Dr. Daniel Stelter: ​Fatale Klimapolitik? ​Wer gewinnt die Wahl? ​Verlierer: Mittelstand? #3

Vor einigen Wochen haben wir eine 5-teilige Videoreihe mit dem Top-Ökonom Dr. Daniel Stelter auf unserem YouTube-Kanal veröffentlicht, im Zuge dessen uns zahlreiche Fragen erreicht haben, die wir Herrn Dr. Stelter in einem persönlichen Gespräch entsprechend gestellt haben und seine Antworten können Sie nun im dritten und letzten Teil unserer Blog-Serie nachlesen.

Claus Roppel: „Was halten Sie von einer grundlegenden Neuaufstellung von Staat, Wirtschaft, Kultur und Bildung? Neben der vertikalen Gliederung in Bund, Länder und Gemeinden, brauchen wir eine horizontale Gliederung unseres Gemeinwesens, Staatswesens und Bildungswesens. Der Staat muss entmachtet und entlastet werden. Neben dem Bundestag hätten wir dann ein Wirtschafts- und ein Kulturparlament, mit Fachleuten aus diesen Bereichen.

Und wenn der Staat unser Gemeinwesen mit Euro, EU, Klima, Energie, Einwanderung, Verschuldung und Corona-Politik endgültig renoviert hat, bestände die Chance auf einen Neuanfang. Der Schuldenschnitt wäre nur eine Verlängerung des Elends. Was halten Sie von einer Dreigliederung des sozialen Organismus?"

Dr. Daniel Stelter: Ich muss zugeben, dass das eine interessante Idee ist. Und so etwas habe ich jetzt zum ersten Mal gehört. Ich persönlich habe ein paar Gedanken, die mir dazu spontan kommen. Zum einen ist da die Frage: „Wozu brauchen wir ein Wirtschaftsparlament?" Es hat sich erwiesen, dass die soziale Marktwirtschaft deshalb so stark ist, weil sie dezentral ist. Bei der Kultur wiederum ist es so, dass diese von der Kreativität des Einzelnen lebt. Deshalb bin ich mir ebenfalls nicht sicher, ob wir ein Kulturparlament brauchen.

Generell sehe ich aber den Aspekt, dass wir ganzheitlicher denken müssen. Und das tun wir eben nicht. Die Politik - wie es auch ein Kritikpunkt meines Buches "Ein Traum von einem Land" ist - geht so vor, dass sie irgendwo interveniert, aber dann nicht versteht, was die Folgeerscheinungen dieser Intervention sind. Um diese zu lösen, interveniert sie dann erneut. Im Endeffekt läuft der Prozess der Fehlersuche dann wieder von vorne, weil sie immer nur in einzelnen Teilen intervenieren, ohne zu wissen, was die Folgewirkung dieses Eingriffs ist.

Und dass ist das Problem in einer Welt, die so komplex ist, dass man sie individuell als ganzes System betrachten muss, was die Politik allerdings nicht macht. Der Vorteil der normalen Parlamente ist eben, dass man versucht, die Komplexität etwas transparenter zu machen. Ich persönlich finde, wir müssen über die Folgewirkungen der einzelnen Entscheidungen mehr diskutieren. Gerade in der Corona-Politik haben wir gemerkt, dass unser System sehr reformbedürftig ist.

Claus Roppel: Kommen wir zum Thema „Green Deal“ - ein gigantisches Projekt. Die EU-Kommission schätzt, dass sowohl die privaten als auch die öffentlichen Investitionen im Green Deal auf 2,6 Mrd. Euro anwachsen können. Langfristig ist das Ziel der Klimaneutralität nur mit erfolgreichen Geschäftsmodellen zu meistern. Dazu lautet die Frage eines Zuschauers: „Was halten Sie von der politischen Krisenbekämpfung, auch in Bezug auf die vielen Pleiten, die auf uns zurollen? Sind diese alternativlos? Wie ist diese Klimawende im Rahmen dieser Umstände zu schaffen? Und mit welchen Geschäftsmodellen?“

Dr. Daniel Stelter: Fest steht, dass das Corona-Krisenmanagement schon mal bewiesen hat, dass der Staat es nicht kann. Wir hatten den ganzen Sommer Zeit, um uns auf die zweite Welle vorzubereiten. Aber wir hatten kein Schutzkonzept für Risikogruppen, wir haben unzureichend Tests eingekauft, obwohl diese schon im Oktober verfügbar waren usw. Bei der Klimakrise wird das demnach ähnlich aussehen.

Ich erinnere mich da an die Subvention von Lastenfahrrädern in Berlin. 53.000 Euro werden da jährlich an Subventionen hineingepumpt – für 7 Tonnen CO2-Ersparnis. Wenn wir so weiter machen würden, dann wären wir ziemlich schnell pleite. Ein anderes Beispiel ist die Investition von 80 Mrd. Euro für Solarenergie. Mit der Solarenergie wird der CO2-Ausstoß um zwei Prozent pro Jahr verringert, was unverhältnismäßig teuer im Vergleich zum Output ist.

Deshalb sehe ich den Green Deal der EU als kritisch zu betrachten an. Diesbezüglich glaube ich, dass Europa auf dem völlig falschen Dampfer ist, und wir sind sowieso auch schon abgehängt worden von den anderen Staaten, was die generellen Zukunftstechnologien betrifft. Da sind uns die USA und China weit voraus. Und dieser einseitige Fokus auf das Thema Klima wird den Untergang Europas weiter beschleunigen.

Claus Roppel: Die 30 DAX-Konzerne werden trotz aller Umstände 30 Mrd. Euro an ihre Aktionäre auszahlen. Fast jedes zweite Unternehmen plant eine höhere Dividende als im Vorjahr, viele große Unternehmen werden also Dividenden an ihre Aktionäre zahlen. Angenommen die Staatshilfen führen dazu, dass letztendlich Steuergelder, die zur Rettung von Arbeitsplätzen gedacht waren, als Gewinne an die Aktionäre weitergeleitet werden - ihre Meinung dazu.

Dr. Daniel Stelter: Falls Sie das Kurzarbeitergeld meinen, dieses ist eine Versicherungsleistung. Das wird nicht aus Staatshilfen finanziert, sondern aus entsprechenden Leistungen zur Prävention von Arbeitslosigkeit. Wenn der Vorstand eines Unternehmens jedoch trotz vorhandener Gewinne, die das Unternehmen erzielt hat, keine Dividende auszahlt, können die Aktionäre das Unternehmen verklagen.

Von der Lufthansa weiß ich, dass sie keine Dividenden zahlt, denn die Lufthansa hat tatsächlich Staatshilfen bekommen. Aber ich verstehe diese Bedenken und kann auch unter moralischen Gesichtspunkten nachvollziehen, dass solche Vermutungen aufkommen könnten, dass die Staatshilfen unter Umständen missbraucht werden. Jedoch muss die Situation besser so beschrieben werden, wie sie ist, damit wir sie besser einordnen können.

Claus Roppel: Eine weitere interessante Frage von einem unserer Zuschauer, die sich auf die bevorstehende Wahl bezieht, lautet: „Gibt es aus Ihrer Sicht eine Perspektive, wie das Wahlergebnis ausgehen und auf unseren Wohlstand Einfluss nehmen könnte?“

Dr. Daniel Stelter: Egal wie die Wahl ausgeht, es gibt faktisch keine Politiker, die für die Wohlstandschaffung eintreten. Wenn wir die Parteien durchgehen, so haben alle Parteien unterschiedliche Programme der Wohlstandsverwendung. Bei den Linksparteien geht es vor allem um die Steuererhöhung zugunsten der Klimapolitik, aber nirgendwo wird auf die Schaffung von Wohlstand eingegangen. Von daher können wir davon ausgehen, dass am Ende eine Minderung des Wohlstands steht.

Und noch mal zur Erinnerung: Es geht nicht darum, dass die Reichen in Deutschland reicher sind oder reicher werden als beispielsweise in Frankreich oder Spanien, sondern es geht um den Mittelstand. Unser Problem ist, dass die Mittelschicht zu wenig hat. So viel zum Thema Ungleichheit. Bei der SPD ist es nicht anders. Dort wird viel über Vermögensabgaben und Vermögenssteuer gesprochen. Und da frage ich mich: Wieso eigentlich? Wir haben ohnehin schon die höchste Abgabenlast laut OECD. Wenn noch mehr Gelder in der EU umverteilt werden, dann ist das alles andere als Wohlstandsschaffung.

Über die AfD müssen wir in diesem Zusammenhang gar nicht erst reden. Die CDU wiederum ist beliebig in ihrem Handeln. Sie hat in den letzten 15 Jahren bewiesen, dass sie zwar alles Mögliche tut, aber nicht den Wohlstand der Bürger richtig in den Schutz nimmt. Wäre das in den letzten 15 Jahren überwiegend der Fall gewesen, wären wir heute besser dran. Das richtige Wohlstandsdenken fehlt in der CDU. Da hat die SPD noch am ehesten dieses Wohlstandsdenken, Wohlstand zu schaffen und auch zu schützen. Sie hat allerdings im Bundestag dem Gesetz der europäischen Schuldenunion zugestimmt, entgegengesetzt den Versprechungen aus ihrem Wahlprogramm.

Zusammengefasst ist das Problem einfach auch, dass nach wie vor zu viele Bürger an das Märchen vom reichen Land glauben. Besonders gefährlich ist in diesem Zusammenhang die Klimapolitik der Grünen. Diese wollen einerseits die Reichen besteuern, andererseits möchten sie die Bekämpfung des Klimawandels über das Knie brechen, und das alles mit ineffizienten Maßnahmen. So heißt es dann: Wir erhöhen die Strompreise, wir schalten alles gleichzeitig ab, und hoffen dann, dass all dies irgendwo und irgendwie funktioniert. Dabei kann man die Klimapolitik - die wir ohnehin betreiben müssen - auch so gestalten, dass sie den Wohlstand der Bürger nicht in ein noch tieferes Loch steuert.

Wer von den Parteien am Ende gewinnt, kann ich nicht sagen. Was ich jedoch sagen kann, egal welche Konstellation es am Ende sein wird, es wird eine sein, die eine beschleunigte Wohlstandsvernichtung betreibt. Eine, bei der Wohlstandsschaffung und -sicherung nicht auf der Agenda hat. Ich erinnere daran, dass wir eine Zunahme an Volksvertretern haben, die das Leben des Volkes selbst nie erlebt haben. Viele sind von der Schule ins Studium gekommen. Dann vom Studium in einen Verband oder in eine Partei oder NGO, und auf einmal sitzen sie dann im Bundestag.

Als Voraussetzung, um in den Bundestag zu kommen, sollten daher fünf Jahre Berufserfahrung in einem selbstständigen Beruf oder in einem sozialversicherungspflichtigen Beruf erforderlich sein. Und zwar muss dies eine Tätigkeit sein, die nicht bei einem Parteiverband oder beim Staat ist. Damit die Volksvertreter in spe das Leben des normalen Bürgers vorher mal kennengelernt haben, und dadurch sich besser in die Lage des Volkes versetzen können. Darüber hinaus sollten wir auch hingehen und die Amtszeiten begrenzen. Ich bin der Auffassung, Minister und Regierungschefs sollten ganz klar maximal zwei Amtszeiten haben. Wir hätten dadurch mehr Mischung und auch bessere Politiker meines Erachtens.

Wenn Sie dabei Unterstützung benötigen, dann tragen Sie sich einfach unter www.claus-roppel.de/termin oder im unteren Formular zu einem kostenfreien Strategiegespräch ein. Denn wir helfen mit unserer Wohlstands-Akademie seit Jahren Privatanlegern, Unternehmern und Selbstständigen dabei, nachhaltig Vermögen aufzubauen und zu schützen.

​​Dr. Daniel Stelter​​: Migrationsdruck? ​Staatsfonds ​einrichten? Corona-Schuldenkrise? #2

Vor einigen Wochen haben wir eine 5-teilige Videoreihe mit dem Top-Ökonom Dr. Daniel Stelter auf unserem YouTube-Kanal veröffentlicht, im Zuge dessen uns zahlreiche Fragen erreicht haben, die wir Herrn Dr. Stelter in einem persönlichen Gespräch entsprechend gestellt haben und seine Antworten können Sie nun im zweiten Teil unserer Blog-Serie nachlesen.

Claus Roppel übermittelt eine weitere Zuschauerfrage: "Als Bürger und als Polizist beschäftige ich mich seit vielen Jahren mit dem Thema Zuwanderung. Menschen mit Migrationsgeschichte bilden bei Hartz IV und bei den Insassen in der JVA die Mehrheit, obwohl diese nur 25 Prozent der Gesamtbevölkerung stellen. Über 50 Prozent der Kinder unter 6 Jahren haben einen Migrationshintergrund in Hessen. In Frankfurt sind es 75 Prozent. Auf der anderen Seite ist Deutschland für gute Zuwanderung uninteressant. Wie sollen sich der Staat und die Gesellschaft zukünftig verhalten, was dieses Problem betrifft?"

Dr. Daniel Stelter: Das ist natürlich ein heißes Eisen. Ich habe mich in meinen Büchern dazu klar geäußert. Sowohl in dem Buch "Das Märchen vom reichen Land", wie auch in meinem anderen Buch. Demnach bin ich der Auffassung, dass wir eine Steuerung der Zuwanderung nach gewissen Kriterien brauchen. Das heißt, wir müssen versuchen, qualifizierte Zuwanderer zu locken. Wir müssen mehr tun, um die Qualifizierten, die im Land sind, auch im Land zu halten. Wir haben nicht nur eine Zuwanderung, sondern auch eine maßgebliche Abwanderung, die seit Jahren anhält. 

Und es zeigt, dass es überwiegend junge und gut ausgebildete Menschen sind, die weggehen. Und vor diesem Hintergrund brauchen wir dann einen Ansatz. Wir müssen lernen, uns vor den anderen Ländern besser aufzustellen. Dass wir sagen, wir haben ganz klare Kriterien in Bezug auf die Zuwanderung. Und wir müssen ganz besonders die Zuwanderung in die Sozialsysteme begrenzen. Und gleichzeitig haben wir das Dilemma, dass wir demografische Explosionen erleben – beispielsweise im Nahen Osten oder in Afrika. Der Migrationsdruck wird anhalten. 

Und ich persönlich würde da eine Kombination aus zwei Dingen vorschlagen: Zum einen würde ich einen effektiven Grenzschutz umsetzen, also das was bei uns heftig umstritten ist. Ich würde konsequent jede Art der illegalen Immigration verhindern, würde aber in den Hauptzuwanderungsländern Ausbildungszentren eröffnen. Ausbildungszentren in denen man die allgemeine Sprache erlernt, also Deutsch. Wo man einen Beruf erlernt und wo man an Integrationskursen teilnimmt. 

Also ein Ort, an dem den Neuankömmlingen erklärt wird, wie bei uns der Staat funktioniert und wie die Gesellschaft funktioniert. Und wenn man quasi alle drei wichtigen Bausteine abschließt, also die Sprache gelernt hat, eine Berufsausbildung erfolgreich absolviert hat und zudem den Integrationskurs belegt hat, dann sollte man eine Chance bekommen, um in unserem Land sesshaft zu werden. Wir haben bereits einen großen Anteil mit Migrationshintergrund im Land, und hier müssen wir im Prinzip konsequent vorgehen, um positive Änderungen herbeizuführen.

Das heißt im Klartext, Leute die straffällig werden, sollten wir konsequent abschieben. Aber ich denke auch viel mehr an die Schule und die Ausbildung in unserem Land. Wir haben einen sehr hohen Anteil an Schulabbrechern in Deutschland, nämlich über 10 Prozent. Wir haben einen hohen Anteil an Abbrechern bei der Berufsausbildung. Dabei sind auch überproportional viele Menschen mit Migrationshintergrund vertreten. Insgesamt ist das natürlich ein schwieriges Thema. Denn überhaupt darüber zu reden, kostet den Politikern viel Überwindung, und das ist tragisch. 

Wenn wir in diesem Segment untätig bleiben, kommen zwei Probleme auf uns zu. Wir haben eine älter werdende Gesellschaft, die versorgt werden muss, und wir haben einen hohen Anteil an Menschen, die über unsere Sozialsysteme finanziert werden müssen. Das liegt daran, weil die Zahl der Hartz-IV-Empfänger durch Corona zugenommen hat und auch noch weiter zunehmen wird. Zuvor sind diese Zahlen noch gesunken, und sie wären noch weiter gesunken, hätte es nicht mit der Zuwanderung der vergangenen Jahre ebenfalls eine Zuwanderung in das Hartz-IV-System gegeben.

Claus Roppel: Sie haben auch gerade das Stichwort der Bevölkerungsalterung aufgegriffen. Die hiesige Gesellschaft wird immer älter. Das sind meiner Ansicht nach, wenn auf Dauer nichts passiert mit der Umstrukturierung, echte Wohlstands-Vernichter. Der Club der Hundertjährigen wird immer größer.

Medizinischer Fortschritt hat unter anderem zu einer höheren Lebenserwartung geführt. Das Verhältnis der Beitragszahler und der Rentenempfänger ist aus dem Gleichgewicht geraten. Dazu hat uns ein Zuschauer geschrieben: „Ich bin selbst Beamter, was halten Sie von Entbeamtungsmaßnahmen nach Schweizer Vorbild? Gerade Lehrer. Ungefähr jeder zweite Beamte ist Lehrer, und die sind pensionstechnisch unfinanzierbar."

Dr. Stelter: In der Tat. Die Politiker haben die Lehrer verbeamtet, weil die laufenden Gehaltskosten dadurch geringer waren. Einiges wurde dabei jedoch nicht beachtet, sodass der langfristige Weitblick einfach fehlte. Ich erinnere mich noch an damals, als in Berlin der Beschluss kam, Lehrer nicht mehr als Beamte, sondern als Angestellte zu behandeln. Was war die Folge?  Die Lehrer wollten nicht mehr in Berlin tätig sein, sondern gingen in die anderen Bundesländer, und zwar dorthin, wo großzügiger verbeamtet wurde.

Eine Rückstufung der Verbeamtung kann daher nur funktionieren, wenn sie bundeseinheitlich durchgeführt wird. Vor allem braucht es eine Bilanz, die aufgestellt werden muss, um zu sehen, wie sich die Verbeamtung im Vergleich zur Anstellung auswirkt. Und die Politik schaut sich das an, sieht eventuell Einsparpotenziale oder Verbesserungspotenziale, aber kommt nicht in die Umsetzung. Es werden sinnvolle Vorschläge zwar befürwortet, aber im Endeffekt kommt keine Umsetzung zustande.

Claus Roppel: Sie sprachen mal über einen Staatsfonds in Deutschland nach dem Vorbild von Norwegen. Wie soll dieser gespeist werden? Und halten Sie eine Einsetzung eines solchen Fonds wirklich für durchsetzbar? Wie ist da Ihre Einschätzung für die nächsten Jahre?

Dr. Daniel Stelter: Der Staatsfonds war ein Vorschlag, den ich mal gemacht habe. Er basiert auf der Idee, dass jeder Bürger 25.000 Euro in diesen Fonds einzahlt, was auch durchaus machbar wäre. Man kann sich dieses Geld auch leihen. Umsetzbar wäre es also, erfordert aber, dass die Politik auch wirklich an die Schöpfung von Wohlstand denkt, und nicht nur an die Verteilung von Wohlstand. Die Idee vom Staatsfonds ist zwar theoretisch realisierbar und auch finanzierbar, wird praktisch aber nie realisiert werden, weil die Politik nicht in diesen Kategorien denkt.

Claus Roppel: Stichwort Schulden: Schulden, Schulden, Schulden und nochmals Schulden! In diesem Zusammenhang möchte ich die Wirtschaftsprofessorin Frau Grin zitieren, die gesagt hat: „Wir benötigen in der EU eine echte Wettbewerbsfähigkeit, die nicht auf Schulden aufgebaut ist. Es funktioniert nicht über gemeinsame Schulden."

Jetzt folgt darauf eine Frage von einem unserer Zuschauer. „Wenn es keine Vergemeinschaftung von Schulden gibt, wer würde dann italienische Staatspapiere kaufen? Die Zinslast wäre nicht tragbar, das Spiel würde von vorne losgehen, und wenn man die Lira als Parallelwährung einführen würde, dann würde es keine zwei Monate dauern, bis man gegen diese erfolgreich am Finanzmarkt wettet."

Dr. Daniel Stelter: Also ich glaube, die Sache hat verschiedene Aspekte. Der allgemeine Konsens auf dem Finanzmarkt ist, dass es keine erneute Schuldenkrise in der Eurozone geben wird. Und diese Ansicht vertrete ich auch. Warum? Weil die Europäische Zentralbank immer intervenieren wird. Das wissen wir zwar alle, aber die Deutschen wollen das nicht wahrhaben. Doch so ist es. Das führt zu der Frage, wie es jetzt eigentlich weitergeht. 

Wenn das passiert, müssen wir uns die Frage stellen, was wir dann tun können. Sollte man wirklich den Staat mit Schulden ausstatten, also mit neu aufgenommenen Geld? Die zweite Sache ist: Wie könnten wir einen Beitrag dazu leisten, um die Schuldenlast zu reduzieren? Wir können nicht einfach sagen, dass die Bürger die Schulden über die Steuerlast am Ende ausbaden müssen. Das würde an einigen Stellen nicht akzeptiert werden, und die Franzosen tolerieren das schon gar nicht. Daher schlage ich eher als europäische Lösung einen Schuldentilgungsfonds vor. 

Wobei dieser eigentlich nicht den richtigen Namen trägt, da im eigentlichen Sinne nichts getilgt wird. Aber wenn, dann müssen alle Staaten daran teilhaben können. Also auch Deutschland, damit wir unsere Staatsschulden ebenfalls dort abladen können. Das ist der bessere Ansatz als beispielsweise Schulden, die durch Corona entstanden sind, einfach durch Steuererhöhungen zu tilgen. Dies wäre insgesamt das richtige Vorgehen, nur in der Politik kann ich keine Tendenz dazu beobachten, die in diese Richtung führt. Der Staat wird faktisch alles tun, um den Wohlstand zu mindern, anstatt ihn zu fördern. 

Wenn Sie dabei Unterstützung benötigen, dann tragen Sie sich einfach unter www.claus-roppel.de/termin oder im unteren Formular zu einem kostenfreien Strategiegespräch ein. Denn wir helfen mit unserer Wohlstands-Akademie seit Jahren Privatanlegern, Unternehmern und Selbstständigen dabei, nachhaltig Vermögen aufzubauen und zu schützen.

Great Reset? Corona-Folgen? Immobilien kaufen? Dr. Daniel Stelter im Fragenhagel #1

Vor einigen Wochen haben wir eine 5-teilige Videoreihe mit dem Top-Ökonom Dr. Daniel Stelter auf unserem YouTube-Kanal veröffentlicht, im Zuge dessen uns zahlreiche Fragen erreicht haben, die wir Herrn Dr. Stelter in einem persönlichen Gespräch entsprechend gestellt haben und seine Antworten können Sie nun in unserer dreiteiligen Blog-Serie nachlesen.

Claus Roppel: Einige Zuschauer sehen den sogenannten „Great Reset“ auf uns zukommen. Unter dem „Great Reset“ verstehen viele Menschen übrigens eine bewusst herbeigeführte Initiative der Politik und Weltwirtschaft, die eine Neugestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft anstrebt. Demnach wird durch die Instrumentalisierung der Pandemie eine Neugestaltung unseres Wohlstandes und der Weltwirtschaft vorgesehen. Sehen Sie ebenfalls den „Great Reset“ oder sind das Ihrer Meinung nach nur Gerüchte?

Dr. Daniel Stelter: Ich persönlich bin kein Freund oder Anhänger von Verschwörungstheorien. Ich bin da ein bisschen skeptisch. Ich glaube in die Diskussion, in die wir da laufen, sind wir wirklich gefangen und kommen auf keinen grünen Zweig. Aber so einen „Great Reset“ im Sinne einer Revolution von oben, so wie es faktisch deren Credo ist, davon bin ich nicht überzeugt. Ich bin immer skeptisch, wenn solche Dinge in den Raum gestellt werden.

Wir sollten die Sachlage rationaler betrachten, als es die meisten Menschen tun. Derartige Themen wie der "Great Reset", also das bewusste Niederwälzen der Weltwirtschaft, bewirkt viel eher eine Verhinderung von offenem Wandel. Vieles davon ist auch Propaganda, damit die entsprechenden Profiteure eben dieser Propaganda den bevorstehenden Wandel so gestalten können, dass er ihnen am meisten nutzt. An so was wie den "Great Reset" im klassischen Sinne wie er meist ausgelegt wird, glaube ich prinzipiell einfach nicht.

Ich glaube aber, dass es Veränderungen geben wird. Allein schon wegen Corona. Dabei handelt es sich jedoch um bereits vorhandene Trends, die lediglich eine Beschleunigung durch die Pandemie erfahren. Denken wir an das Thema Digitalisierung. Oder denken wir an das Thema mit den Verteilungsdiskussionen und viele andere Baustellen. Das lag alles schon in der Luft, und das wird jetzt nur nochmal durch die Corona-Krise verstärkt. Und teilweise bietet die Corona-Krise auch die perfekte Ausrede, um Dinge in die Umsetzung überzuleiten, die andernfalls auch so später gekommen wären.

Claus Roppel: Stichwort Digitalisierung: Wie denken Sie über die Digitalisierung und den Verlust von mindestens 50 Prozent der Arbeitsplätze weltweit? Ist das eine Aussage, die man so gelten lassen kann? Und dass die Demografie zu einem autoritären Verteilungssystem geführt wird - Enteignung, Verstaatlichung usw.?

Dr. Daniel Stelter: Die einen sagen, die Digitalisierung wird zu einem massiven Verlust der Arbeitsplätze führen. Die anderen sagen, die Menschheitsgeschichte lässt uns erkennen, dass dem nicht so sein wird. Schaut man in die Historie, so hat man damals gesagt, als die Nähmaschine kam, es gibt in Zukunft Massenarbeitslosigkeit wegen der Nähmaschine. Aber sie kam nicht. Dann hat man gesagt, wenn andere technologische Fortschritte kommen, gibt es Massenarbeitslosigkeit. Auch diese gab es jedoch nicht. Die Arbeitswelt befindet sich einfach in einem stetigen Wandel.

Ich glaube, mit Blick auf die demografische Entwicklung, in Deutschland muss es keine schlechte Nachricht für uns sein, wenn wir mehr Roboter und Automatisierung bekommen. Wir können diese Entwicklung auch vor dem Hintergrund betrachten, dass jemand, der in Rente geht, durch Maschinen ersetzt wird, um eine Lücke zu füllen. Und die neuen Generationen bekommen durch die fortschreitende Entwicklung neue Arbeitsmöglichkeiten geliefert. Ich finde wir sollten es als Chance betrachten, wie es auch die Japaner tun. Wir sollten nicht so pessimistisch sein.

Natürlich bedeutet es einen Wandel im Bereich der Ausbildungen und Tätigkeiten. Es ist eine Anforderung, dass die Menschen mehr in ihre Qualifikationen investieren. Aber es gibt auch Studien von McKinsey, die besagen, dass es gerade in der Zusammenarbeit Mensch-Maschine ein enormes Wachstum geben wird. Also entweder man glaubt an das Positive hinter dem Wandel der Zeit, oder man sieht alles negativ, verpasst durch diese Haltung dann aber auch wertvolle Chancen.

Claus Roppel: Okay, schreiten wir zum nächsten Thema. Immobilien kaufen? Würden Sie noch in Immobilien investieren?

Dr. Daniel Stelter: Gut, zum einen haben wir es mit einer Politik zu tun, die in den letzten Jahren die Zuwanderung sehr stark gefördert hat. Die Zuwanderung führt natürlich auch zu einer höheren Nachfrage nach Wohnraum, und führt damit auch entsprechend zu Knappheitserscheinungen. Vor allem wenn unsere Politik in Berlin zugleich den Zuwachs an Wohnraum massiv behindert. Da gibt es eine logische Konsequenz: Höhere Nachfrage und nicht wachsendes Angebot. Darüber hinaus gab es auch so bereits eine Zuwanderung.

Einige Städte haben überproportional davon profitiert und der entsprechende Ausbau an Wohnraum wurde gleichzeitig jedoch verhindert. Ich spreche vor allem von Berlin, wo viele Flächen einfach nicht bebaut werden dürfen, obwohl man diese theoretisch bebauen könnte. Besonders Tempelhofer Feld, ein Bereich der überwiegend bebaubar wäre. Dort könnte man sehr viel Wohnraum schaffen. Und das wird natürlich von der Politik verdrängt. Die Politik sagt natürlich stattdessen, wir müssen jetzt anders agieren, und das ist schon mal schlecht. Denn sie sucht nach Ausreden, um die eigentlichen Probleme verdrängen zu können.

Das Zweite ist, dass wir ein politisches Versagen bezüglich des Vermögens in Deutschland sehen; Betriebsvermögen, Geldvermögen, Immobilienvermögen. Beim Betriebsvermögen möchte man immer zurückschrecken, weil man sagt, man möchte die Firmen nicht belasten. Beim Geldvermögen wird immer gesagt, wir haben ohnehin keine Zinsen. Vor allem die kleinen Leute sind es, die in Geldvermögen sparen. Also nehmen wir einfach Immobilien. Und da wird dann gerne beschlossen, die Grundsteuer zu erhöhen, oder irgendwelche anderen Abgaben für Immobilien zu schaffen. Und die Immobilie hat den großen Vorteil, nicht weglaufen zu können. Das ist ein Grund, so glaube ich zumindest, weshalb die Immobilienbesteuerung nach oben gehen wird.

Wir haben eine Bevölkerungssteigerung durch die Zuwanderung gehabt. Das wird sich in diesem Stil aber nicht fortsetzen lassen. Davon gehe ich zumindest aus. Es wird zumindest politisch nicht gewünscht sein. Das heißt, wir sprechen von einem Rückgang der Bevölkerung und wir haben dann mehr Rentner. Die Schrumpfung der Bevölkerung kommt in zwei Jahrzehnten. Und das wird dann den Wohnungsmarkt sowieso entspannen. Wir sehen es jetzt auch schon in einigen deutschen Regionen, wo die Bevölkerung schrumpft und wo Immobilien leer stehen. Und dort denkt man nach, ob man in Immobilen investieren sollte. Vor allem wenn in Deutschland dieses Preisniveau besteht.

Was die meisten vergessen ist aber das Klumpenrisiko. Wenn die Menschen ihre Vermögensposition anschauen, so haben die Meisten in der Regel ihr ganzes Einkommen in Deutschland. Die Rente ist in Deutschland, sie haben ihre Lebensversicherung in Deutschland, und dann haben die Leute auch noch selbst genutzte Immobilien in Deutschland. Werden dann zudem noch weitere Immobilien in Deutschland gekauft, besteht ein Klumpenrisiko. Ich würde doch eher dafür plädieren, dass man sein Geld darüber hinaus möglichst global investiert. Auf diese Weise wird es möglich sein, von der wirtschaftlichen Entwicklung in anderen Regionen der Welt zu profitieren.

Wenn Sie dabei Unterstützung benötigen, dann tragen Sie sich einfach unter www.claus-roppel.de/termin oder im unteren Formular zu einem kostenfreien Strategiegespräch ein. Denn wir helfen mit unserer Wohlstands-Akademie seit Jahren Privatanlegern, Unternehmern und Selbstständigen dabei, nachhaltig Vermögen aufzubauen und zu schützen.