Vorbild genommen wurde.

Nach Verlusten in den ersten Jahren steuerte der staatliche Rentenfonds im skandinavischen Land nämlich kontinuierlich ins Plus. Heute liegt die durchschnittliche Rendite sogar bei rund 11 Prozent. Am Ende des Tages gibt es aber nicht die „eine Wunderlösung“, um die Rente hierzulande zu retten. Vielmehr kritisiere ich die Situation, dass die Bundesbürger nur schwer abschätzen können, ob das Geld im Alter reicht oder nicht – Stichwort Rentenlücke.

Denn gerade das Chaos beim Thema Renteninformation hätte längst einmal digital geordnet werden müssen. Nichtsdestotrotz wird sich der Lebensstandard mit der gesetzlichen Rente allein nicht mehr halten können. Da hilft nur privat versorgen – und zwar rechtzeitig.

Tragen Sie sich für weitere Informationen einfach unter www.claus-roppel.de/termin oder im unteren Formular für ein kostenfreies Erstgespräch mit uns ein. Denn wir helfen mit unserer Wohlstands-Akademie seit Jahren Privatanlegern, Unternehmern und Selbstständigen dabei, nachhaltig Vermögen aufzubauen und zu schützen.

​​Dr. Daniel Stelter​​: Migrationsdruck? ​Staatsfonds ​einrichten? Corona-Schuldenkrise? #2

Vor einigen Wochen haben wir eine 5-teilige Videoreihe mit dem Top-Ökonom Dr. Daniel Stelter auf unserem YouTube-Kanal veröffentlicht, im Zuge dessen uns zahlreiche Fragen erreicht haben, die wir Herrn Dr. Stelter in einem persönlichen Gespräch entsprechend gestellt haben und seine Antworten können Sie nun im zweiten Teil unserer Blog-Serie nachlesen.

Claus Roppel übermittelt eine weitere Zuschauerfrage: "Als Bürger und als Polizist beschäftige ich mich seit vielen Jahren mit dem Thema Zuwanderung. Menschen mit Migrationsgeschichte bilden bei Hartz IV und bei den Insassen in der JVA die Mehrheit, obwohl diese nur 25 Prozent der Gesamtbevölkerung stellen. Über 50 Prozent der Kinder unter 6 Jahren haben einen Migrationshintergrund in Hessen. In Frankfurt sind es 75 Prozent. Auf der anderen Seite ist Deutschland für gute Zuwanderung uninteressant. Wie sollen sich der Staat und die Gesellschaft zukünftig verhalten, was dieses Problem betrifft?"

Dr. Daniel Stelter: Das ist natürlich ein heißes Eisen. Ich habe mich in meinen Büchern dazu klar geäußert. Sowohl in dem Buch "Das Märchen vom reichen Land", wie auch in meinem anderen Buch. Demnach bin ich der Auffassung, dass wir eine Steuerung der Zuwanderung nach gewissen Kriterien brauchen. Das heißt, wir müssen versuchen, qualifizierte Zuwanderer zu locken. Wir müssen mehr tun, um die Qualifizierten, die im Land sind, auch im Land zu halten. Wir haben nicht nur eine Zuwanderung, sondern auch eine maßgebliche Abwanderung, die seit Jahren anhält. 

Und es zeigt, dass es überwiegend junge und gut ausgebildete Menschen sind, die weggehen. Und vor diesem Hintergrund brauchen wir dann einen Ansatz. Wir müssen lernen, uns vor den anderen Ländern besser aufzustellen. Dass wir sagen, wir haben ganz klare Kriterien in Bezug auf die Zuwanderung. Und wir müssen ganz besonders die Zuwanderung in die Sozialsysteme begrenzen. Und gleichzeitig haben wir das Dilemma, dass wir demografische Explosionen erleben – beispielsweise im Nahen Osten oder in Afrika. Der Migrationsdruck wird anhalten. 

Und ich persönlich würde da eine Kombination aus zwei Dingen vorschlagen: Zum einen würde ich einen effektiven Grenzschutz umsetzen, also das was bei uns heftig umstritten ist. Ich würde konsequent jede Art der illegalen Immigration verhindern, würde aber in den Hauptzuwanderungsländern Ausbildungszentren eröffnen. Ausbildungszentren in denen man die allgemeine Sprache erlernt, also Deutsch. Wo man einen Beruf erlernt und wo man an Integrationskursen teilnimmt. 

Also ein Ort, an dem den Neuankömmlingen erklärt wird, wie bei uns der Staat funktioniert und wie die Gesellschaft funktioniert. Und wenn man quasi alle drei wichtigen Bausteine abschließt, also die Sprache gelernt hat, eine Berufsausbildung erfolgreich absolviert hat und zudem den Integrationskurs belegt hat, dann sollte man eine Chance bekommen, um in unserem Land sesshaft zu werden. Wir haben bereits einen großen Anteil mit Migrationshintergrund im Land, und hier müssen wir im Prinzip konsequent vorgehen, um positive Änderungen herbeizuführen.

Das heißt im Klartext, Leute die straffällig werden, sollten wir konsequent abschieben. Aber ich denke auch viel mehr an die Schule und die Ausbildung in unserem Land. Wir haben einen sehr hohen Anteil an Schulabbrechern in Deutschland, nämlich über 10 Prozent. Wir haben einen hohen Anteil an Abbrechern bei der Berufsausbildung. Dabei sind auch überproportional viele Menschen mit Migrationshintergrund vertreten. Insgesamt ist das natürlich ein schwieriges Thema. Denn überhaupt darüber zu reden, kostet den Politikern viel Überwindung, und das ist tragisch. 

Wenn wir in diesem Segment untätig bleiben, kommen zwei Probleme auf uns zu. Wir haben eine älter werdende Gesellschaft, die versorgt werden muss, und wir haben einen hohen Anteil an Menschen, die über unsere Sozialsysteme finanziert werden müssen. Das liegt daran, weil die Zahl der Hartz-IV-Empfänger durch Corona zugenommen hat und auch noch weiter zunehmen wird. Zuvor sind diese Zahlen noch gesunken, und sie wären noch weiter gesunken, hätte es nicht mit der Zuwanderung der vergangenen Jahre ebenfalls eine Zuwanderung in das Hartz-IV-System gegeben.

Claus Roppel: Sie haben auch gerade das Stichwort der Bevölkerungsalterung aufgegriffen. Die hiesige Gesellschaft wird immer älter. Das sind meiner Ansicht nach, wenn auf Dauer nichts passiert mit der Umstrukturierung, echte Wohlstands-Vernichter. Der Club der Hundertjährigen wird immer größer.

Medizinischer Fortschritt hat unter anderem zu einer höheren Lebenserwartung geführt. Das Verhältnis der Beitragszahler und der Rentenempfänger ist aus dem Gleichgewicht geraten. Dazu hat uns ein Zuschauer geschrieben: „Ich bin selbst Beamter, was halten Sie von Entbeamtungsmaßnahmen nach Schweizer Vorbild? Gerade Lehrer. Ungefähr jeder zweite Beamte ist Lehrer, und die sind pensionstechnisch unfinanzierbar."

Dr. Stelter: In der Tat. Die Politiker haben die Lehrer verbeamtet, weil die laufenden Gehaltskosten dadurch geringer waren. Einiges wurde dabei jedoch nicht beachtet, sodass der langfristige Weitblick einfach fehlte. Ich erinnere mich noch an damals, als in Berlin der Beschluss kam, Lehrer nicht mehr als Beamte, sondern als Angestellte zu behandeln. Was war die Folge?  Die Lehrer wollten nicht mehr in Berlin tätig sein, sondern gingen in die anderen Bundesländer, und zwar dorthin, wo großzügiger verbeamtet wurde.

Eine Rückstufung der Verbeamtung kann daher nur funktionieren, wenn sie bundeseinheitlich durchgeführt wird. Vor allem braucht es eine Bilanz, die aufgestellt werden muss, um zu sehen, wie sich die Verbeamtung im Vergleich zur Anstellung auswirkt. Und die Politik schaut sich das an, sieht eventuell Einsparpotenziale oder Verbesserungspotenziale, aber kommt nicht in die Umsetzung. Es werden sinnvolle Vorschläge zwar befürwortet, aber im Endeffekt kommt keine Umsetzung zustande.

Claus Roppel: Sie sprachen mal über einen Staatsfonds in Deutschland nach dem Vorbild von Norwegen. Wie soll dieser gespeist werden? Und halten Sie eine Einsetzung eines solchen Fonds wirklich für durchsetzbar? Wie ist da Ihre Einschätzung für die nächsten Jahre?

Dr. Daniel Stelter: Der Staatsfonds war ein Vorschlag, den ich mal gemacht habe. Er basiert auf der Idee, dass jeder Bürger 25.000 Euro in diesen Fonds einzahlt, was auch durchaus machbar wäre. Man kann sich dieses Geld auch leihen. Umsetzbar wäre es also, erfordert aber, dass die Politik auch wirklich an die Schöpfung von Wohlstand denkt, und nicht nur an die Verteilung von Wohlstand. Die Idee vom Staatsfonds ist zwar theoretisch realisierbar und auch finanzierbar, wird praktisch aber nie realisiert werden, weil die Politik nicht in diesen Kategorien denkt.

Claus Roppel: Stichwort Schulden: Schulden, Schulden, Schulden und nochmals Schulden! In diesem Zusammenhang möchte ich die Wirtschaftsprofessorin Frau Grin zitieren, die gesagt hat: „Wir benötigen in der EU eine echte Wettbewerbsfähigkeit, die nicht auf Schulden aufgebaut ist. Es funktioniert nicht über gemeinsame Schulden."

Jetzt folgt darauf eine Frage von einem unserer Zuschauer. „Wenn es keine Vergemeinschaftung von Schulden gibt, wer würde dann italienische Staatspapiere kaufen? Die Zinslast wäre nicht tragbar, das Spiel würde von vorne losgehen, und wenn man die Lira als Parallelwährung einführen würde, dann würde es keine zwei Monate dauern, bis man gegen diese erfolgreich am Finanzmarkt wettet."

Dr. Daniel Stelter: Also ich glaube, die Sache hat verschiedene Aspekte. Der allgemeine Konsens auf dem Finanzmarkt ist, dass es keine erneute Schuldenkrise in der Eurozone geben wird. Und diese Ansicht vertrete ich auch. Warum? Weil die Europäische Zentralbank immer intervenieren wird. Das wissen wir zwar alle, aber die Deutschen wollen das nicht wahrhaben. Doch so ist es. Das führt zu der Frage, wie es jetzt eigentlich weitergeht. 

Wenn das passiert, müssen wir uns die Frage stellen, was wir dann tun können. Sollte man wirklich den Staat mit Schulden ausstatten, also mit neu aufgenommenen Geld? Die zweite Sache ist: Wie könnten wir einen Beitrag dazu leisten, um die Schuldenlast zu reduzieren? Wir können nicht einfach sagen, dass die Bürger die Schulden über die Steuerlast am Ende ausbaden müssen. Das würde an einigen Stellen nicht akzeptiert werden, und die Franzosen tolerieren das schon gar nicht. Daher schlage ich eher als europäische Lösung einen Schuldentilgungsfonds vor. 

Wobei dieser eigentlich nicht den richtigen Namen trägt, da im eigentlichen Sinne nichts getilgt wird. Aber wenn, dann müssen alle Staaten daran teilhaben können. Also auch Deutschland, damit wir unsere Staatsschulden ebenfalls dort abladen können. Das ist der bessere Ansatz als beispielsweise Schulden, die durch Corona entstanden sind, einfach durch Steuererhöhungen zu tilgen. Dies wäre insgesamt das richtige Vorgehen, nur in der Politik kann ich keine Tendenz dazu beobachten, die in diese Richtung führt. Der Staat wird faktisch alles tun, um den Wohlstand zu mindern, anstatt ihn zu fördern. 

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Altersarmut in Deutschland: Gefahr Rentenkollaps & keine Rentenerhöhung 2021

Mehr als eine Million Rentner leben zurzeit in Altersarmut. Doch auch für die nachfolgenden Generationen stehen die Zeichen angesichts des demografischen Wandels, der Rentenpolitik und der Corona-Krise nicht wirklich gut. Denn unser derzeitiges Rentensystem stößt bereits jetzt an seine Grenzen, weshalb wir in diesem Artikel auf die entsprechenden Entwicklungen eingehen werden, um möglichst vielen Menschen die Augen zu öffnen.

Dass der demografische Wandel längst schon kein Risiko mehr darstellt, sondern Gewissheit ist und damit den Wohlstand unseres Landes gefährdet, ist mittlerweile jedem bewusst. Denn die Babyboomer-Generation, die zurzeit etwa 56 Jahre ist, will in knapp 10 Jahren eine Rente von Kindern, die sie nicht haben. Insgesamt verdoppelt sich in Deutschland nämlich die Zahl der Menschen im Rentenalter vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2035 relativ zu jenen im Arbeitsalter.

Lebenserwartung Deutschland Claus Roppel

Bei jetzigem Stand der Dinge müsste also eine Verdoppelung der Beitragssätze oder eine Halbierung der Rentenniveaus als trauriger Höhepunkt herhalten. Doch wenn man angesichts dieser massiven Versorgungskrise beziehungsweise Krisenbewältigung versucht, die nachfolgenden jungen Generationen zu schröpfen, dann wird das in Protesten und Auswanderungen münden. Auf jeden Fall drohen erhebliche Verteilungskonflikte innerhalb der deutschen Gesellschaft ab dem Jahr 2030.

Verstärkt wird diese Entwicklung dann aber auch noch durch die ausufernde Rettungspolitik auf europäischer Ebene sowie durch die aktuelle Corona-Rettungspolitik. Denn seit mehr als einem Jahrzehnt lebt Europa nun schon auf Pump, indem es sich trotz aller Schuldenpakte immer weiter verschuldet. Stellt sich nur die Frage, wer am Ende des Tages diese Lasten aus platzenden Bürgschaften und nicht zurückgezahlten Kreditforderungen tragen soll, wenn wir nicht einmal mit den eigenen Problemen hier in Deutschland zurechtkommen.

Doch es scheint so, als orientieren sich unsere Politik lieber an den Belangen zwischen den einzelnen Wahlterminen, denn die Kinderlosigkeit der Deutschen war mehr oder weniger bereits durch den Geburtenknick in den 1970er Jahren absehbar. So wurden in der Vergangenheit zwar immer mal wieder Anläufe unternommen, um die Finanzierung des Rentensystems langfristig sicherzustellen, doch im Nachfolgenden werden wir schnell feststellen müssen, dass das alles nichts Halbes und Ganzes ist.

Zum einen wurde die sogenannte Nettolohnanpassung eingeführt, was bedeutet, dass die Renten nicht mehr an die Bruttolohnentwicklung, sondern eben an die Nettolohnentwicklung angepasst werden. Doch letztere verläuft viel langsamer. Zum einen, weil die Steuern durch die heimliche Progression der Einkommenssteuern einen immer höheren Prozentsatz der Einkommen wegnehmen und zum anderen, weil die Rentenbeiträge und Sozialabgaben überproportional steigen.

Rentenlücke Claus Roppel

Insofern schiebt man einen wachsenden Keil zwischen Brutto- und Nettolohn. Hinzu kommt die abermalige Erhöhung des Bundeszuschusses zu den Renten, welche ebenfalls mehr einem Versteckspiel gleicht. Zwar werden dadurch auf den ersten Blick die Sozialabgaben niedrig gehalten, doch sind wir mal ehrlich; am Ende ist es der arbeitenden Bevölkerung doch egal, ob der Staat uns nun das Geld in Form von höheren Beiträgen oder Steuern abverlangt.

Im Endeffekt ist das Geld ja so oder so weg. Was sich die Politik ebenfalls noch hat ausfallen lassen, betrifft das Rentenalter, welches nun sukzessive jedes Jahr um einen Monat hochgesetzt wird. Hinzu kommt eine weitere schlechte Nachricht für insgesamt 25 Millionen derzeitige Senioren in Deutschland. Denn die Corona-Krise trifft auch sie nun finanziell, und zwar geht die Deutsche Rentenversicherung aktuell davon aus, dass es für die Westrentner 2021 eine Nullrunde geben wird. Heißt: Keine Rentenerhöhung.

Im Gegensatz dazu werden aber die Ost-Renten im kommenden Jahr um 0,7 Prozent steigen, weil dies im Zuge der mittelfristigen Ost-West-Angleichung vereinbart ist. Eigentlich müssten die Renten im kommenden Jahr im Westen sogar um vier Prozent sinken, wie die Deutsche Rentenversicherung erklärte; dennoch verhindert die Senkung eine, in der Finanzkrise, eingeführte Schutzklausel. Ursache für die jetzige Situation sind die Lohn- und Beitragsentwicklungen in diesem Jahr, die ausschlaggebender Faktor für kommende Rentenerhöhungen sind.

Und da der durch die Pandemie verursachte Schock auf dem Arbeitsmarkt die Einnahmen aus Beiträgen insbesondere im Frühjahr hat stark sinken lassen, folgt nun dieser notwendige Schritt. Damit endet für Senioren eine lange Phase von mehreren Erhöhungen. Im Juli 2020 waren die Renten beispielsweise noch um 3,45 Prozent im Westen und um 4,2 Prozent im Osten gestiegen.

Und das war deutlich mehr als die Inflation, sodass auch die Kaufkraft deutlich gestiegen ist. All diese Entwicklungen zeigen sowohl für aktuelle Rentner als auch für die nachfolgenden Generationen, dass die offenkundige Gefahr der Altersarmut keinesfalls wegzudiskutieren ist. Daher sollte man frühzeitig selbst vorsorgen, indem man Realkapital durch einen diversifizierten Vermögensaufbau bildet, von dem man dann im Alter finanziell zehren kann.

Bei Fragen zur privaten Altersvorsorge können wir Sie natürlich mit unserer Expertise und Erfahrung unterstützen. Einfach unter www.claus-roppel.de/termin oder im unteren Formular zu einem kostenfreien Erstgespräch eintragen. Denn wir helfen mit unserer Wohsltands-Akademie seit Jahren Privatanlegern, Unternehmern und Selbstständigen dabei, nachhaltig Vermögen aufzubauen und zu schützen.