Börse verstehen: Darum haben viele Anleger keinen Erfolg

Trotz der anhaltenden Niedrigzinsphase sind Anlageformen wie Girokonto, Sparbuch oder Tagesgeldkonto bei den Deutschen nach wie vor am weitesten verbreitet. Investments an der Börse hingegen werden in der deutschen Bevölkerung eher als Spekulationsobjekt denn als gute Geldanlage angesehen. Kein Wunder, dass die Deutschen im internationalen Vergleich eher Aktienmuffel gelten.

Häufig wird das Ganze aber auch mit einer Art „Zockerei“ gleichgestellt – doch der langfristige Vermögensaufbau mit der Börse ist keinesfalls mit einem Casinobesuch zu vergleichen. Jedoch sei an dieser Stelle vielleicht noch vorweggesagt, dass es in den kommenden Jahren deutlich schwieriger werden dürfte, Renditen oberhalb der Inflationsrate zu generieren, als es noch in den vergangenen Jahren der Fall war.

Gerade zu Beginn der Corona-Krise als auch zum Start der russischen Invasion ist wieder einmal klar geworden, wie stark wir uns von unseren Emotionen leiten lassen. Es ist wie André Kostolany einst sagte: Die meisten Entscheidungen an der Börse basieren auf emotionalen Reaktionen. Neuroökonomien haben längst bewiesen, dass es den Homo oeconomicus nur in der Theorie gibt. Auch wenn wir uns gerade als Menschen sehen, die rational Kosten und Nutzen einer Entscheidung abwägen, sind wir in Wahrheit von Gefühlen gesteuerte Lebewesen.

An der Börse ist (fast) alles Psychologie

Lassen Sie uns daher von folgender Ausgangslage ausgehen, die in turbulenten Zeiten wahrscheinlicher denn je ist, und zwar die Vorstellung, dass ein gravierendes Ereignis auf die Börsen trifft. Denn dann kann man sehr gut beobachten, wie viele Anleger von der anfänglichen Euphorie mit steigenden Kursen zum mulmigen Gefühl schwenken. Worauf nämlich gerade unerfahrene Anleger in einem solchen Fall nicht gefasst sind, sind die Gefühle. Sie sehen anhand der nachfolgenden Grafik sehr gut, warum 90 Prozent der Börsenentscheidungen reine Psychologie sind.

Die Psychologie an der Börse

Sie müssen sich daher zwingend damit arrangieren, dass Sie keinesfalls vorhersehen können, wo die Märkte morgen stehen werden. Was wir hingegen an historischen Daten erkennen können, ist ein anderes spannendes Muster. Denn langfristig steigen die Märkte um einen gewissen Mittelwert, sodass temporäre Marktkorrekturen bis dato von langanhaltenden Phasen des Aufschwungs kompensiert wurden. Das entsprechende Timing ist also keine Strategie, die ein Anleger, dessen Anlagezeitraum noch mindestens 10 Jahre beträgt, interessieren sollte. Der Anlagezeitraum ist also nach wie vor wichtiger als der Anlagezeitpunkt.

Warum ETFS 2022 kein Sicherheits-Garant mehr für hohe Renditen sein dürften

Doch ebenso wichtig wie ein möglichst langer Anlagehorizont ist zukünftig die Auswahl der Titel, sprich Fonds beziehungsweise Aktien. Denn die Gefahr eines langsameren Wirtschaftswachstums und einer sich beschleunigenden Inflation (Stagflation) kann auf Dauer erhebliche Verluste im eigenen Depot zu Buche führen. Warum man sich in anbahnenden Krisen oder geopolitischen Eskalationen aber keinesfalls nur auf die Nachbildung eines Indexes durch einen ETF (Exchange Traded Fund) verlassen sollte, möchte ich Ihnen am Beispiel des japanischen Leitzindex Nikkei 225 (im Folgenden auch Nikkei genannt) veranschaulichen.

Im Jahr 1990 platzte in Japan eine der größten Spekulationsblasen der Geschichte, infolge der Nikkei innerhalb von fünf Jahren um mehr als 60 Prozent abstürzte. Bis heute hat sich der Index übigens nicht auf das damalige Vorkrisenniveau erholen konnte. Die japanische Wirtschaft litt für mehrere Jahre unter den extremen Auswirkungen dieser Krise. Der japanische Volksmund bezeichnet diese folgenschwere Krise bis heute als die Verlorenen Dekaden. Und dass obwohl der Nikkei einer der wichtigsten Aktienindizes der Welt ist, der die Entwicklung von 225 an der Tokioter Börse gehandelten Unternehmen abbildet. Unter diesen Unternehmen befinden sich beispielsweise Unternehmen wie Toyota, Nissan oder Canon.

Übrigens ist der Nikkei ein preisgewichteter Index, das heißt er wird ohne Dividenden und andere Sonderzahlungen berechnet. Was ich Ihnen mit diesen Informationen verdeutlichen möchte, ist die Tatsache, dass wenn Sie diesen Index mittels eines ETFs in Form einer Einmalzahlung im Jahr 1988 abgebildet hätten, das Ganze ein sehr großes Verlustgeschäft gewesen wäre. Das unterstreicht wiederrum, dass neben dem Anlagezeitraum vor allem aber auch die Auswahl der Titel von elementarer Bedeutung sind.

MSCI World Index: Allheilmittel oder Gefahr für Anleger? (in Stagflation)

Schauen wir uns in diesem Zusammenhang auch gerne einmal den MSCI World Index an. Dieser stellt ja gerade für viele junge Sparer und Anleger eine Art Allheilmittel dar, um dauerhaft ordentliche Renditen zu erwirtschaften. Wohlbemerkt betrachten wir diesen Index immer unter der Voraussetzung einer Stagflation.

Sie sehen hier nachfolgend eingeblendet die 10 größten Unternehmen im MSCI World. Dieser globale Aktienindex bildet im Übrigen die Kursentwicklung von rund 1600 Aktien aus 23 Industrieländern ab; jedoch ist die Indexgewichtung mit fast 70 Prozent amerikanischer Unternehmen relativ eindeutig. Natürlich spricht die Historie eine positive Sprache, dennoch ist diese ja nur ein Blick in den Rückspiegel. Dass das keine 100%ige Garantie für finanziellen Erfolg ist, ist spätestens seit dem Beispiel des japanischen Nikkei-Index deutlich geworden.

Bei den fünf größten Unternehmen handelt es sich im Übrigen allesamt um die weltweit führenden Technologiekonzerne. Doch gerade diese sind angesichts der geopolitischen Situation im Sinkflug. Anleger sind es schon gar nicht mehr gewohnt, dass Tech-Aktien fallen. Wenn doch, dann bricht bei manchem die Panik aus. Denn trotz einiger guter Quartalszahlen und sprudelnder Gewinne bei den Tech-Giganten sind einige Aktientitel um über 70 Prozent gefallen. Das liegt vor allem an der wirtschaftlichen Ausgangslage (Stagflation) und dem damit verbundenen Rezessions-Szenario. Denn hierbei dürften diese Werte wohl weiterhin zu den Underperformern zählen.

Ob es dann wirklich zu Stagflation, vielleicht zu einer Rezession kommt, wird sich zeigen. Wer an diese Szenarien glaubt, kann sein Portfolio aber entsprechend anpassen, absichern oder umschichten. Denn nicht jedes Unternehmen oder jeder Index wird ähnlich wie nach dem Corona-Schock Anfang 2020 in Windeseile wieder zu neuen Höchstständen klettern, sondern womöglich für längere Zeit oder sogar auf Dauer auf einem niedrigeren Niveau verharren. Dann gilt es aber auch entsprechend in Handlung zu kommen.

Doch welche Branchen sollten Investoren in einer Stagflation eigentlich bevorzugen? Wir würden in diesem Fall eine defensive Positionierung mit Schwerpunkt in nichtzyklischen Branchen favorisieren. Darunter fallen beispielsweise Konsumtitel, also Güter des täglichen Gebrauchs, ebenso Healthcare, Versorger und Energie. Sollte es jedoch zu einem Kriegsende kommen, könnte sich das Blatt sehr schnell wieder wenden.

Wenn Sie bei dabei unsere Expertise in Anspruch nehmen möchten, dann tragen Sie sich einfach unter www.claus-roppel.de/termin zu einem kostenfreien Erstgespräch ein. Denn wir helfen mit unserer Wohlstands-Akademie seit vielen Jahren Privatanlegern dabei, Vermögen aufzubauen und zu schützen. Der kluge Umgang mit Geld ist in Zeiten wie diesen nämlich wichtiger denn je.

Inflation & Hyperinflation in der Corona-Krise? Die selbstgemachte Geldentwertung

Dass Zentralbanken weltweit die Geldschleusen aufgemacht und Billionen von Euro auf den Markt geworfen haben, ist mittlerweile den meisten bekannt. Doch grundsätzlich müsste genau das nach der Logik von Angebot und Nachfrage die Inflation ankurbeln. Und das hierzulande schon historisch bedingt die Angst vor einer Inflation groß ist, hat wohl eben auch stark damit zu tun, dass die Deutschen im 20. Jahrhundert bereits ihre Erfahrungen mit der Hyperinflation gemacht haben, weshalb wir beide Punkte in diesem Artikel mit aufgreifen wollen.

Vorweg sei gesagt:  Als Inflation wird grundsätzlich eine Steigerung der Preise von Waren und Dienstleistungen bezeichnet, die dementsprechend mit einem Verlust der Kaufkraft des Geldes einhergeht. Steigt also die Inflation, schrumpfen Sparguthaben und Vermögen. Kapital, das mit einer geringeren Verzinsung als der Inflationsrate angelegt wird, verliert also ständig an Kaufkraft.

Daher sollten Sie als Sparer und Anleger bei der Geldanlage unbedingt darauf achten, dass die Verzinsung oder Rendite oberhalb der abgebildeten Inflationsrate liegen. Lag die Inflationsrate im Jahr 1992 beispielsweise noch bei satten fünf Prozent pro Jahr, sanken die Preise Mitte diesen Jahres gegenüber dem Vorjahr, also 2019, um 0,1 Prozent. Damit lag die jährliche Inflation seit Beginn der Corona-Krise noch in keinem Monat bei mehr als einem Prozent, obwohl die EZB, also die Europäische Zentralbank, seit Jahren das Ziel einer 2-Prozent-Inflationsrate verfolgt.

Inflationsrate Claus Roppel

Doch Fakt ist, dass die Sparkassen die Inflationsrate im kommenden Jahr bei rund drei Prozent sehen. Und auch die Europäische Zentralbank hat gerade erst ihre Inflationsobergrenzte von zwei Prozent gekippt. Viele Ökonomen sind mit Blick in die Zukunft aber gespalten. Einige gehen davon aus, dass die angesprochene enorme Geldmenge zu einer Mega-Inflation führen wird, da sich allein die Zentralbankgeldmenge seit 2008 verfünffacht hat. Ähnlich war es zu Zeiten des Ersten Weltkrieges, was nach dessen Ende in einer Hyperinflation endete.

Die daraus resultierende Enteignung des unteren Mittelstands, also jener Leute, die ihr Vermögen überwiegend in Form von Sparbüchern, klassischen Lebensversicherungen oder Bargeld hielten, war damit besiegelt. Davon sind wir zurzeit aber noch entfernt, denn tatsächlich bezifferte das Statistische Bundesamt die Teuerung wie bereits zu Beginn erwähnt im September auf minus 0,2 Prozent. Denn Energie und Benzin verbilligten sich, und auch die Mehrwertsteuersenkung trug dazu bei.

Vor allem letztere dürfte – wenn sie zum Jahresende wieder ausläuft – der Hauptgrund für jene drei Prozent sein, die die Sparkassen voraussagen. Doch wie berechtigt ist eigentlich die Angst der Deutschen vor der großen Inflation? Einer Studie der Notenbank FED zufolge, die Daten aus den letzten 600 Jahren zusammenfasst, besagt, dass die Inflation zwar nach Kriegen steigt, wenn zerstörte Produktionsanlagen wiederaufgebaut werden, was dann entsprechend Wachstum schafft.

Doch nach Pandemien wuchsen bisher nur die Löhne, weil die Zahl der Arbeitskräfte geschrumpft war. Vor allem Zinsen und Teuerung blieben danach rund 40 Jahre klein. Ob sich diese Theorie wiederholen lässt, bleibt fraglich. Doch unabhängig davon macht uns Corona alle zu größeren Vorsichtssparen. So ist der Geldbetrag auf Bankkonten mehr als 2,3 Billionen Euro schwer, was fast die Hälfte des gesamten deutschen Vermögens ist.

Denn die Deutschen agieren beim Konsumverhalten nach wie vor zurückhaltender. Laut einer Studie der ING Diba horteten die Menschen hierzulande allein im März rund 100 Milliarden Euro mehr als im Februar. Und auch die Sparquote ist von Januar bis März auf 16,7 Prozent angestiegen. Für das zweite Quartal rechnet man sogar mit knapp 20 Prozent, was bedeuten würde, dass die Bürger nur vier von fünf Euro, die sie einnehmen, derzeit auch wieder ausgeben würden. Doch in Zeiten von Null- und Niedrigzinsen vermehrt sich dieses Geld nicht, sondern es schrumpft mehr oder weniger.

Inflation einfach erklärt Claus Roppel

Denn dem neusten Bundesbankbericht nach ist die reale Rendite, die Privathaushalte erzielen – trotz ihrer Aktien und Fonds – seit 2016 negativ. Und aktuell beträgt dieses Minus rund zwei Prozent. Hiervor gilt es sich aber meiner Meinung nach bereits heute bestmöglich zu schützen, und zwar mit einem sogenannten Vermögensmix. Zwar ist keine Anlage ohne Risiko, doch teilt man sein Vermögen behutsam auf, kann man der Inflationsgefahr weitestgehend aus dem Weg gehen, sodass eine breite Streuung die beste Lösung darstellt.

Zum Beispiel mit Sachwerten wie Edelmetalle, Immobilien, Aktien oder Fonds. Vor allem letzteres stellt einen guten Schutz dar, denn anstatt selbst am Kapitalmarkt Aktien, Gold oder Anleihen zu erwerben, bieten sich dafür entsprechend Investmentfonds an. Ein Investmentfonds sammelt das Geld von Anlegern und dieses Kapital wird dann an den Finanzmärkten investiert. Der große Vorteil eines Fonds besteht in der Risikostreuung. Somit minimiert man das Risiko und setzt einen strategischen Vermögensaufbau und Vermögenserhalt auf.

Bei Fragen zur privaten Altersvorsorge können wir Sie natürlich mit unserer Expertise und Erfahrung unterstützen. Einfach unter www.claus-roppel.de/termin oder im unteren Formular zu einem kostenfreien Erstgespräch eintragen. Denn wir helfen mit unserer Wohsltands-Akademie seit Jahren Privatanlegern, Unternehmern und Selbstständigen dabei, nachhaltig Vermögen aufzubauen und zu schützen.