Altersvorsorge Tipps: Die 6 besten Ratschläge

Das Rentenniveau wird bis 2030 auf nur noch 43 bis 44 Prozent des durchschnittlichen Nettogehalts sinken. Die gesetzliche Rente allein wird dann für die meisten nicht mehr reichen, um den Lebensstandard zu halten. Darum ist die private Altersvorsorge unverzichtbar. Doch dabei kann vieles schiefgehen. Lesen Sie daher hier, welche 6 Tipps Sie bei der Altersvorsorge unbedingt befolgen sollten.

Millionen Deutsche werden sich im Alter deutlich einschränken müssen, um finanziell über die Runden zu kommen. Es sei denn, sie sorgen selbst für später vor und schließen so ihre Rentenlücke. Das geht mit verschiedenen Möglichkeiten, auf die wir im Laufe dieses Beitrags noch ausführlich zu sprechen kommen. Denn wer es falsch anpackt, kann viel Geld für den Ruhestand verschenken.

Tipp Nr. 1: Vorsorgelücke richtig einschätzen

„Die gesetzliche Rente reicht für das Alter völlig aus, das war bei meinen Eltern auch so.“ Wer sich bei der Altersvorsorge an der Vorgängergeneration orientiert, ist meist in der Einbahnstraße unterwegs. Denn Fakt ist: Das Rentenniveau wird sinken, das ist politisch beschlossen und zur Abfederung des demografischen Wandels auch unumgänglich. Heutige Arbeitnehmer sollten deshalb nicht die Vorsorgestrategien ihrer Eltern kopieren. Zwar benötigen die meisten Menschen im Alter etwas weniger Geld als vorher, das allerdings über einen längeren Zeitraum, als sie annehmen. Wir sprechen hierbei auch gerne vom sogenannten Langlebigkeitsrisiko. Und dieses nimmt in Anbetracht der immer länger werdenden Lebenserwartung weiterhin zu.

Rentenniveau vor Steuern in Prozent

Rentenniveau - Altersvorsorge Tipps - Claus Roppel

Aus diesem Grund ist es von außerordentlicher Bedeutung, dass Sie in Folge steigender Lebenserwartungen bereits früh mit der privaten Vorsorge anfangen sollten. Oft erscheinen die Bedürfnisse von heute drängender als die, die die ferne Zukunft bringt. Ob alleinerziehende Mutter oder Geringverdiener: Wer jeden Euro mehrmals umdrehen muss, denkt nicht zuerst an das Leben im Ruhestand. Doch der schlimmste Fehler bei der privaten Altersvorsorge ist, sie immer wieder aufzuschieben, weshalb wir Ihnen diese Tipps zusammengestellt haben. Denn Altersvorsorge ist kein Sprint, sondern ein Marathon.

Durchhaltevermögen zahlt sich langfristig aus, etwa in Form einer höheren Rente. Denn eine entscheidende Stellschraube ist schließlich, wie lange die private Rente ausbezahlt werden soll bzw. kann. Nichtsdestotrotz ist es natürlich schwer, Ihre individuelle Rentenlücke genaustens zu bestimmen. Am Ende geht es vor allem darum, dass Sie für diese Lücke sensibilisiert werden. Das heißt: Wer sich im Alter nicht einschränken will, sollte langfristig ansparen und keinesfalls die Lebenserwartung unterschätzen.

Tipp Nr. 2: Machen Sie sich unabhängig von Ihrem Partner

Die gesetzliche Rente des gutverdienenden Partners oder der Partnerin wird später für zwei reichen? Meist nicht. Im Laufe eines langen Berufslebens läuft nämlich nicht immer alles nach Plan: Wird der Top-Verdiener in der Familie beispielsweise berufsunfähig oder längere Zeit arbeitslos, hat das gravierende Auswirkungen auf die Höhe der gesetzlichen Rente. Das wiederrum lässt die bereits thematisierte Rentenlücke noch größer werden, da weniger Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt wurden. Aber auch eine Trennung bedeutet das Ende der mutmaßlichen Altersabsicherung.

Darum ist es sehr gefährlich, nicht selbst vorzusorgen, sondern auch auf den Partner zu verlassen. Die Zahl der Paare, die sich nach über 26 Jahren Ehe haben scheiden lassen, hat sich seit Anfang der 90er-Jahre nahezu verdoppelt. In Österreich wird sogar fast jede zweite Ehe wieder geschieden. Daher solltet ihr, auch wenn ihr den Rest des Lebens miteinander verbringen wollt, für den Fall der Fälle eure Altersvorsorge separat aufsetzen.

Denn vor allem für Frauen ist Altersarmut ein ernstes Problem: Mehr als die Hälfte hat Angst davor, und das völlig zurecht. Nach einer OECD-Studie fällt die gesetzliche Rente von Frauen in Deutschland im Schnitt 46 Prozent geringer aus als die von Männern. Der Grund: Frauen arbeiten besonders häufig in Teilzeit und erwerben folglich geringere Rentenansprüche. Zudem verdienen Frauen trotz gleicher Tätigkeit häufig noch immer weniger als ihre männlichen Kollegen.

Tipp Nr. 3: Sichern Sie Ihre Arbeitskraft ab

Die beste Altersvorsorge nützt Ihnen rein gar nichts, wenn sie nicht langfristig durchgehalten werden kann. Die Absicherung des Lebensstandards und der Familie ist daher eine wichtige Grundlage für ein sorgenfreies Leben. Folglich ist Ihr größtes und wichtigstes Kapital Ihre Arbeitskraft. Denn sie ist es, die Ihr Einkommen sichert. Jeder Mensch hat jedoch unterschiedliche Bedürfnisse, Leidenschaften und Mittelpunkte im Leben. Das zeigt sich auch in der Berufswahl. Deshalb gibt es auch nicht nur eine Art, die Arbeits­kraft abzusichern. Hier werden Ihnen im Folgenden einmal die unserer Einschätzung nach wichtigsten Säulen Ihrer Existenzsicherung vorgestellt.

Berufsunfähigkeit kann jeden treffen...

Die Wahrscheinlichkeit, bis zur Rente berufsunfähig zu werden liegt je nach Altersgruppe und Geschlecht zwischen 29 und 43 Prozent. Die häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit sind psychische Gründe, Beeinträchtigungen des Bewegungsapparates und Krebs (siehe Grafik).

Ursachen Berufsunfähigkeit - Altersvorsorge Tipps - Claus Roppel

Doch neben dem rechtzeitigen Abschluss in gesunden Jahren entscheidet vor allem auch das berühmte Kleingedruckte, ob und was die Versicherung am Ende zahlt. Daher haben wir Ihnen die untenstehenden Regelungen einmal festgehalten, die auf jeden Fall enthalten sein sollten, damit ein solcher Vertrag wirklich verlässlichen Schutz bietet.

1. Die Rente wird gezahlt, wenn der Versicherte infolge von Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall in seinem in gesunden Tagen zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr zu mindestens 50 Prozent tätig sein kann. Das gilt auch bei einem Berufswechsel. Beispiel: Wer Bauschlosser gelernt hatte, aber jetzt als IT-Experte arbeitet, bei dem wird nur die Tätigkeit als IT-Experte geprüft.

2. Es wird nicht geprüft, ob man mit seinen Kenntnissen und Fähigkeiten oder seiner Erfahrung und Ausbildung noch eine andere Tätigkeit ausüben könnte (so genannter "abstrakter Verweisungsverzicht"). Beispiel: Es wird nicht geprüft, ob ein operierender Chirurg auch als Fachgutachter tätig sein könnte, wenn seine Hand nach einem Unfall dauerhaft beeinträchtigt ist.

3. Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn der Versicherte voraussichtlich sechs Monate lang zu mehr als 50 Prozent berufsunfähig sein wird oder dieser Zeitraum schon verstrichen ist.

4. Die Rente wird auch rückwirkend ab dem ersten Tag des Sechs-Monats-Zeitraums gezahlt.

Die versicherte Rente sollte darüber hinaus auch alle alltäglichen Ausgaben absichern, die auch nach Eintritt der Berufsunfähigkeit weitergezahlt werden müssen (zum Beispiel Haushaltskosten, Miete, Altersvorsorge). 80 Prozent vom derzeitigen Netto sind oft ein guter Richtwert. Der Vertrag sollte idealerweise bis zum Eintritt in den Altersruhestand, also zum 67. Lebensjahr, laufen. Die Wahrscheinlichkeit für eine Berufsunfähigkeit steigt im Alter an. Seien Sie daher vorsichtig, wenn Versicherer ein Vertragsende vor dem Rentenalter anbieten.

Finanzieller Airbag gegen Unfälle

Jedes Jahr gibt es etwa 9 Millionen Unfälle in Deutschland. Aber sollten Sie deshalb eine private Unfallversicherung abschließen?

Unfälle in Deutschland - Unfallversicherung sinnvoll - Altersvorsorge Tipps - Claus Roppel

Besonders wichtig ist eine private Unfallversicherung für Selbstständige, Personen ohne Beruf, Hausfrauen und Hausmänner, für Personen mit einem sehr hohen Unfallrisiko und für Erwerbstätige mit Vorerkrankungen, die keine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen können.

Die wichtigste Leistung der Unfallversicherung ist die Zahlung eines einmaligen Geldbetrages, der Invaliditätsleistung. Voraussetzung ist eine "dauerhafte Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Leistungsfähigkeit". Das ist der Fall, wenn die Unfallfolgen voraussichtlich länger als drei Jahre bestehen bleiben und eine Besserung nicht zu erwarten ist.

Die Höhe der Entschädigung richtet sich nach dem Grad der eingetretenen Invalidität. Die Unfallversicherung leistet einen Prozentsatz der vereinbarten Versicherungssumme. Dabei kommt es darauf an, wie der Verlust des Körperteils in Ihrem Versicherungsvertrag berücksichtigt wird. Wenn Sie zum Beispiel einen Vertrag mit einer Versicherungssumme von 300.000 Euro abgeschlossen haben und Sie bei einem Unfall ein Auge verlieren, erhalten Sie 150.000 Euro als Invaliditätszahlung. Bei teilweisem Verlust oder teilweiser Funktionsunfähigkeit werden die Werte entsprechend gekürzt.

Achtung: In mehr als 90 Prozent aller Fälle werden Menschen durch eine Krankheit berufsunfähig, nicht nach einem Unfall. Und bei Folgen einer Krankheit hilft die Unfallversicherung nicht.

Kaum einer kann sich im Alter eine angemessene Pflege leisten

Eins ist gewiss: Zukünftig wird die Zahl der Pflegebedürftigen kontinuierlich ansteigen. Schon heute beziehen zig Millionen Menschen in Deutschland Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung. Pflege trifft insbesondere die Ältesten. Die gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt einen Teil der Kosten, wenn ein Pflegefall eintritt. Entscheidend für die Einstufung in einen der Pflegegrade ist, wie stark Selbstständigkeit und Fähigkeiten eingeschränkt sind. Danach bestimmt sich, wie viel Unterstützung durch Pflege notwendig ist und wie viel die gesetzliche Pflegeversicherung bezahlt.

Pflegebedürftige in Deutschland - Altersvorsorge Tipps - Claus Roppel

Das Problem: Diese Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung decken meist nur einen Teil der Kosten. Liegen die tatsächlichen Pflegekosten darüber, müssen Pflegebedürftige diese aus eigener Tasche zahlen. Das Sozialamt hilft erst, wenn die Rente dafür nicht ausreicht und ein eventuelles Vermögen aufgebraucht ist. Der Ehepartner und die Kinder müssen dann als Unterhaltspflichtige damit rechnen, dass das Sozialamt sich von ihnen wiederum Geld zurückholt - zumindest wenn Sie ein entsprechend hohes Einkommen/Vermögen haben.

Genau aus diesem Grund könnte sich womöglich eine sogenannte Pflegerentenversicherung eignen, die Ihnen dann eine vereinbarte Pflegerente auszahlt. Eine solche Pflegerente ist in der Regel beitragsstabil: Sowohl der Beitrag als auch der Leistungsumfang werden bei Vertragsbeginn festgeschrieben. Etwas anderes gilt nur, wenn eine Dynamik der Leistung vereinbart wird. Planen Sie über längere Zeiträume mit der Versicherung, zum Beispiel über 20 oder mehr Jahre. Beachten Sie bei der Wahl der Rentenhöhe die zu erwartende Inflation!

Die Pflegerente steht zur freien Verfügung. Im Vergleich zu den anderen Pflegezusatzversicherungen liegt der Beitrag in der Pflegerentenversicherung deutlich höher, etwa zwei- bis dreimal so hoch. Die Höhe der Rentenzahlung variiert je nach Grad der Pflegebedürftigkeit. Die volle Pflegerente erhält der Versicherte in der Regel erst ab Pflegegrad 4 oder 5. In den niedrigeren Pflegegraden wird die Pflegerente nur anteilig oder gar nicht gezahlt. Bei Pflegebedürftigkeit ist der Versicherte meist von der Beitragszahlung befreit.

Risikolebensversicherung: Ein MUSS für jede Familie

Mal ehrlich: Niemand redet gerne über den eigenen Tod oder den einer geliebten Person. Wenn ein Mensch stirbt, ist das immer ein schwerer Schicksalsschlag für die Angehörigen. Wenn dann obendrein der finanzielle Ruin droht, dann ist das eine zusätzliche Last für Ihre Familie. Umso wichtiger ist es, dass Sie rechtzeitig für Ihre Lieben vorsorgen und sie für den Fall der Fälle absichern.

Eine Ri­si­ko­le­bens­ver­si­che­rung zahlt nämlich eine vereinbarte Summe an Ihre Angehörigen, wenn Sie sterben. Besonders sinnvoll ist eine solche Versicherung im Rahmen Ihrer Altersvorsorge bzw. die Ihrer Familie in folgenden Fällen:

Sie haben eine Immobilie auf Kredit gekauft: Der Immobilienkredit kann zur finanziellen Last für Ihren Partner werden, wenn Sie sterben solltest. Damit Ihr Partner weiter den Kredit tilgen kann und nicht notgedrungen das Haus verkaufen muss, sollten Sie ihn absichern. Diese Empfehlung gilt auch für unverheiratete Paare, die zusammen eine Immobilie erworben haben.

Sie wollen Ihre Familie absichern: Als Haupt- oder Alleinverdienerin Ihrer Familie sollten Sie sich ebenfalls um die Absicherung Ihrer Liebsten kümmern. Doch auch wenn beide Partner arbeiten, ist eine Ri­si­ko­le­bens­ver­si­che­rung sinnvoll. Witwen- und Waisenrente liegen zusammen meist deutlich unter dem letzten Gehalt des verstorbenen Partners. Und wenn der überlebende Partner plötzlich alleinerziehend ist, muss er sich möglicherweise bei den Arbeitszeiten und seinem Gehalt einschränken.

Die Ver­si­che­rungs­sum­me sollten Sie hoch genug ansetzen. Beim Hauskredit ist das einfach, da nehmen Sie einfach die Höhe der noch offenen Kreditsumme. Möchten Sie den Familienunterhalt absichern, können Sie eine einfache Daumenregel anwenden: Haben Sie Kinder, dann sollten Sie als Versicherungssumme das 4- bis 5-fache Bruttojahresgehalt absichern. Die Restschuld eines Hauskredits sollten Sie obendrauf rechnen. Möchten Sie nur Ihren Partner absichern, dann können Sie etwas niedriger ansetzen mit dem 3-fachen Ihres Bruttojahresgehalts.

Tipp Nr. 4: Identifizieren Sie Ihre Sparpotenziale

Wenn Sie Geld zurücklegen möchten, sollten Sie wissen, welche Summe Sie monatlich überhaupt aufbringen können. Denn nur wer höhere Einnahmen als Ausgaben hat, kann auch etwas sparen. Ziel sollte es sein, mindestens 10 Prozent Ihres Bruttoeinkommens für die Altersvorsorge zur Seite zu legen. Es gilt aber: Kleine Summen sind besser als nichts. Denn auch kleinere Beträge helfen, wenn man möglichst früh beginnt. Das Geheimnis liegt nämlich im Zinseszinseffekt – heute auch oft als Renditerenditeeffekt bezeichnet, weil es so gut wie keine Zinsen mehr gibt.

Exponentielles Wachstum anhand der Zinseszins-Kurve

Zinseszins-Kurve - Claus Roppel

Das heißt, dass die jährlichen Erträge wieder angelegt werden, sodass man dann von einer höheren Wertentwicklung profitiert. Je länger der Zeitraum ist, in dem Geld zurückgelegt wird, desto höher fallen auch die Erträge aus. Altersvorsorge heißt ja häufig auch: Heute auf etwas verzichten, damit es mir morgen besser geht. Wer also sein ganzes Geld für kurzfristige Konsumgüter auf den Kopf haut, muss sich am Lebensabend nicht wundern, wenn er sich viel stärker einschränken muss als gedacht.

Verschaffen Sie sich daher zunächst einen Überblick über Ihre zukünftigen Einnahmen. Ermitteln Sie dann, wie viel Sie darüber hinaus später brauchen und wieviel von Ihrem Einkommen Sie heute in Ihre Altersvorsorge investieren können.

Tipp Nr. 5: Wechseln Sie nicht zu oft die Strategie

Anleger handeln oft zu schnell emotional. Die Börsenweisheit „Hin und her macht Taschen leer“ warnt vor diesem Fehler. Das bessere Rezept: Strategie klar definieren und durchziehen. Heute Immobilien, morgen Lebensversicherungen, übermorgen Aktien – wer zu oft seine Vorsorgestrategie ändert, muss immer wieder mit finanziellen Einbußen rechnen. Denn jede Kündigung und jeder Neuvertrag kosten in der Regel Geld. Deshalb sollten Verbraucher auch eine Strategie entwickeln, die einerseits zu ihnen passt und ihnen andererseits genügend Flexibilität für unerwartete Situationen lässt.

Nehmen Sie sich also Zeit für Ihre persönliche Strategie und bleiben Sie dann bei der Stange. Doch Achtung: Bei der Altersvorsorge gilt wie auf dem Hühnerhof: Man sollte nicht alle Eier in einen Korb legen. Wer sein Geld auf verschiedene Anlageklassen verteilt, erhöht die Sicherheit beim Vermögensaufbau. Welche das sein können, das schauen wir uns jetzt an.

Tipp Nr. 6: DIESE Geldanlagen sind sinnvoll

Welche Sparform am Ende des Tages für Sie die beste ist, hängt stark von Ihrer finanziellen Situation und Lebensplanung ab. Wichtig ist, dass Sie in Ruhe abwägen, was Sie tun wollen. Denn die Entscheidung wirkt bestenfalls viele Jahre nach und ist der Grundstein für Ihre finanzielle Lage im Alter. Wichtig: Wer dabei nur nach maximaler Rendite schielt, muss eins wissen: Eine hohe Rendite geht naturgemäß auch immer mit einem höheren Risiko einher. Im schlimmsten Fall ist kurz vor Renteneintritt das angesparte Vermögen futsch, etwa durch einen Börsencrash. Daher sollten Sie als Sparer und Anleger im Zuge der Planung Ihrer privaten Altersvorsorge die Risiken bzw. die Möglichkeiten der Geldanlagen maximal streuen.

1. Fondssparen

Sparen mit Plan – genauer gesagt per Fondssparplan? Leider sind sich die wenigsten Sparer bewusst, wie das geht und nehmen in Kauf, dass ihr Geld auf dem Sparbuch von Jahr zu Jahr an Wert verliert. Machen Sie es besser und treten Sie nicht in die klassische Sparbuch-Falle: Retten Sie Ihr Geld. Während Milliarden von Euro an Privatvermögen auf deutschen Sparkonten vor sich hin dümpeln und darauf warten, von der Inflation dahingerafft zu werden, setzen clevere Anleger bevorzugt auf renditestärkere Anlageprodukte. Diese tragen nämlich trotz Inflation zum kontinuierlichen Vermögensaufbau bei, und das bei meist überschaubarem Risiko.

Die Rede ist vom Sparen mit Fonds, genauer gesagt Investmentfonds wie Aktien- oder Dividendenfonds. Vor allem wer mittel- bis langfristig Geld bei Seite legen möchte – eben für die Altersvorsorge – ist damit auf der richtigen Spur. Obwohl Sie bei Anlagen in Investmentfonds keine Zinsen, sondern Erträge erhalten, dürfen Sie sich dennoch über den bereits kennengelernten Zinseszinseffekt freuen. Dieser ist ein essentieller Bestandteil beim Vermögensaufbau. Zinsen beziehungsweise Erträge, die Sie als Anleger auf Ihr Vermögen erhalten, werden diesem bekanntlich gutgeschrieben.

Im Gegensatz zu einer einmaligen Geldanlage legen Sie bei einem Investment per Fondssparplan diszipliniert und kontinuierlich an. Der monatliche Betrag ist dabei von Beginn an festgelegt. Dadurch profitieren Sie als Anleger/innen vom sogenannten Cost-Average-Effekt, auf Deutsch: Durchschnittskosteneffekt. 

Der Durchschnittskosteneffekt: Der Gewinn liegt im Einkauf

Cost Average Effekt - Durchschnittskosteneffekt - Claus Roppel

Dieser ermöglicht es, Marktschwankungen vorteilhaft auszunutzen. Während zu Zeiten steigender Kurse weniger Fondsanteile erworben werden, erhöht sich die Anzahl der erworbenen Anteile bei fallenden Kursen. Das sorgt für einen günstigen Durchschnittspreis. Dieser nimmt Ihnen außerdem die Suche nach dem idealen Einstiegszeitpunkt ab. Entscheiden Sie sich dann, ob Sie Ihr Geld in einen passiv oder aktiv gemanagten Fondssparplan stecken möchten. 

Bei Aktienfonds handelt es sich meistens um aktiv von Fondsmanager/innen verwaltete Anlageprodukte. Das hat folgenden Vorteil: Anleger/innen mit nicht so viel Know-How und Erfahrung, können die Entscheidung, in welche Aktien der Fonds investiert, getrost in deren professionellen Hände abgeben. Die Kosten für ein aktives Management bei Aktienfonds sind dafür deutlich höher, als bei einem ETF-Fonds, da hier “nur” eins zu eins nachgebaut wird, was der jeweilige Index vorrechnet.

Wer beispielsweise über 15 Jahre in den Weltaktienindex eingezahlt hat, erzielte in der Vergangenheit im Durchschnitt eine positive Rendite pro Jahr. Von Anfang 2000 bis Ende 2015 konnte ein Sparer, der regelmäßig in den Weltaktienindex MSCI World investierte, gut 7 Prozent pro Jahr verdienen.

Geldwerte vs. Sachwerte - Geldanlagen - Claus Roppel

Letztendlich ist der Einstiegzeitpunkt beim Fondssparen – unabhängig davon ob wir über eine monatliche Sparrate oder eine Einmalanlage sprechen – nicht so wichtig, wie die Dauer der Anlage. Doch diese Geldanlage hat auch ihren Preis – Stichwort: Steuern. Anleger müssen nämlich die Kapitalerträge aus Fonds jährlich mit dem Abgeltungssteuersatz versteuern.

2. So funktioniert die Fondspolice

Mit einer ETF-Fondspolice haben Sie die Möglichkeit der Kombination eines ETF-Sparplans mit den Vorzügen eines Versicherungsmantels. Die ETF-Fondspolice eignet sich für alle Sparer, die Anlagen am Aktienmarkt für ihre persönliche Altersvorsorge nutzen wollen und besonders langfristig anlegen möchten. Insbesondere, wenn Sie steuerlich begünstigt für Ihr Alter vorsorgen wollen und dabei einen langfristigen Steuerstundungseffekt erhalten möchten, ist die fondsgebundene Rentenversicherung eine geeignete Investmentvariante.

Eine ETF-Versicherung ist im Wesentlichen ein Sparvertrag ähnlich wie ein ETF-Sparplan. Der entscheidende Unterschied ist, dass bei einer ETF-Versicherung die Geldanlage in Form einer ETF-Fondspolice erfolgt. Der Anleger schließt also einen Vertrag mit einer Versicherungsgesellschaft ab und nicht mit einer Bank. Der enorme Vorteil einer ETF-Versicherung ist, dass der Staat diese Art der Vermögensanlage mit Steuervorteilen fördert. Dies kann langfristig zu einem höheren Sparguthaben, als bei einem ETF-Sparplan im Depot führen.

Die Vertragspartei einer ETF-Versicherung ist eine Versicherungsgesellschaft. Zur Besteuerung der Erträge: Es gibt ab dem 62. Lebensjahr keine Abgeltungssteuer mehr, dafür greift das Halbeinkünfteverfahren. Es müssen also nur die Hälfte der Gewinne mit dem persönlichen Einkommenssteuersatz versteuert werden, was das Ablaufergebnis nach Steuer verbessert. Vor dem 62. Lebensjahr greift die ganz normale Abgeltungssteuer, wie auch in einem Depot. Die Teilfreistellung liegt bei 15 Prozent.

Lässt sich der Anleger sein Guthaben erst am Ende der Laufzeit der ETF-Fondspolice auszahlen, wird die Hälfte der aufgelaufenen Erträge nach einem Teilfreibetrag von 15 Prozent mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert. Entscheidet sich der Anleger für eine Verrentung seines Guthabens, wird ein kleiner Teil der Rente als Einkommen mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert.

Solange das Kapital in der Fondspolice bleibt, fallen also keine Kapitalertragsteuern an. Insbesondere gilt dieser Schutz vor Kapitalertragsteuern bei Umschichtung, Rebalancing oder Fondsverschmelzungen. Steuern auf Erträge werden erst erhoben, wenn der Sparer Kapital aus der Police entnimmt. Der Schutz vor Kapitalertragsteuer bei Umschichtung ist eines der größten Highlights der Fondspolice.

3. Betongold Immobilien als Altersvorsorge

Bestimmte Immobilien scheinen angesichts des Immobilienbooms der letzten Jahre in vielen deutschen Großstädten gute Tipps für die perfekte Altersvorsorge zu sein. Doch das ist ein Irrtum. Oft ist das eigene Haus oder die Wohnung weg, wenn eine Ehe in die Brüche geht. Zudem kostet auch eine selbst bewohnte Immobilie über die Jahre sehr viel Geld. Denn eben laufenden Kosten und Steuern müssen Eigentümer immer auch liquide sein, um Reparaturen und Wartungsarbeiten bezahlen zu können. Ob der Verkauf des Hauses im Alter die finanzielle Rettung ist, erscheint zumindest fraglich. Niemand kann voraussagen, ob der Immobilienmarkt weiter boomen oder in Zukunft schwächeln wird.

Immobilienpreisentwicklung in Deutschland

Immmobilienpreise - Entwicklung - Claus Roppel

Einer der vielen Vorteile, die eine Investition in eine Immobilie mit sich bringen kann, ist die Möglichkeit, im Rentenalter mietfrei zu wohnen. Die Idee: Haus oder Wohnung früh kaufen und bis zum Renteneintritt abbezahlen. So hätte man mehr Lebensunterhalt im Rentenalter. Zunächst eine plausible Vorstellung. Mietfreies Wohnen ist allerdings nur dann umsetzbar, wenn die Immobilie mit Eintritt des Rentenalters schon vollständig oder fast abbezahlt ist. Andernfalls fallen weiterhin Kosten zur Kreditbegleichung an, die im Rentenalter oft zur finanziellen Belastung werden können. Ebenso sollten sich Immobilieneigentümer darüber im Klaren sein, dass mietfreies Wohnen nicht gleich kostenlosen Wohnen bedeutet. Kosten für die Instandhaltung, die Grundsteuer und eventuelle Reparaturen sollten mit genügend Puffer kalkuliert werden.

Wer Eigentümer einer Immobilie ist, muss diese selbstverständlich nicht selbst bewohnen. Die Immobilie kann vermietet werden und das auch dann, wenn der Kredit der Immobilie noch nicht abbezahlt ist. Die Einnahmen aus einer Vermietung können das zur Verfügung stehende Budget im Rentenalter erheblich anheben. Voraussetzungen für eine erfolgreiche und lohnende Vermietung sind jedoch ebenfalls zu beachten. Eine Immobilie kann immer dann erfolgreich vermietet werden, wenn sich das Objekt in einer beliebten und bevorzugten Lage befindet. Mittelgroße bis große Städte können sich dafür eignen.

Die Immobilie als Altersvorsorge lässt sich auch dann umsetzen, wenn das Objekt weder selbst bewohnt noch vermietet wird. Viele Immobilieneigentümer entscheiden sich kurz vor oder nach dem Renteneintritt für den Verkauf ihres Objektes. Die Einnahmen aus dem Verkauf können dann als Lebensunterhalt im Pensionsalter dienen. Besonders eignet sich diese Variante der Altersvorsorge, wenn das Haus, das Grundstück oder die Wohnung günstig erworben werden und zu einem Vielfachen des Kaufpreises wiederverkauft werden kann.

Buchen Sie jetzt Ihr kostenfreies Erstgespräch

Aus der Perspektive eines Anlegers, der Risiken streuen möchte, könnten diese drei Bausteine und Tipps ein gutes Grundgerüst im Rahmen der privaten Altersvorsorge sein. Wenn Sie bei diesem Thema jedoch gerne unsere Unterstützung und Expertise in Anspruch nehmen möchten, dann tragen Sie sich einfach unter www.claus-roppel.de/termin zu einem kostenfreien Erstgespräch ein. Übrigens werden wir in diesem Zusammenhang auch immer wieder mit dem Edelmetall Gold konfrontiert. Passend dazu könnte auch der Blogartikel unter folgendem Link interessant für Sie sein: www.claus-roppel.de/gold-geldanlage.

Gold als Geldanlage 2022 sinnvoll?

Wie sinnvoll ist es, in Gold zu investieren? Nun, eine pauschale Antwort auf diese häufig gestellte Frage gibt es leider nicht. Entscheidend ist vielmehr, was Sie sich persönlich von einem Investment in Gold erhoffen. Im Wesentlichen investieren zwei Anlegertypen in Gold: die Spekulanten und die Sicherheitsbedachten. Erstere setzen auf möglichst hohe Kurssteigerungen, Letztere auf den Werterhalt im Falle einer Wirtschaftskrise. Wir wollen in diesem Artikel aber vor allem das Investment in Gold in Bezug auf die finanz- und geopolitischen Begleitumstände analysieren und Ihnen konkret mit auf Weg geben, wie sinnvoll diese Investition erscheint.

In den letzten 20 Jahren schwankte der Goldpreis zwischen rund 300 und 1800 Euro. Auch wenn der Goldpreis im ersten Quartal sein bisherige Allzeithoch erreicht, so ist Gold alles andere als eine sichere Geldanlage. Denn wie bei jeder Handelsware kommt auch der Goldpreis über Angebot und Nachfrage zustande. Das Besondere an physischem Gold ist aber: Als natürlicher Rohstoff ist sein Angebot nicht beliebig ausdehnbar. Zieht die Nachfrage an, können Goldproduzenten nur versuchen, das Angebot durch Recycling von Gold kurzfristig zu erhöhen. Reicht dies nicht aus, steigt der Preis.

Goldpreis in Euro von 1979 bis zum bisherigen Höchststand 2022

Goldpreisentwicklung 1979 bis 2022 - Claus Roppel

Dadurch das Gold, anders als Papiergeld, nicht beliebig vermehrbar ist und bereits viele Kriege, Depressionen und mehrere Währungsreformen überstanden hat, wird es zur Risikostreuung und damit zur Stabilisierung der Wertentwicklung eingesetzt. Doch Achtung: Gold an sich ist nicht produktiv. Es erarbeitet keine Gewinne wie die Unternehmen, in die beispielsweise Aktionäre investieren. Und es zahlt keine Zinsen wie die Banken und Staaten, denen die Käufer von Anleihen oder Besitzer von Festgeldkonten und Sparbriefen ihr Geld leihen.

Gewinne erzielen Sie also nur, wenn der Goldkurs steigt und Sie dann verkaufen. Als Anleger hoffen Sie also darauf, dass die Nachfrage nach Gold in der Zukunft steigt. Sollte sie nämlich fallen, sinkt auch der Kurs. In der Vergangenheit waren starke Kursschwankungen keine Ausnahmen, sondern eher die Regel: Zwischen 1987 und 1999 halbierte sich sogar der Goldkurs. Und auch rund um die Finanzkrise der Corona-Pandemie schwankte der Preis heftig in beide Richtungen.

Anleger greifen also prinzipiell zu Gold, um zum Beispiel ein Gegengewicht zu den fallenden Börsen zu haben. Statt sich als Held der Finanzen zu behaupten und die Aktienverluste durch Kursgewinne auszugleichen, bewegt sich der Unzenpreis (31 Gramm) seit Wochen jedoch kaum. Um zu verstehen, welcher Mechanismus dahintersteckt, müssen wir uns das Verständnis zwischen dem sogenannten Realzins und Gold vor Augen führen.

Inverse Korrelation zwischen Gold und dem Realzins

Die Realzinsen geben an, wie hoch die tatsächliche Rendite von Staatsanleihen, abzüglich der Inflationserwartungen, ist. Angenommen die Inflationserwartung für die nächsten 10 Jahre liegt bei zwei Prozent und der Zins auf eine zehnjährige Staatsanleihe liegt bei 2,5 Prozent. In einer vereinfachten Rechnung erhalten wir nach Abzug der Inflationsrate einen Realzins von 0,5 Prozent. Und wie Sie in der nachfolgenden Grafik erkennen können, befinden sich Gold und der Realzins (schwarz) in einer inversen Korrelation.

Goldpreis Realzins Korrelation - Claus Roppel

Durch die Zinserhöhungen der amerikanischen Notenbank steigt der Realzins momentan deutlich an und ist zuletzt sogar aus dem negativen Bereich zurück in den positiven Bereich gestiegen. Für die institutionellen Anleger heißt dies, dass sie mit Staatsanleihen jetzt wieder eine positive Rendite erzielen können.

Rendite Staatsanleihen USA - Claus Roppel

Da man die Inflation mit Staatsanleihen umgehen kann, wird Gold aber auch als Inflationsschutz erstmal nicht mehr benötigt. Genau aus diesem Grund steigt der Goldpreis auch nicht mehr. Und sollte zu den Zinserhöhungen der Notenbanken auch eine Trendumkehr in den Inflationsdaten zu erkennen sein, wird sich dieser Trend nur noch stärker beschleunigen. Diese Entwicklung lässt sich auch anhand der untenstehenden Grafik mehr als deutlich veranschaulichen. Dort sehen wir nämlich, wie perfekt die Inflationserwartungen (schwarz) mit dem Goldpreis einhergehen.

Dass die Inflationserwartungen sogar etwas gefallen sind, ist im Übrigen darauf zurückzuführen, dass der Markt die Möglichkeit einer Rezession immer stärker einrechnet. Denn in einer Rezession kollabiert die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes und die Kreditausweitung. Hinzu kommen oftmals notgedrungene Immobilienverkäufe und eine schwindende Kauflust der Bevölkerung. In einem solchen Umfeld ist es für die Inflation sehr schwierig weiter zu steigen. Es könnte daher sein, dass die Inflationsrate erstmal einen Höhepunkt gefunden hat. Sollte dies der Fall sein, wird der bereits angesprochene Realzins explosionsartig nach oben schießen und Gold erstmal den Boden unter den Füßen wegziehen.

Goldpreis und Inflationserwartungen - Claus Roppel

Lohnt sich ein langfristiges Einzelinvestment in Gold?

Die langfristige Wertentwicklung von Gold über Jahrzehnte hinweg war nach Abzug der Inflationsrate außerdem nur in wenigen Zeiträumen höher als bei anderen Geldanlagen. Sollte also in Krisenzeiten bei Gold kurzfristige Preissteigerungen zu beobachten sein, bedeutet das nicht, dass Gold auch dauerhaft höhere Renditen liefert. Wer beispielsweise im Jahr 2000 in Gold investiert hat und bis Ende 2018 dabeigeblieben ist, hat im Vergleich zum reinen Aktieninvestment mehr jährliche Rendite bei weniger Schwankung erzielt. Wer dagegen früher, etwa Anfang der 1980er-Jahre oder Anfang der 1990er-Jahre investiert hat und 10 Jahre dabeigeblieben ist, hat mit Aktien das weit bessere Geschäft gemacht. Mittelfristig ist ein Goldinvestment daher am ehesten eine Wette mit ungewissem Ausgang. Über die lange Frist brachte ein Investment an der Börse pro Jahr aber immer mehr als doppelt so viel Rendite als Gold bei etwas weniger Schwankung. Die nachfolgende Grafik verdeutlicht dies:

Gold vs Aktien - Claus Roppel

Angesichts dieser Tatsache sind wir der Auffassung, dass Gold nicht wirklich als Einzelinvestment taugt. Eine andere Frage ist hingegen, ob Sie Ihrem Portfolio einen Anteil Gold beimischen sollten. Wie viel genau das sein sollte, darüber streiten sich Experten. Wir empfehlen unseren Coaching-Teilnehmern immer einen Anteil von maximal 10 Prozent, da eine höhere Beimischung die Renditechancen für das Gesamtportfolio zu sehr beeinträchtigen könnte.

Wenn Sie sich dazu entschließen, einen Teil Ihres langfristig investierten Vermögens in dieses Edelmetall anzulegen, stehen Ihnen dazu verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Anlagemünzen und Barren aus Gold sind dabei für viele die naheliegende Lösung, wenn es darum geht, Gold zu kaufen. Schließlich bieten sie die Möglichkeit, das Gold tatsächlich in den eigenen Händen zu halten.

Anlagemöglichkeiten mit Gold

Aktuell (Stand: 31.05.2022) kostet eine Feinunze rund 1730 Euro. Das ist allerdings der Marktpreis. Wollen Sie Gold in einer Bank oder bei einem Goldhändler kaufen, wollen diese an dem Handel natürlich mitverdienen. Daher gibt es zwei Preise: den Ankaufs- und den Verkaufspreis. Bei einer Unze liegt der Verkaufspreis meist etwa sechs Prozent über dem Ankaufspreis. Wenn Sie dagegen ein Zehnter einer Unze kaufen wollen, liegen zwischen An- und Verkaufspreis schon rund 20 Prozent. Der Goldpreis muss also erst um die Spanne – die Handelsmarge des Anbieters – steigen, damit Sie aus der Verlustzone kommen.

Hinzu kommt, dass Gold ein gewisses Währungsrisiko birgt, da Gold in US-Dollar gehandelt wird. Vereinfacht gesagt bedeutet dies, dass Sie beim Verkauf Ihres Goldes zunächst Dollar erhalten und diese dann in Euro umtauschen. Daher wirken Währungsschwankungen sich auf den Gegenwert in Euro aus. Wird der Dollar abgewertet, ergeben sich beim Wiederverkauf von Gold Nachteile für Sie als Anleger, weil Sie weniger Euro für den Dollar bekommen. In diesem Fall könnten unter Umständen Verluste auftreten, obwohl der Goldkurs in Dollar gestiegen ist. Die positive Seite der Medaille: Falls der Dollar aufgewertet wird, profitieren Sie davon.

Übrigens sind Anleger, die in physisches Gold investieren, steuerlich begünstigt, denn für Barren und Münzen fällt beim Erwerb keine Mehrwertsteuer an. Dies gilt allerdings ausschließlich für Gold. Andere Edelmetalle wie Silber oder Platin unterliegen sehr wohl der Mehrwertsteuer. Der Verkauf von Gold ist steuerfrei, sofern die Spekulationsfrist von 12 Monaten verstrichen ist. Andernfalls unterliegt jeder Gewinn über der jährlichen Freigrenze von 600 Euro dem individuellen Einkommenssteuersatz.

An der Börse in Gold investieren

Eine andere Form der Investition kann über Fonds erfolgen. Mit Goldfonds investieren Sie in Gold, beziehungsweise einen Fonds, der den Goldkurs nachempfindet. Sogenannte ETCs (Exchange Traded Commodizies, übersetzt: börsengehandelte Rohstoffe) sind Schuldverschreibungen und sollen dazu dienen, die Wertentwicklung von Rohstoffen möglichst exakt nachzuvollziehen. Solche ETCs sind auf verschiedene Arten besichert. Das schützt Sie als Anleger aber trotzden nicht unbedingt vor dem Emittentenrisiko - also der anteilige oder vollständige Verlust Ihres Geldes, falls der Herausgeber des ETCs seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Der bekannte Gold-ETC-Xetra-Gold zum Beispiel ist zu 95 Prozent mit physisch hinterlegtem Gold besichert und zu weiteren fünf Prozent mit Lieferansprüchen von Gold. Hundertprozentige Sicherheit bei einer Insolvenz des Emittenten gibt es aber trotzdem nicht. Die Ansprüche würden dann gleich behandelt wie die Ansprüche anderer möglicher Gläubiger. Dieses Investment ist abgeltungssteuerpflichtig.

Aus der Perspektive eines Anlegers, der Risiken streuen möchte, könnte diese Beimischung auf den ersten Blick eine Überlegung wert sein. Daher hoffen wir, dass wir Ihnen mit diesem Artikel eine Art Hilfestellung geben konnten. Wenn Sie beim Thema Vermögensaufbau jedoch gerne unsere Unterstützung und Expertise in Anspruch nehmen möchten, dann tragen Sie sich einfach unter www.claus-roppel.de/termin zu einem kostenfreien Erstgespräch ein. Übrigens legen dabei viele unserer Mandanten einen Schwerpunkt auf Immobilien. Passend dazu könnte auch der Blogartikel unter folgendem Link interessant für Sie sein: www.claus-roppel.de/immobilien/in-immobilien-investieren.

Jetzt Bitcoin bzw. Kryptowährungen kaufen?

In den letzten Monaten haben die rasanten Aufs und Abs bei den Kursen vieler bekannter Kryptowährungen wie zum Beispiel dem Bitcoin für große mediale Aufmerksamkeit gesorgt. Und auch wir werden von vielen Interessenten immer wieder auf dieses Thema angesprochen, sodass wir nachfolgend das Konzept der Kryptowährungen einmal hinsichtlich eines potenziellen Investments analysieren.

Denn Fakt ist, dass die bekannteste Kryptowährung Bitcoin in der letzten Dekade das erfolgreichste Investment mit einer Performance von 48,52 Millionen Prozent (!!!) war. Der erste registrierte Bitcoin-Preis kam demnach im März 2010 zustande und betrug seinerzeit 0,003 Cent. Ende Januar 2020 stand dieser Preis bereits bei rund 23.000 Dollar (Stand: 26.12.2020). Bitcoin ist 2022 übrigens gerade einmal knapp 13 Jahre alt, sodass Kryptowährungen noch eine sehr junge Anlageklasse abbilden. Und entsprechend wenig Erfahrungen haben wir alle mit diesen.

Entwicklung-von-Bitcoin-Claus-Roppel

Doch schauen wir uns die junge Geschichte etwas näher an. Die größte und bekannteste Kryptowährung ist, wie bereits oben erwähnt, der Bitcoin. Der Begriff setzt sich zusammen aus dem Wort für die kleinste digitale Einheit, dem Bit, und dem englischen Wort Coin, für Münze. Dahinter steckt eine anonyme Person oder Gruppe mit dem Pseudonym Satoshi Nakamoto. Die Vision: eine digitale Währung, die Menschen direkt miteinander handeln können – und zwar in Sekundenschnelle. Und trotzdem manipulationssicher, denn die Währung ist in einer sogenannten Blockchain gespeichert, also einer dezentralisierten Datenbank.

So funktioniert die Blockchain

Das Ganze kann man sich wie einen Notizblock vorstellen, auf dem Käufer und Verkäufer ihre Transaktionen notieren. Der Notizblock wird mit jeder neuen Transaktion auf dieser Blockchain dicker, er bekommt dann einen neuen Eintrag. Jeder Nutzer hat nämlich eine vollständige Kopie des gesamten Notizblocks. Genau wegen dieser Transparenz muss auch keine Vertrauensinstanz, also keine Bank und kein Staat, mehr dazwischengeschaltet werden. Es gibt also von Bitcoins weder Scheine noch Münzen; sie existieren lediglich virtuell als digitale Zeichenfolge.

Spannend wird jedoch sein, wie sich auf lange Sicht das Thema Kryptowährungen im Zuge der Demokratisierung des Bezahlens etablieren könnte. Denn bereits Anfang September 2021 führte El Salvador den Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel ein. Die Bewohner des mittelamerikanischen Landes können also nun ihre täglichen Einkäufe mit Bitcoin zahlen und auch ihre Steuern in der digitalen Währung überweisen. Und auch die zentralafrikanische Republik ließ im April 2022 verlauten, dem digitalen Zahlungsmittel ebenfalls einen besonderen Stellenwert einzuräumen. Die Zentralafrikanische Republik ist damit das erste Land in Afrika, dass Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel offiziell eingeführt hat. Allerdings ist die Akzeptanz in der Bevölkerung El Salvadors in den letzten Monaten angesichts der starken Schwankungen bislang noch mäßig.

Kann sich Bitcoin als weltweites Zahlungsmittel durchsetzen?

In der EU wird das Thema jedoch eher skeptisch gesehen. Immer wieder kursieren Regulierungsforderungen, weil sich vor allem die Währungshüter wohl offensichtlich in ihrer bisherigen Währungssouveränität bedroht fühlen. Vorgeschoben werden im Zuge dessen meist die Themen Geldwäsche und Kriminalität. Doch die meisten Kriminellen verwenden zu 99,9 Prozent Dollar, Euro und andere Fiat-Währungen.

Bitcoin ist also eine dezentrale Währung, die ohne Kontrolle durch Dritte geschaffen wurde. Das hegt natürlich Zweifel, ob es sich wirklich um eine Währung im klassischen Sinne handelt. Denn zumindest hierzulande sind Bitcoins kein gesetzliches Zahlungsmittel. Niemand ist demzufolge verpflichtet, Bitcoins anzunehmen und nur wenige tun das überhaupt, wie ein paar Läden oder Cafés in einigen deutschen Städten oder der Essensbringdienst Lieferando. Dabei ziehen Unternehmen übrigens immer den jeweils aktuellen Kurs heran.

Welche Nachteile das haben kann, zeigt allerdings die allererste Bitcoin-Transaktion für ein reales Wirtschaftsgut. Ein Krypto-Enthusiast bezahlte im Mai 2010 zwei Pizzen mit Bitcoins. Gemäß dem damaligen Stand der Kryptowährung zahlte er für die Backwaren genau 10.000 digitale Münzen – das entsprach damals 41 Dollar. Heute wären diese Münzen – und damit auch die Pizzen – mehr als 400 Millionen Dollar wert.

Bei diesen Firmen können Sie mit Kryptowährungen bezahlen

Diese Begleiterscheinungen machen jedoch deutlich, dass es relativ unwahrscheinlich ist, dass der Bitcoin oder eine andere Kryptowährung in den kommenden Jahren diesbezüglich einen großen Stellenwert einnehmen dürfte. In einigen Ländern wie in China oder der Türkei ist der Bitcoin bereits als Zahlungsmittel offiziell verboten. Und ähnlich wie die bekannten Währungen Euro, Dollar oder auch Schweizer Franken basiert der Wert der jeweiligen Kryptowährung immer nur auf dem Vertrauen derjenigen, die es gerade benutzen, handeln oder kaufen.

Lohnt sich ein Investment als langfristiger Investor?

Im Vergleich zu einem Sachwert wie einer Unternehmensbeteiligung, einer Immobilie oder einem Goldbarren steht bei Bitcoin & Co. kein realer Wert entgegen. Daher ähneln diese erheblichen Kursschwankungen wohl auch weiterhin einer Art Achterbahnfahrt. Und genau deswegen muss man sich als Privatinvestor auch ehrlich fragen, wie man emotional mit dieser extrem starken Volatilität umgehen kann. Wenn der Trend mehrheitlich wie in der kürzeren Vergangenheit nach oben zeigt, sind Schwankungen naturgemäß problemlos ertragbar. Wenn der Kurs aber in Schwächephasen, die es auch bei Kryptowährungen jederzeit geben kann, längere Zeit nur nach unten zeigt, dürften die Nerven vieler Investoren auf eine harte Probe gestellt werden.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Umweltbelastung: Das Herstellen eines Bitcoins, auch „minen“ genannt, benötigt extrem viel Rechnerkapazität. Dabei lösen zahlreiche Rechner weltweit nämlich gleichzeitig komplexe Gleichungen, die ihnen ein Algorithmus stellt. Derjenige, der zuerst zu einer Lösung kommt, verschickt sie an die anderen Rechner. Und wenn diese dann das Ergebnis für korrekt befinden, speichert der sogenannte „Miner“, von dessen Rechner die Lösung stammt, sie in der Blockchain und erhält dafür als Belohnung einen Bitcoin.

Doch mit jedem neuen Bitcoin werden diese Rechenaufgaben komplexer, benötigen mehr Kapazität – und somit auch mehr Strom. Sie sehen hier unten im Schaubild sehr gut, was eine durchschnittliche Bitcoin-Transaktion kostet bzw. für die Umwelt bedeutet. Insgesamt lassen sich Bitcoins aber nicht in unendlicher Form schürfen, da die Anzahl der Bitcoins auf 21 Millionen begrenzt ist. Ende April 2022 waren bereits rund 19 Millionen Bitcoins im Umlauf.

Was eine durchschnittliche Bitcoin-Transaktion kostet

Bevor Sie versuchen, die Auswirkungen des Erreichens der 21-Millionen-Grenze durch Bitcoin zu erkennen, müssen Sie wissen, ob er die 21-Millionen-Grenze überhaupt jemals erreichen wird oder nicht. Wenn man sich die aktuelle Komplexität des Mining-Prozesses ansieht, glauben die meisten Menschen, dass Bitcoin die 21-Millionen-Grenze vielleicht gar nicht erreichen wird. Die Miner müssen nämlich, wie bereits erwähnt, viele kryptografische Rätsel lösen, um die Blöcke zu verifizieren und zu validieren. Die Blöcke bestehen hauptsächlich aus einer bestimmten Anzahl von Bitcoins. Diese Blöcke werden gut an die Miner verteilt, die die Transaktion bestätigen.

Der Bitcoin wird außerdem alle vier Jahre halbiert. Im Anschluss daran werden aber auch die Belohnungen für die Schürfer halbiert. Durch diese Komplexität bieten Kryptowährungen – insbesondere Bitcoin – für Anleger natürlich eine hohe Attraktivität, da sie inflationsresistenter sind als Fiat-Währungen wie der US-Dollar oder der Euro. Ein weiteres Faustpfand ist das Thema Steuern. Denn wer in Bitcoins und Co. investiert, hat aktuell einen Freibetrag von 600 Euro. Die darüber hinaus erwirtschafteten Gewinne müssen jedoch versteuert werden, und zwar mit dem individuellen Steuersatz, der höher ist als die Kapitalertragssteuer etwa bei Aktien. Aber: Ab 12 Monaten Haltedauer sind Gewinne auf Kryptowährungen steuerfrei.

So denken wir über eine Geldanlage in Kryptowährungen

Am Ende des Tages ist das Ganze für jeden Einzelnen wohl ein Für und Wider. Die einen schätzen das digitale Geld aufgrund der starken Kursschwankungen und der kurzen Historie als viel zu riskant ein und sehen ein Investment wohl eher als Zockerei. Einige kritisieren, dass es an staatlicher und aufsichtsbehördlicher Regulierung mangelt. Andere wiederum sehen gerade mögliche Regulierungen als Gefahr – immerhin sind Zahlungen mit Kryptowährungen in anderen Ländern inzwischen verboten. Falls Sie jedoch einen kleinen Anteil von einem bis zwei Prozent Ihres Vermögens in Krypto anlegen wollen, empfiehlt es sich an den bekanntesten Kryptowährungen Bitcoin und Ethereum zu halten. Das sind nämlich die beiden Währungen mit der größten Marktkapitalisierung.

Legen Sie aber bitte nur Geld an, dass Sie in den kommenden drei bis vier Jahren nicht unbedingt brauchen. Wir raten unseren Mandanten, die ihr hart erarbeitetes Geld und Vermögen weiter aufbauen bzw. absichern möchten, jedoch oftmals davon ab, da viele Anleger mit den extremen Kursschwankungen nicht klarkommen und damit verbunden zweistellige Prozentverluste innerhalb von nur wenigen Stunden oder Tagen nur äußerst ungern in Kauf nehmen möchten. Dennoch glauben wir, dass die Blockchain-Technologie im Allgemeinen immenses Potenzial für das für Deutschland so wichtige Konzept der Industrie 4.0 hat.

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesem Artikel einen seriösen Einblick in das Thema Kryptowährungen geben konnten. Wenn Sie beim Thema Vermögensaufbau jedoch gerne unsere Unterstützung und Expertise in Anspruch nehmen möchten, dann tragen Sie sich einfach unter www.claus-roppel.de/termin zu einem kostenfreien Erstgespräch ein. Denn wir helfen seit vielen Jahren Privatanlegern dabei, Vermögen aufzubauen und zu schützen. Übrigens legen dabei viele unserer Mandanten einen großen Schwerpunkt auf die weltweiten Börsen. Passend dazu könnte auch der Blogartikel unter folgendem Link interessant für Sie sein: www.claus-roppel.de/boerse/boerse-verstehen

Immobilie mieten oder kaufen? (durchgerechnet)

Wer im Beruf angekommen ist, zwei oder drei Karriereschritte hinter sich hat und gerne eine Familie gründen möchte oder damit schon begonnen hat, steht oftmals vor der Frage: Mieter bleiben oder eine Immobilie kaufen? Aus finanzieller Sicht ist es wohl für die Mehrheit der Deutschen die wichtigste Entscheidung des Lebens. Damit Sie sich richtig entscheiden können und nicht später irgendwas bereuen, erklären wir Ihnen in diesem Blogartikel, wie Sie für sich überprüfen können, ob Sie lieber mieten oder kaufen sollten.

Für Familien ist das oft ein klarer Fall – ist der Nachwuchs da, muss ein Eigenheim her! Doch hohe Preise, fehlende Baustoffe und teure Kredite lassen den Traum von den eignen vier Wänden in vielen Fällen in weite Ferne rücken. Doch bevor Sie überhaupt anfangen zu rechnen, ob Sie sich ein Haus oder eine eigene Wohnung leisten können, ist zunächst eine andere Abwägung wichtig: Passen Ihre persönlichen Lebensumstände und der Besitz von Eigentum gerade zusammen? Und: Kann ich mir eine Immobilie angesichts der Preise leisten?

Häuserpreisindex: Veränderung zum entsprechenden Vorjahresquartal

Häuserpreisindex - Veränderung zum entsprechenden Vorjahresquartal - Immobilienblase - Immobilien - Claus Roppel

Eine vernünftige Vergleichsrechnung bei der Bank zu bekommen, ob man lieber kaufen oder mieten soll, ist natürlich eine Illusion. Also müssen wir wie immer selbst ran. Um einen vollständigen Überblick anstellen zu können, muss man erst einmal die gesamten Kosten für einen Hauskauf betrachten und die laufenden Kosten hinzuaddieren. Nehmen wir an, Sie finden ein Häuschen (100 Quadratmeter), das für 450.000 Euro zum Verkauf angeboten wird.

Auch wenn der Kaufpreis für Sie jetzt im ersten Moment machbar klingt, reicht das leider noch nicht aus. Denn am Ende werden Sie um einiges mehr zahlen müssen, um sich Ihren Traum wirklich erfüllen zu können. Hinzu kommen nämlich noch die Nebenkosten. Sie betragen in der Regel mindestens 10 Prozent der eigentlichen Kaufsumme, also in unserem Beispiel 45.000 Euro. Diese sollten auf jeden Fall mit entsprechendem Eigenkapital abgedeckt sein. Man spricht dann auch von einer 100-Prozent-Finanzierung, weil der volle Kaufpreis der Immobilie ohne Nebenkosten durch ein Bankdarlehen finanziert wird. Wir empfehlen jedoch immer mindestens 20 oder sogar 30 Prozent finanzielle Eigenmittel einzubringen.

Die Planung der Finanzierung kann jedoch aufgrund der aktuellen Entwicklungen und der damit verbundenen Straffung der Geldpolitik ganz gehörig ins Wanken geraten. Denn die Bauzinsen orientieren sich an der Renditeentwicklung der zehnjährigen Bundesanleihe, mit der sich Finanzminister Christian Lindner Geld borgt. Und die ziehen in Zeiten hoher Inflationsraten an. Kein Investor ist daher schließlich bereit, bei einer Teuerungsrate von mehr als sieben Prozent in der Spitze sein Geld für weniger als ein Prozent Zinsen zu verleihen. Der Staat müsse also mehr bieten. Die Renditen der Bundesanleihen steigen also – und mit ihnen die Bauzinsen.

Bestzins 10-jähriger Immobiliendarlehen und Rendite 10-jähriger Bundesanleihen

Zinsentwicklung Baufinanzierung 2022 - Immobilien - Claus Roppel

Dadurch sind die Kosten für ein Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung auf mehr als das Doppelte gestiegen. Der mittlere Zinssatz sprang von 0,9 auf 2,35 Prozent. Und ein Ende ist unserer Meinung nach nicht in Sicht. Zinssätze von vier Prozent sind in diesem Jahr keine Schwarzmalerei, sondern sehr realistisch. Doch die hohe Inflation ist nur ein Teil der Ursache. Die Banken schlagen natürlich auch noch Verwaltungs-, Risiko- und Bearbeitungsgebühren sowie ihre Marge obendrauf.

Daher sollte an dieser Stelle das Budget noch nicht ausgeschöpft sein. Denn wer ein gebrauchtes Haus kauft, sollte auch noch Geld für mögliche Sanierungen übrighaben. Das wird in der Praxis oft teurer, als mancher einkalkuliert hat. Beim Mieter hingegen steht nur die Miete auf der Ausgabenseite. Jedoch ist genau jene oftmals ein weiterer Hauptgrund dafür, warum man Eigentum erwerben möchte. Die Miete – so die Annahme – könne man doch viel lieber in die eigene Immobilie stecken. Doch diese Rechnung greift unseres Dafürhaltens zu kurz.

Viele Mieter machen nämlich einen entscheidenden Denkfehler: Bei der Finanzierung ist die bisherige Miete bekanntlich ein wichtiger Bestandteil; hier wird dann die Warmmiete als Vergleichsindikator angelegt. Dabei darf es eigentlich nur die Kaltmiete sein. Denn Betriebskosten fallen schließlich auch beim späteren Häuschen an. Und diese sind dann möglicherweise höher als bislang. Wenn man nämlich bisher auf 80 Quadratmetern gewohnt hat und künftig auf 100 Quadratmetern, dann steigen auch die Nebenkosten. Hier sollte man mit zwei bis drei Euro monatlich pro Quadratmeter Wohnfläche zusätzlich kalkulieren.

Schauen wir uns aber mal die Ertragsseiten beider Parteien an. Das geht beim Mieter erstmal leichter: Während ein Käufer Teile seines Einkommens in die Tilgung und die Zinszahlungen des Kredites stecken muss, kann ein Mieter diesen Teil am Kapitalmarkt anlegen und somit langfristig Vermögen aufbauen. Hier sind mit Blick auf die historischen Daten locker 4 Prozent nach Steuern und Inflation drin.

Historische Rendite in Prozent pro Jahr an der Börse

Historische Entwicklung an der Börse - Rendite - Claus Roppel

Im folgenden Beispiel vergleichen wir den Kauf und die Miete von zwei Häusern in unmittelbarer Stadtnähe von Berlin. Hier haben wir bereits zu Beginn des Artikels den Kaufpreis inklusive Nebenkosten in Höhe von 495.000 Euro (450.000 + 45.000) festgehalten. Dazu nehmen wir an, dass unser Beispiel-Käufer ordentlich Eigenkapital auf der Seite hat – nämlich 20 Prozent (99.000 Euro). Diese Annahme treffen wir eher zugunsten des Kaufszenarios, denn in den letzten Jahren wurde auch gerne mal mehr fremdfinanziert. Es müssten also 396.000 Euro finanziert werden.

Weiterhin nehmen wir einen aktuellen Zins von 2,3 Prozent mit 20-jähriger Zinsbindung an. Soll nun der Kredit in den nächsten 25 Jahren abbezahlt sein, liegt die monatliche Rückzahlungsrate bei rund 1900 Euro – wohlbemerkt ohne zusätzliche Ausgaben für anstehende Instandhaltungen der Immobilie. Diese werden, wie bereits eingangs erwähnt, von den meisten Käufern leider stark unterschätzt.

Der Mieter zahlt für ein vergleichbares Objekt in dieser Größenordnung pro Quadratmeter 15 Euro. Bei 100 Quadratmetern macht das eine monatliche Warmmiete von 1500 Euro aus. Somit hat der Mieter im Vergleich zum Käufer vereinfacht gesagt 400 Euro pro Monat mehr zur Verfügung, die er nicht für Wohnkosten ausgeben muss. Legt er das übrige Geld nun monatlich nebst dem Anfangsvermögen von 45.000 Euro an, so hat er nach Steuern und Inflation ein Vermögen von etwas mehr als 324.000 Euro am Ende der 25 Jahre. So könnte sich der Mieter auf Lebzeiten monatlich eine zusätzliche Rente von rund 1057 Euro netto für die nächsten 20 Jahre auszahlen – ohne dabei sein Vermögen anzukratzen.

Freiheit oder Verantwortung: Sie entscheiden!

Am Ende des Tages ist das Ganze natürlich aber vor allem eine persönliche Entscheidung. Machen Sie sich aber bitte bewusst, dass Sie mit einer Immobilie, die Sie selbst bewohnen und Monat für Monat abbezahlen, auf einem ganz schönen Klumpenrisiko sitzen. Denn während man zum Beispiel mit einem breiten, weltweit gestreuten Wertpapier-Portfolio sehr gut diversifiziert ist, ist man mit einem Haus vor allem immobil.

Natürlich kann der Wert eines Hauses auch langfristig steigen – das hängt aber in erster Linie von der geografischen Lage des Objekts ab. Langfristig gesehen sind hingegen die Wertsteigerungen eindeutig auf Seiten des Aktienmarktes. So gab es bislang keine Phase in der Geschichte des globalen Aktienindex MSCI World, in der nach 15 Jahren keine positive Rendite vorlag. Hierzu könnte für Sie auch der folgende Blogartikel interessant sein: www.claus-roppel.de/boerse/boerse-verstehen.

Wenn die eigenen vier Wände aber nach wie vor Ihr großer Wunsch sind und Sie genügend Eigenkapital haben, dann ist das vor allem eine Herzensentscheidung. Rational betrachtet lässt sich ein Haus im Alter aber eher schlecht „entsparen“, also verbrauchen, um die monatliche Einkommenslücke zu schließen. Ungünstig wird es insbesondere dann, wenn man zum Beispiel pflegebedürftig wird und eigentlich Cash anstelle einer großen Immobilie bräuchte. Dann ist man mit einem Eigenheim ziemlich unflexibel. Es ist generell schwierig, aus Ihrer jetzigen Lebenssituation heraus vorherzusagen, was Ihnen in weiter Zukunft gefallen und Sie glücklich machen wird. Studien zufolge können wir nicht verlässlich beurteilen, was uns demnächst zufrieden stellt.

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesem Artikel bei der oben genannten Fragestellung eine gewisse Hilfestellung leisten konnten. Wenn Sie darüber hinaus noch weitere Fragen haben oder sogar Unterstützung bei der beschriebenen Thematik benötigen, dann tragen Sie sich einfach unter www.claus-roppel.de/termin zu einem kostenfreien Erstgespräch ein. Denn wir helfen seit vielen Jahren Privatanlegern dabei, Vermögen aufzubauen und zu schützen.

In Immobilien investieren: Inflationsschutz oder Gefahr?

Hohe Inflationsraten, wirtschaftliche Unsicherheiten und geopolitische Spannungen – es sind schwierige Zeiten für Anleger. Immobilien gelten jedoch seit jeher als sicherer Hafen. Doch der rasante Zinsanstieg setzt auch dort Fragezeichen. Wir wollen uns das Thema „in Immobilien investieren“ daher in diesem Artikel einmal etwas näher anschauen.

Fakt ist, dass die Europäische Zentralbank auf das Ende ihrer ultralockeren Geldpolitik zusteuert. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf das Baugeld: Die Zinsen für Immobilienkredite steigen vergleichsweise schnell. Seit Jahresbeginn sind die Zinsen für zehnjährige Darlehen nach Interhyp-Zahlen von 1 auf 2,6 Prozent (Stand Anfang Mai 2022) gestiegen. Damit haben sie sich innerhalb von kürzester Zeit mehr als verdoppelt. Im ersten Quartal 2021 waren es übrigens noch 0,8 Prozent. Weitere Zinssteigerungen sind also keinesfalls ausgeschlossen, sodass im Jahresverlauf sogar mit 3 Prozent für zehnjährige Darlehen zu rechnen ist.

Zwar sind die Kreditzinsen im historischen Langzeitvergleich nach wie vor niedrig; dennoch bedeutet der derzeitige Anstieg erhebliche Mehrkosten für Investoren. Jedes Zehntel kann da schon mal richtig weh tun. Der Zinsanstieg bei zehnjährigen Darlehen von 1 auf 2,6 Prozent bedeutet nämlich bei einem Immobilienkredit über 300.000 Euro und einer anfänglichen Tilgung von drei Prozent den Anstieg der monatlichen Rate von 1000 auf 1400 Euro. In zehn Jahren wären das insgesamt 48.000 Euro.

Diese Entwicklung verteuert aber nicht nur neue Kredite. Es könnte auch bestehende Kredite durch Anschlussfinanzierungen ins Wanken bringen, und Kreditnehmer könnten so in Verzug geraten. In der Folge könnten auch Banken Probleme bekommen, weil Eigentümer ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen können.

Platzt jetzt die Immobilienblase in Deutschland?

Eigentlich wäre zu erwarten, dass die Immobilienpreise bei steigenden Zinsen stagnieren oder sogar sinken. Doch andere ökonomische Faktoren stehen dem weiterhin entgegen und lassen die Preise derzeit noch ansteigen. Es wird nämlich nach wie vor im großen Stil mit Immobilien spekuliert. Es werden demzufolge Häuser und Wohnungen gekauft mit der Hoffnung, dass die Preise weiter steigen. In den nächsten Jahren kann es aber gerade in den Großstädten zu Preiskorrekturen kommen, also zum Platzen von Immobilienpreisblasen. Auch die Europäische Zentralbank und die Bundesbank warnen vor spekulativen Übertreibungen bei der Preisbildung.

Es ist also gut möglich, dass die Immobilienpreise aufgrund des Zinsanstiegs in den kommenden Jahren zeitweise stagnieren oder auch vorübergehend einmal rückläufig sein werden. Hier sehe ich vor allem die Wohnimmobilien unter Zugzwang, bei denen im Vergleich zu Gewerbe- oder Pflegeimmobilien sogenannte indexierte Mietverträge weniger verbreitet sind.

Der Grundgedanke eines solchen Indexmietvertrags ist recht einfach: Sie als Vermieter verzichten auf das Recht, die Miete immer wieder an die Vergleichsmiete anzupassen. Stattdessen wird die Miete gemäß dem Verbraucherpreisindex erhöht. Das bedeutet, dass die Miete parallel zu den Lebenshaltungskosten, die durch das Statistische Bundesamt im Verbraucherpreisindex abgebildet werden, erhöht wird. Deshalb neigen momentan Investoren wieder stärker zu Immobilien-Engagements außerhalb von Wohnimmobilien.

Auf lange Sicht glaube ich allerdings nicht, dass sich der gesamte Immobilienmarkt in eine Abwärtsbewegung dreht. Das könnte vor allem an der großen Liquidität im Markt und der geringen Anzahl an Alternativanlagen liegen. Wir hatten in den vergangenen zehn Jahren eine Verdopplung der Geldmenge, das werden wir die kommenden zehn Jahre vermutlich auch haben. Der hohe Druck auf die Anlageklasse Immobilien wird daher weiter bestehen bleiben und die Preise, jedenfalls langfristig stabil halten dürfen. Genau deshalb gehören Immobilien auch nach wie vor zu einem festen Bestandteil eines diversifizierten Portfolios. Denn ein Immobilieninvestment schützt weiterhin vor Inflationen, daran hat sich nichts geändert.

Der Renditetipp des 21. Jahrhunderts

Angesichts des demografischen Wandels habe ich hier in den letzten Jahren vor allem die Pflegeimmobilie ins Auge gefasst. Denn bis zum Jahr 2030 werden rund 320.000 Menschen auf einen Platz in einem Pflegeheim angewiesen sein. Doch nur etwa die Hälfte dieses Bedarfs kann aller Voraussicht nach gedeckt werden.

Konkret geht es bei dieser Form der Immobilie im Übrigen darum, dass die Bewohner in einer eigenständig abschließbaren Wohneinheit leben, aber dennoch durch ​einen Betreiber an eine entsprechend professionelle Pflege angebunden sind. Und dieses soziale Investment ist zugleich mit deutlich weniger Risiken verbunden, als wie es bei einem herkömmlichen Investment in eine Immobilie als Kapitalanlage der Fall ist. Denn der Betreiber kümmert sich sowohl um die administrativen Aufgaben als auch um die Vermietung und Instandhaltung.

Das bedeutet auch, dass mit wenigen Ausnahmen sogar alle Betriebs- und Instandhaltungskosten vom Betreiber getragen werden und auch die jährliche Nebenkostenabrechnung wird nicht Problem des Investors sein. Ebenfalls wird Sie kein Mieter wegen eines defekten Wasserhahns anrufen. Das Ganze garantiert Ihnen also auch eine gewisse Planbarkeit der Kosten, die Sie bei üblichen fremdvermieteten Immobilien nicht haben. ​​Außerdem vermieten Sie als Besitzer einer Pflegeimmobilie die Wohnung gar nicht selbst an die Bewohner (Pflegebedürftigen), sondern an den ​bereits erwähnten Betreiber der Einrichtung.

Ihr zusätzliches Sicherheitsnetz

Der Vorteil ​besteht darin, dass Sie sogar bei vorübergehendem Leerstand oder Zahlungsunfähigkeit seitens des Bewohners keine Mietausfälle zu befürchten haben. Und gemäß §72 SGB XI garantierten die Träger der Sozialversicherungen sogar dem Betreiber über einen Versorgungsvertrag die Mietzahlung für den Fall, dass der Bewohner nicht in der Lage ist, mit seinen finanziellen Mitteln die Miete aufzubringen.

Zugleich haben Sie jederzeit das Recht, die Immobilie zu verkaufen, zu vererben oder auch zu verschenken, denn Sie sind als Eigentümer im Grundbuch eingetragen. Alles in allem sprechen wir also von einem Investment, dass aufgrund der steigenden Lebenserwartung und dem damit verbundenen Pflegeaufwand absolut in die Zeit passt und noch relativ unbekannt ist. Außerdem kommen hier überwiegend die bereits angesprochenen indexierten Mietverträge zum Tragen.

Wer ​angesichts dieser Gründe sein Portfolio um ein solches Investment erweitern und damit diversifizieren möchte, der kann sich einfach unter www.claus-roppel.de/termin oder im unteren Formular für ein kostenfreies Erstgespräch mit uns eintragen. Dort ​können wir uns über ​dieses Investment einmal im Detail austauschen ​und ​analysieren, ob es unter Ihren gegebenen Voraussetzungen umsetzbar und sinnvoll erscheint.

Börse verstehen: Darum haben viele Anleger keinen Erfolg

Trotz der anhaltenden Niedrigzinsphase sind Anlageformen wie Girokonto, Sparbuch oder Tagesgeldkonto bei den Deutschen nach wie vor am weitesten verbreitet. Investments an der Börse hingegen werden in der deutschen Bevölkerung eher als Spekulationsobjekt denn als gute Geldanlage angesehen. Kein Wunder, dass die Deutschen im internationalen Vergleich eher Aktienmuffel gelten.

Häufig wird das Ganze aber auch mit einer Art „Zockerei“ gleichgestellt – doch der langfristige Vermögensaufbau mit der Börse ist keinesfalls mit einem Casinobesuch zu vergleichen. Jedoch sei an dieser Stelle vielleicht noch vorweggesagt, dass es in den kommenden Jahren deutlich schwieriger werden dürfte, Renditen oberhalb der Inflationsrate zu generieren, als es noch in den vergangenen Jahren der Fall war.

Gerade zu Beginn der Corona-Krise als auch zum Start der russischen Invasion ist wieder einmal klar geworden, wie stark wir uns von unseren Emotionen leiten lassen. Es ist wie André Kostolany einst sagte: Die meisten Entscheidungen an der Börse basieren auf emotionalen Reaktionen. Neuroökonomien haben längst bewiesen, dass es den Homo oeconomicus nur in der Theorie gibt. Auch wenn wir uns gerade als Menschen sehen, die rational Kosten und Nutzen einer Entscheidung abwägen, sind wir in Wahrheit von Gefühlen gesteuerte Lebewesen.

An der Börse ist (fast) alles Psychologie

Lassen Sie uns daher von folgender Ausgangslage ausgehen, die in turbulenten Zeiten wahrscheinlicher denn je ist, und zwar die Vorstellung, dass ein gravierendes Ereignis auf die Börsen trifft. Denn dann kann man sehr gut beobachten, wie viele Anleger von der anfänglichen Euphorie mit steigenden Kursen zum mulmigen Gefühl schwenken. Worauf nämlich gerade unerfahrene Anleger in einem solchen Fall nicht gefasst sind, sind die Gefühle. Sie sehen anhand der nachfolgenden Grafik sehr gut, warum 90 Prozent der Börsenentscheidungen reine Psychologie sind.

Die Psychologie an der Börse

Sie müssen sich daher zwingend damit arrangieren, dass Sie keinesfalls vorhersehen können, wo die Märkte morgen stehen werden. Was wir hingegen an historischen Daten erkennen können, ist ein anderes spannendes Muster. Denn langfristig steigen die Märkte um einen gewissen Mittelwert, sodass temporäre Marktkorrekturen bis dato von langanhaltenden Phasen des Aufschwungs kompensiert wurden. Das entsprechende Timing ist also keine Strategie, die ein Anleger, dessen Anlagezeitraum noch mindestens 10 Jahre beträgt, interessieren sollte. Der Anlagezeitraum ist also nach wie vor wichtiger als der Anlagezeitpunkt.

Warum ETFS 2022 kein Sicherheits-Garant mehr für hohe Renditen sein dürften

Doch ebenso wichtig wie ein möglichst langer Anlagehorizont ist zukünftig die Auswahl der Titel, sprich Fonds beziehungsweise Aktien. Denn die Gefahr eines langsameren Wirtschaftswachstums und einer sich beschleunigenden Inflation (Stagflation) kann auf Dauer erhebliche Verluste im eigenen Depot zu Buche führen. Warum man sich in anbahnenden Krisen oder geopolitischen Eskalationen aber keinesfalls nur auf die Nachbildung eines Indexes durch einen ETF (Exchange Traded Fund) verlassen sollte, möchte ich Ihnen am Beispiel des japanischen Leitzindex Nikkei 225 (im Folgenden auch Nikkei genannt) veranschaulichen.

Im Jahr 1990 platzte in Japan eine der größten Spekulationsblasen der Geschichte, infolge der Nikkei innerhalb von fünf Jahren um mehr als 60 Prozent abstürzte. Bis heute hat sich der Index übigens nicht auf das damalige Vorkrisenniveau erholen konnte. Die japanische Wirtschaft litt für mehrere Jahre unter den extremen Auswirkungen dieser Krise. Der japanische Volksmund bezeichnet diese folgenschwere Krise bis heute als die Verlorenen Dekaden. Und dass obwohl der Nikkei einer der wichtigsten Aktienindizes der Welt ist, der die Entwicklung von 225 an der Tokioter Börse gehandelten Unternehmen abbildet. Unter diesen Unternehmen befinden sich beispielsweise Unternehmen wie Toyota, Nissan oder Canon.

Übrigens ist der Nikkei ein preisgewichteter Index, das heißt er wird ohne Dividenden und andere Sonderzahlungen berechnet. Was ich Ihnen mit diesen Informationen verdeutlichen möchte, ist die Tatsache, dass wenn Sie diesen Index mittels eines ETFs in Form einer Einmalzahlung im Jahr 1988 abgebildet hätten, das Ganze ein sehr großes Verlustgeschäft gewesen wäre. Das unterstreicht wiederrum, dass neben dem Anlagezeitraum vor allem aber auch die Auswahl der Titel von elementarer Bedeutung sind.

MSCI World Index: Allheilmittel oder Gefahr für Anleger? (in Stagflation)

Schauen wir uns in diesem Zusammenhang auch gerne einmal den MSCI World Index an. Dieser stellt ja gerade für viele junge Sparer und Anleger eine Art Allheilmittel dar, um dauerhaft ordentliche Renditen zu erwirtschaften. Wohlbemerkt betrachten wir diesen Index immer unter der Voraussetzung einer Stagflation.

Sie sehen hier nachfolgend eingeblendet die 10 größten Unternehmen im MSCI World. Dieser globale Aktienindex bildet im Übrigen die Kursentwicklung von rund 1600 Aktien aus 23 Industrieländern ab; jedoch ist die Indexgewichtung mit fast 70 Prozent amerikanischer Unternehmen relativ eindeutig. Natürlich spricht die Historie eine positive Sprache, dennoch ist diese ja nur ein Blick in den Rückspiegel. Dass das keine 100%ige Garantie für finanziellen Erfolg ist, ist spätestens seit dem Beispiel des japanischen Nikkei-Index deutlich geworden.

Bei den fünf größten Unternehmen handelt es sich im Übrigen allesamt um die weltweit führenden Technologiekonzerne. Doch gerade diese sind angesichts der geopolitischen Situation im Sinkflug. Anleger sind es schon gar nicht mehr gewohnt, dass Tech-Aktien fallen. Wenn doch, dann bricht bei manchem die Panik aus. Denn trotz einiger guter Quartalszahlen und sprudelnder Gewinne bei den Tech-Giganten sind einige Aktientitel um über 70 Prozent gefallen. Das liegt vor allem an der wirtschaftlichen Ausgangslage (Stagflation) und dem damit verbundenen Rezessions-Szenario. Denn hierbei dürften diese Werte wohl weiterhin zu den Underperformern zählen.

Ob es dann wirklich zu Stagflation, vielleicht zu einer Rezession kommt, wird sich zeigen. Wer an diese Szenarien glaubt, kann sein Portfolio aber entsprechend anpassen, absichern oder umschichten. Denn nicht jedes Unternehmen oder jeder Index wird ähnlich wie nach dem Corona-Schock Anfang 2020 in Windeseile wieder zu neuen Höchstständen klettern, sondern womöglich für längere Zeit oder sogar auf Dauer auf einem niedrigeren Niveau verharren. Dann gilt es aber auch entsprechend in Handlung zu kommen.

Doch welche Branchen sollten Investoren in einer Stagflation eigentlich bevorzugen? Wir würden in diesem Fall eine defensive Positionierung mit Schwerpunkt in nichtzyklischen Branchen favorisieren. Darunter fallen beispielsweise Konsumtitel, also Güter des täglichen Gebrauchs, ebenso Healthcare, Versorger und Energie. Sollte es jedoch zu einem Kriegsende kommen, könnte sich das Blatt sehr schnell wieder wenden.

Wenn Sie bei dabei unsere Expertise in Anspruch nehmen möchten, dann tragen Sie sich einfach unter www.claus-roppel.de/termin zu einem kostenfreien Erstgespräch ein. Denn wir helfen mit unserer Wohlstands-Akademie seit vielen Jahren Privatanlegern dabei, Vermögen aufzubauen und zu schützen. Der kluge Umgang mit Geld ist in Zeiten wie diesen nämlich wichtiger denn je.