November 2, 2020

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Schuldenblase 2020?! Bedroht die Geldflut unsere Wirtschaftsordnung?

Es scheint so, als würden die führenden und handelnden Personen alle Warnungen ignorieren und stattdessen weiterhin Billionen in die Märkte pumpen, um die Wirtschaft am Leben zu erhalten. Das damit aber langfristig genau das Gegenteil eintreten könnte, bleibt vordergründig zumindest unberücksichtigt. Doch genau um diese Hintergründe und dessen Auswirkungen soll es in diesem Artikel gehen.

Nun, dass unser derzeitiger Finanzminister Olaf Scholz in der Vergangenheit eigentlich als Sparfuchs und als Freund der Schuldenbremse bekannt war, daran wird sich wohl irgendwann keiner mehr so recht zurückerinnern können. Vielmehr wurde sich auf die sogenannte Notstandsklausel berufen, die ausnahmsweise die Aufnahme neuer Kredite erlaubt, um am Ende des Tages einen beispiellosen Konjunkturabsturz abzufedern.

So nimmt die Regierung nach dem Schuldenrekord in diesem Jahr mit insgesamt 218,5 Milliarden Euro im kommenden Jahr weitere Darlehen in Höhe von 96,2 Milliarden Euro auf. Bei diesen gigantischen Summen kommen natürlich berechtige Zweifel auf, ob diese Schulden künftig überhaupt noch abbezahlt werden können und stattdessen weiter laufend umgeschuldet werden müssten.

Allen voran die Europäische Zentralbank spielt mit ihrer Geldpolitik den Staaten bei diesem Vorhaben in die Karten. Denn die vormals unabhängigen Notenbanken ähneln zurzeit mehr oder weniger Durchführungsagenturen politischer Gelddruckwünsche. Dadurch ist es mehr als offensichtlich, dass unser Papiergeldsystem mit seiner schier grenzenlosen Möglichkeit, Geld und Kredite aus dem Nichts zu schöpfen, der Welt eine Wirtschaftsordnung beschert hat, die auf der Basis des kontrollierten Bankrotts basiert.

Und das sowohl in den USA, Deutschland, Italien oder auch Japan. In den nächsten Jahren könnte sich diese Zentralbankpolitik aus steigenden Schulden und sinkenden Zinsen auch noch weiter fortführen, was wir am Beispiel Japan seit Jahren eindrucksvoll beobachten können. Denn dort senkte die Zentralbank nach dem Platzen der Immobilienblase Anfang der 90er-Jahre schrittweise die Zinsen, infolgedessen im Jahr 1999 der dortige Leitzins erstmals auf null Prozent fiel.

Zwei Jahre später setzte man den Kauf von Staatsanleihen ein, was dazu geführt hat, dass sich mittlerweile rund 45 Prozent der Papiere in ihrem Besitz befinden. Und in keinem anderen Land ist der Staat so hoch verschuldet wie in Japan. In den USA finanziert die Regierung ebenfalls bereits die Hälfte ihrer Ausgaben auf Pump. Demzufolge wird auch die EZB weiterhin Staatsanleihen in großem Stil einkaufen und die Finanzierungskosten für überschuldete Staaten drücken.

Dadurch sind die Notenbanken eigentlich hoch politisierte Institutionen, deren vordergründiges Ziel seit der Finanzkrise darin besteht, staatliche und private Schuldner vor dem Bankrott zu bewahren und seit der Corona-Krise noch zusätzlich die Investitionswünsche der Regierungen zu finanzieren. Doch je mehr sich die Notenbanken in den der allgemeinen Politik vorbehaltenen Prozess einmischen, desto mehr stellen sie meiner Meinung nach ihre für die Erhaltung der Preisstabilität entscheidende Unabhängigkeit infrage.

So oder so haben die Regierungen quasi einen Freifahrtschein fürs Schuldenmachen. Langfristig ist es angesichts der Geldschwemme, der Null- und Niedrigzinspolitik und der angesprochenen Schuldenlast daher nicht unwahrscheinlich, dass der Staat immer weiter in die freie Marktwirtschaft eingreift und dadurch das Tor zur Staatswirtschaft immer weiter aufstößt.

Denn anders als nach der Finanzkrise, als das frisch gedruckte Geld der Zentralbanken im Bankensektor stecken blieb, weil Unternehmen und private Haushalte seinerzeit kaum Kredite nachfragten, fließt dieses Mal das frische Geld direkt auf die Konten von Unternehmen und Bürgern in Form der staatlichen Zuschüsse.

Kein Wunder also, dass die Geldmenge M1, die Bargeld und Sichteinlagen umfasst, in der Eurozone zuletzt um mehr als 13 Prozent gestiegen ist. Wenn aber diese Geldmenge steigt, die Güterproduktion aber gleichzeitig abnimmt, steigen eigentlich grundsätzlich die Preise. Die alles entscheidende Frage in diesem Zusammenhang ist nur wann genau das der Fall sein wird.

Fakt ist, dass die Geldflut bis jetzt vor allem die Vermögenspreise wie Aktien oder Immobilien getrieben haben, aber von steigenden Güterpreisen flächendeckend noch nicht viel zu sehen ist. So lagen die Verbraucherpreise in der Eurozone im vergangenen Monat sogar 0,3 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Auch in den USA hält sich die Inflation mit plus 1,3 Prozent bisher in Grenzen.

Die Bürger halten aber auch hierzulande aufgrund schrumpfender Einkommen und Kurzarbeit ihr Geld eher zusammen und auch die Unternehmen verzögern größere Investitionen. Doch nicht wenige Ökonomen gehen davon aus, dass wenn die Notenbanken die Staatshaushalte weiterhin so großzügig finanzieren werden, ein deutlicher Anstieg der Inflation zu befürchten ist. Das würde natürlich für unser bestehendes Wirtschaftssystem extrem bedrohlich werden.

Denn entweder die Notenbanken bekämpfen die Inflation, indem sie kräftig auf die geldpolitische Bremse treten, wodurch die Zinsen in die Höhe schnellen und die Aktienmärkte abstürzen würden. Infolgedessen wären aber auch Staaten und Unternehmen von der Insolvenz bedroht. Zum anderen könnte man der Inflation freien Lauf lassen, was zur Enteignung vieler Sparer führen würde.

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