Juni 30, 2021

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3 fatale Gründe, warum Sie keine klassische Lebensversicherung abschließen sollten  

Des Deutschen liebstes Kind bei der Altersvorsorge – die klassische Lebensversicherung – verkommt mehr und mehr zum Auslaufmodell. Denn egal ob Rente oder Einmalleistung – bei den Prognosen zu den Auszahlungen von Lebensversicherungen gibt es in den vergangenen Jahren nur noch eine Richtung – und zwar nach unten. Daher wollen wir uns in diesem Artikel einmal die drei Gründe dafür anschauen, warum die Lebensversicherer sprichwörtlich in Lebensgefahr sind und welche drohende Gefahr für bereits bestehende Kunden einer klassischen Lebensversicherung besteht.

Fakt ist, dass sich die Zahl der Policen hierzulande auf über 80 Millionen beziffert, was im Umkehrschluss bedeutet, dass rein statistisch gesehen jeder Deutsche einen solchen Vertrag besitzt. Doch den Gesellschaften fällt es angesichts der Null- und Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank natürlich zunehmend schwerer, das Geld ihrer Kunden gewinnbringend anzulegen.

Das liegt in erster Linie daran, dass die Unternehmen grundsätzlich einen Großteil eben jener Kundengelder in festverzinslichen Wertpapieren anlegen – und da geht es ihnen schon seit Jahren wie einem Privatsparer beim Tagesgeld, nämlich dass man kaum noch etwas verdient. Und dass die letzten Monate diese Ausgangssituation nun nochmal drastisch verschärft haben, ist wohl selbsterklärend. Denn schon vor Corona waren die klassischen Lebensversicherer wegen der bereits angesprochenen niedrigen Zinsen in Bedrängnis und hofften insgeheim auf eine Trendwende in der Zinspolitik.

Doch die langfristige Konsequenz ist dramatisch: So prophezeite der Exekutivdirekter der Finanzaufsicht BaFin, Frank Grund, in einem Interview mit der „Börsen-Zeitung“, dass sich die Zahl der Lebensversicherer, die unter „intensivierter Aufsicht“ stehen, auch wegen der Corona-Krise weiter steigen werden. Schon vor Ausbruch der Pandemie war übrigens jede vierte der 85 Lebensversicherer hierzulande bei der BaFin unter Sonderbewachung wegen akuter Finanzsorgen. 

Kein Wunder also, dass immer mehr wegen ihrer klassischen Lebensversicherung verunsichert sind. Doch wollen wir uns die Auswirkungen für bestehende Verträge mal etwas genauer anschauen – denn grundsätzlich sind drei Szenarien denkbar. Erstens – der Lebensversicherer übersteht die Krise, muss aber aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsen die sogenannten Überschussbeteiligungen immer weiter kürzen.

Überschussbeteiligungen Lebensversicherung

LV: Durchschnittliche Überschussbeteiligung (Quelle: fondsprofessionell.de)

Zum Verständnis: Überschussbeteiligungen sind vereinfacht ausgedrückt vereinbarte Beteiligungen des Kunden an Überschüssen aus dem Versicherungsgeschäft des Versicherers, die noch aus der hochverzinslichen Zeit stammen, wo es beispielsweise für Staatsanleihen noch 8 oder 9 Prozent Zinsen gab. Doch je länger der Vertrag noch läuft, desto mehr macht sich dieser Abwärtstrend natürlich auch für den Kunden negativ bemerkbar. Nur knapp ein Drittel der Anbieter hält dieses Jahr die Überschussbeteiligung auf eben klassische Policen mit einem Garantiezins konstant; dementsprechend bieten immer mehr Versicherer solche Verträge im Neugeschäft erst gar nicht mehr an.

Was ich in diesem Zusammenhang aber auch immer häufiger beobachte, ist die Vorgehensweise, dass viele Lebensversicherer aufgrund der bereits genannten Probleme die Verträge samt ihrer Kunden einfach verkauft. So hat zum Beispiel die Generali Leben im Jahr 2018 rund vier Millionen Verträge an einen Finanzinvestor verkauft – das Ganze nennt sich übrigens „Rund-Off“ und ist ein sehr populäres Mittel für die Konzerne, da ihr Image dadurch nicht wirklich in Mitleidenschaft gezogen wird, wenn sich Jahre später die Kunden über niedrige Auszahlungen beklagen sollten.

Wichtig zu wissen ist jedoch, dass der jeweilige Vertragskäufer auch den Vertrag mit allen Rechten und Pflichten übernimmt. Wenn also die Voraussetzungen für einen Widerruf vorliegen, mit denen der Kunde sein gesamtes Geld zurückerhalten kann, gilt das Widerrufsrecht auch gegenüber dem neuen Vertragspartner. Sollte es aber für den Lebensversicherer zu ernsthaften Schwierigkeiten kommen, kann es im zweiten Szenario dann für den Kunden – also schlimmstenfalls für Sie – richtig ans Eingemachte gehen.

Denn nur die wenigsten wissen, dass der Gesetzgeber einem Lebensversicherer das Recht eingeräumt hat, die Beiträge zu erhöhen, wenn die eigene Kalkulation nicht mehr aufgeht – so steht es zum Nachlesen übrigens auch im Paragraph 163 des Versicherungsvertragsgesetzes. Und auch die BaFin hat bereits in der Vergangenheit entsprechende Eingriffsrecht bei einem angeschlagenen Lebensversicherer verabschiedet, die in letzter Konsequenz vor allem den Kunden richtig weh tun können. 

Demnach können zur Vermeidung einer Insolvenz des Lebensversicherers sämtliche Zahlungen erst mal verboten werden. Das hätte zur Folge, dass dann möglicherweise die laufende Rente ebenso vorübergehend gesperrt ist wie der Betrag, der nach einer Kündigung hätte zurückgezahlt werden sollen. Das wiederrum kann man im Paragraph 314 des Versicherungsvertragsgesetzes nachlesen. Übrigens kann dem Aufsichtsbehörde dem „Vermögensstand entsprechend“ auch die Versicherungsleistungen herabsetzen, um eine entsprechende Insolvenz zu vermeiden.

Doch wenn auch das alles nicht hilft, kommt Szenario drei und die sogenannte Protektor Lebensversicherungs-AG ins Spiel. Das ist vereinfacht ausgedrückt die Auffanggesellschaft der Branche für gescheiterte Lebensversicherungen. Sie musste aber bislang nur ein einziges Mal tätig werden – und zwar im Jahr 2003, als rund 350.000 Lebensversicherungsverträge der Mannheimer Leben übernommen wurden.

Der Kunde muss bei diesem Prozess aber weiterzahlen – sicher ist aber nur das, was er bis zu diesem Zeitpunkt auch garantiert bekommen hat. Und selbst das nicht unbedingt, denn sollten die finanziellen Mittel der Sicherungseinrichtung nicht ausreichen, um eine Sanierung des Bestands sicherzustellen, kann auch hier die BaFin die Verpflichtungen aus den Verträgen um bis zu fünf Prozent der vertraglich garantierten Leistungen herabsetzen.

Wer also angesichts dieser Gründe beziehungsweise Szenarien jetzt über einen vorzeitigen Ausstieg aus seiner klassischen Lebensversicherung nachdenkt, der hat verschiedene Optionen: Zum einen natürlich die Kündigung; aber auch die Beitragsfreistellung oder auch der Widerruf wären denkbar. Was am Ende des Tages aber wirklich sinnvoll ist, lässt sich nur im Einzelfall prüfen. Wenn Sie dabei Unterstützung benötigen, dann tragen Sie sich einfach unter www.claus-roppel.de/termin oder im unteren Formular zu einem kostenfreien Erstgespräch ein. Denn wir helfen mit unserer Wohlstands-Akademie seit Jahren Privatanlegern, Unternehmern und Selbstständigen dabei, nachhaltig Vermögen aufzubauen und zu schützen.

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