November 8, 2020

Title Banner without Sidebar

Gold verkaufen?! Notenbanken wollen Währungskollaps verhindern (Türkei)

Zum ersten Mal seit der großen Finanzkrise 2008/2009 schrumpfen die Goldreserven der Notenbanken, da einige betroffene Staaten unbedingt frisches Geld brauchen. Warum die Notenbanken aber über Jahre hinweg tonnenweise Gold einkauften, weshalb damit aber keinesfalls ein wirklicher realwirtschaftlicher Zweck erfüllt wird und was das mit der dramatischen Währungskrise in der Türkei und möglicherweise auch für den Euro bedeuten kann, darum soll es in diesem Artikel gehen.

Wie wir bereits wissen, hat die Corona-Krise bis heute drastische Auswirkungen auf den Goldhandel. So hat in den Monaten Juli bis September die Nachfrage nach Goldmünzen und Goldbarren sowie nach Wertpapieren, bei denen Gold hinterlegt wird, stark zugelegt, sodass der Goldpreis neue Rekorde verzeichnen konnte. 

Insgesamt legte er bis dato in Euro rund 19 Prozent zu, wovon natürlich nicht nur private Anleger profitieren wollen. So haben die Zentralbanken zum ersten Mal in der Dekade weltweit mehr Gold-Reserven verkauft als neu aufgebaut. In Zahlen ausgedrückt trennte man sich im abgelaufenen dritten Quartal 2020 netto von 12,1 Tonnen Gold im Wert von 625 Millionen Euro. Vorreiter in dieser Entwicklung waren dabei vor allem Usbekistan und die Türkei. 

Während ersteres Land sich für internationale Investoren und Organisationen öffnen möchte und dafür entsprechend Geld benötigt, was sich die Zentralbank über den Verkauf von Gold-Reserven beschafft, sieht das im Falle der Türkei doch etwas anders aus. Das Land am Bosporus wiederrum nutzt nämlich die Einnahmen aus dem Gold-Verkauf vor allem, um gegen den Verfall der eigenen Währung anzukämpfen.

Denn die dortige Lira gehört dieses Jahr nach dem brasilianischen Real mit einem gigantischen Verlust von knapp 30 Prozent zu den schwächsten Währungen der Welt. Deshalb hat die Zentralbank schon mehrfach ausländische Währungen ver- oder Lira gekauft und das nötige Kleingeld besorgt sich die Bank jetzt eben auch mit dem Verkauf von Gold – und davon ist erstaunlich viel gebunkert. Denn bereits vor der Corona-Krise kauften die Zinshüter des Landes massenhaft Gold ein.

Einzig Russland zeigte sich in ähnlicher Weise interessiert an Gold. Demzufolge saß die türkische Notenbank Ende 2016 noch auf Gold-Reserven von etwa 116 Tonnen, während sich bis Ende 2019 dieser Bestand bereits auf mehr als 412 Tonnen verdreifachte. Und inzwischen sollen es aktuellen Zahlen zufolge nach sogar 686 Tonnen sein. Dabei liegt die Türkei weltweit auf Platz neun bei den Gold-Reserven. Und trotz alledem hat sich die türkische Lira wie bereits angesprochen in diesem Jahr alles andere als gut geschlagen, sodass die bisher gefahrene Gold-Strategie der türkischen Notenbank ihr eigentliches Ziel komplett verfehlt hat. 

Denn was wir Anfang November beobachten konnten, war wirklich besorgniserregend, infolge die türkische Währung zum Dollar erstmals die Marke von acht Lira durchbrochen hat. Damit verlor man an einem Tag über ein Prozent zur US-Währung. Zwar wird hierfür auch die verpasste Zinssetzung der Notenbank und die Sorge vor US-Sanktionen aufgrund des Konflikts um das russische Raketenabwehrsystem ins Spiel gebracht; doch am Ende des Tages sind solche Entwicklungen nicht im Sinne der Notenbanken.

Zwar kann eine billigere Währung für die Wirtschaft gewisse Vorteile mit sich bringen, doch andererseits das Land ebenfalls vor gewaltige Probleme stellen. Denn durch die schwache Lira leitet die Türkei in erster Linie unter einer sogenannten „importierten Inflation“, und gleichzeitig verabschieden sich reihenweise die ausländischen Kapitalgeber und den Konzernen des Landes fällt es noch schwerer, die massiven ausländischen Schulden in Fremdwährungen zu bedienen.

Helfen würden dafür natürlich höhere Zinsen, die aber wie erwähnt ausgeblieben sind, da sie für den dortigen Präsidenten ein absolutes Tabu sind. Und genau das wissen auch die Zinshüter, weshalb sie womöglich auf die massiven Goldkäufe gesetzt haben. Zwar gilt Gold seit Jahrtausenden als weltweites Wertaufbewahrungsmittel, doch es nutzt im Besitz von Zentralbanken nicht als Reserve gegen Währungskrisen

Zwar eignet sich das Edelmetall als privates Anlageobjekt; erfüllt aber gleichzeitig keinen wirklichen realwirtschaftlichen Zweck. Deshalb kann eine Notenbank mit ihren Reserven allenfalls das Abwertungstempo einer Währung vermindern oder kurzfristige Übertreibungen korrigieren. Doch nachhaltig ist diese Methode definitiv nicht. Der eine oder andere mag sich vielleicht an dieser Stelle des Videos jetzt fragen, welche Möglichkeiten Notenbanken denn in einem solchen Falle überhaupt haben.

Nun, ob es sich um entsprechende Gold- oder auch mögliche Devisenreserven handelt; wenn sich der Markt gegen eine Währung stellt, kann wohl selbst die vermögendste Notenbank oft nichts dagegen unternehmen, was wir auch im Zuge der Yuan-Abwertung im Jahr 2015 in China beobachten konnten. Damals hat Chinas Notenbank vergeblich über eine halbe Billionen Dollar an Fremdwährungsreserven regelrecht verpulvert. Und diese Beispiele zeigen einfach, dass unser Geldsystem auch nicht in jedem Fall kontrollierbar ist und man sich möglichst mit seinem Vermögen aus den reinen Geldwerten entziehen sollte. Denn es gibt nach wie vor hervorragende Möglichkeiten sein Geld in Sachwerten zu schützen und ebenfalls noch weiter aufzubauen.

Dabei können wir Sie natürlich mit unserer Expertise und Erfahrung unterstützen. Einfach unter www.claus-roppel.de/termin oder im unteren Formular zu einem kostenfreien Erstgespräch eintragen. Denn wir helfen mit unserer Wohsltands-Akademie seit Jahren Privatanlegern, Unternehmern und Selbstständigen dabei, Vermögen aufzubauen und zu schützen.